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Virus von Latein auf Deutsch: „Das Land zwingen?“

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Diverse Falschmeldungen oder Verschwörungsmythen treten ja auf, weil Zusammenhänge missverstanden werden. So wie auch beim Thema Virus und Latein.

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Was passiert, wenn du den Begriff Virus in zwei Worte teilst und ihn bei Google in die Übersetzungsmaschine schmeißt? Wer auch immer sich das ausgedacht hat, hat ein interessantes Ergebnis bekommen. Und kann kein Latein.

Tatsächlich schmeißt das automatische Übersetzungsprogramm von Google eine hochspekulative Übersetzung raus. Das ist jetzt auch kein Geheimnis und kann jeder von uns nachvollziehen (hier der Link).

Ich erkläre dir kurz, was du nun machen musst. Öffne den Übersetzer von Google. Auf der linken Seite stellst du als Ausgangssprache Latein ein. Nun tippst du den Begriff Virus ein, schreibst ihn jedoch nicht als ein Wort, sondern als zwei. Also vi rus. Und jetzt lässt du das Ganze auf Deutsch übersetzen. Die Antwort lautet: das Land zwingen.

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Faktencheck Virus und Latein

Als Amateur und nicht-Lateinkenner könnte man natürlich jetzt laut schreien: Haben die ollen Römer bereits gewusst, dass man mit einem Virus das ganze Land unterdrücken kann? Haben wir es hier mit einer uralten Verschwörung gegen die Bevölkerung zu tun?

An dieser Stelle muss ich leider ein wenig einbremsen. Wie bei so vielen Verschwörungsmythen klingt alles immer erst spannender, jedoch die Erklärung dafür ist am Ende stinklangweilig.

Zunächst was auf der Hand liegt: Ja, der Übersetzer von Google schmeißt die Übersetzung „das Land zwingen“ heraus. Wir haben es hier mit zwei Wörtern zu tun, die im Lateinischen auch existieren. Vi und rus.

Schauen wir zuerst auf den Begriff vi. Es ist ein Wort, dass im Lateinischen als Adjektiv und Adverb „gewaltsam“ bedeutet, durchaus auch in Richtung „gezwungen“ interpretiert werden kann (hier eine Hilfestellung). Sollte es als Adverb genutzt werden, würde vi nicht weiter dekliniert werden und bliebe auch als vi in seiner Grundform. Das aus der Wurzel vi gebildete Substantiv lautet vis (f) und bedeutet „die Gewalt“. Wir müssen also an dieser Stelle festhalten, dass vi in allen seinen Variationen etwas mit Gewalt ausüben zu tun hat.

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Schauen wir nun auf den Begriff rus, der auch übersetzt wirklich „Land“ bedeutet (vergleiche). Spannend: sowohl vis als auch rus werden nach der i-Deklination dekliniert (viele Lateiner werden jetzt jammern, aber los: rus, ruris, ruri ….). Aber das soll nicht ablenken.

Sollte also der kurze Ausdruck vi rus wirklich „das Land zwingen“ bedeuten, wäre zumindest die Grammatik in Grundzügen plausibel. Rus als Akkusativ entspricht in der i-Deklination dem Nominativ und vi als Adverb wäre unverändert. Also könnte dann wohl irgendwas mit „gewaltsam das Land“ herauskommen. Interpretativ oder geflügelt vielleicht gar dann „das Land zwingen“.

Das Problem!

Doch wir haben am Ende noch ein Problem, denn eine Frage bleibt offen. Haben wir es hier wirklich mit der Sinnhaftigkeit der Übersetzung zu tun, wie sie interpretiert wird?

Wer eine Fremdsprache gelernt hat und Wörterbücher genutzt hat, wird dieses Problem kennen. Du schaust im Wörterbuch nach einem Begriff und findest dort eine Reihe von Bedeutungen. Anhand dieser Bedeutungen erkennst du, ob du wirklich den richtigen Begriff vorliegen hast.

Und das ist im Falle von rus hier nicht gegeben. Wenn wir auf Deutsch davon sprechen, dass jemand das Land zwingt, dann meint er mit Land die Bevölkerung eines Landes. Er spricht also von Menschen im erweiterten Sinne, die ein Land, einen Staat bewohnen. Das gibt der Begriff rus jedoch in keiner Weise her.

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Wenn auf Latein vom Volk gesprochen wird, dann ist wird die Vokabel populus verwendet. Das ist der korrekte Begriff, wenn Menschen gemeint sind, die einen Staat bilden (vergleiche). Ferner hätte der olle Römer niemals abwertend von seinem Land als „rus“ gesprochen. Der eigene Staat, das eigene Land war das Imperium Romanum oder das berühmte S.P.Q.R, also „Senatus Populusque Romanus“ (der Senat und das Volk Roms).

Warum der Römer auf Latein nie von seinem Land als rus gesprochen hätte? Nun …. rus bedeutet mehr oder weniger nichts anderes als „Ackerland“. Die Wortwurzel ru und alle daraus gebildeten Worte (rusticus=der Bauer, rurare=Landwirtschaft betreiben) beziehen sich auf den Boden selbst und nicht auf die Menschen, die in einem Land leben.

Wenn also „vi rus“ als Ausspruch auf Latein in irgendeiner Art existieren würde, dann bedeutet es auf Deutsch so etwas wie „das Ackerland zwingen“ oder „dem (Acker-)Boden Gewalt antun“. Tatsächlich müsste es dazu auch ein gängiger Begriff gewesen sein, so dass die Kombination der Worte vi und rus auch wirklich diese Bedeutung ergibt (so ganz ohne Präpositionen, Beugung und Substantiv). Auch das ist sehr zweifelhaft. Wir sind hier also weit von einer Volksunterdrückung entfernt.

Virus ist ein Wort

Am Ende sehen wir, dass dieser aufgestellte Mythos quatsch und Google als Übersetzungsmaschine eben nicht perfekt ist. Die Sinnhaftigkeit ist bei der Angabe auf der Strecke geblieben.

Das Wort Virus bedeutet klassischerweise „Gift“ oder „Schleim“. Gemeint sind damit eher eklige schleimige Substanzen. Das Wort ist auch bereits älter als die Erkenntnis von Viren selbst und wurde bis in das 19. Jahrhundert hinein als Synonym für Gifte oder infektiöse schleimige Flüssigkeiten verwendet. Erst mit der Erkenntnis der kleinen biologischen Einheiten veränderte sich dann auch der Begriff Virus zu der Form, wie wir ihn heute nutzen.

Alles andere, so wie die getrennte Schreibweise und die unsinnige Interpretation, ist somit falsch.

Latein? Nein!
Latein? Nein!

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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