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Freitag, 23 Juli 2021
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Der lausige Vergleich zwischen Verbrennern und Elektroautos in der Hochwasserkatastrophe

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Als sei die Hochwasserkatastrophe nicht bereits schlimm genug, muss sie nun auch für einen Lobbykampf herhalten. Es geht um einen lausigen Vergleich zwischen Verbrennern und Elektroautos.

Was haben klassische Verbrennerfahrzeuge mit der Hochwasserkatastrophe zu tun? Das ist eine Frage, die wir uns durchaus stellen dürfen. Und vor allem, wie kann eine Lobby innerhalb dieser Katastrophe Verbrennungsmotoren positiv darstellen?

Diese Fragen lassen sich in der Tat beantworten. Vor allem die dabei entstehende Glorifizierung von Verbrennungsmotoren unterliegt vierschiedener spannender Kommunikationsstrategien. Und diese Strategien werden wir uns genau anschauen. Das Ergebnis bereits im Vorfeld: Der Vergleich ist absolut lausig und unsinnig. Spannend ist jedoch, wie dieses Vergleich gestaltet ist, sodass er oberflächlich plausibel wirkt!

Wie sieht dieser Vergleich aus?

Auf verschiedenen Social Media Plattformen werden derzeit unterschiedliche Memes verbreitet, die Rettungsfahrzeuge im Einsatz zeigen. Diese Fahrzeuge fahren durch das Hochwasser. Die einzelnen Bilder werden einheitlich von der Botschaft begleitet, dass dies nur Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren schaffen würde, da Elektrofahrzeuge in einer Hochwasserkatastrophe nicht funktionieren. So lesen wir beispielsweise:

Stellt Euch mal vor, künftig werden bei solchen Katastrophen nur noch E-Autos eingesetzt. Da würden kurz ein paar Funken sprühen, es gäbe einen Kurzschluß und das war´s dann. Hochwasser, kein Strom und keine einsatzfähigen Verbrenner mehr. Wie kann man nur an den Scheiß von #diegruenen glauben?

Der lausige Vergleich zwischen Verbrennern und Elektroautos in der Hochwasserkatastrophe
Der lausige Vergleich zwischen Verbrennern und Elektroautos in der Hochwasserkatastrophe

Diese Bilder errichten zwei Ebenen. Die erste Ebene bezieht sich auf den Anlass selbst, nämlich den menschengemachten Klimawandel und die Aussage, das Verbrennungsmotoren ihren Teil dazu beitragen. Das Resultat sind die derzeitigen politischen Bestrebungen, die Produktion von Neufahrzeugen mit Verbrennungsmotoren in Zukunft zu unterbinden (siehe hier). Auf diesen Anlass baut nun die vermittelte Botschaft. Sie besagt, dass Verbrennungsmotoren Leben retten und somit (gernell?) zwingend notwendig sind.

Die zweite Ebene baut dann einen Vergleich zwischen Nutzen und Wert von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren und Elektromotoren innerhalb des Katastrophenschutzes auf. Die Aussage: Verbrennungsmotoren sind unabdingbar für den humanitären Einsatz innerhalb eines Katastrophenschutzes. Speziell dann, wenn Wasser ins Spiel kommt. Die These darin: Elektromotoren, bzw. generell deren Elektronik halten dem Wasser nicht Stand und es käme zu Kurzschlüssen.

Als Logikzugang wird hier das Bild des Elektrizität leitenden Wassers aufgegriffen, dass bei einer Flutung des Fahrzeugs den Antrieb und grundsätzlich das gesamte Fahrzeug außer Betrieb setzt. Verbrennungsmotoren, so die These an dieser Stelle, wären nicht betroffen. Das sollen die Bilder beweisen, auf denen Einsatzfahrzeuge im Wasser zu sehen sind.

Der Faktencheck: Elektrofahrzeuge und Rettungseinsätze

Beginnen wir zunächst mit einem einfachen Faktencheck: Halten Elektrofahrzeuge dem Wasser nicht stand? Gibt es Funkenflug und Kurzschlüsse?

Grundsätzlich gilt: Ein Fahrzeug ist immer nur für den Einsatzzweck ideal, für den es auch geschaffen wurde (diese Aussage merken wir uns für die Analyse der Kommunikationsstrategie). Das bedeutet, dass es natürlich nicht sinnvoll ist, mit einem normalen E-PKW durch Hochwasser zu fahren.

Ob der Wagen dann direkt streikt und mit sprühenden Funken versehen ist, ist jedoch falsch. Natürlich sind die elektrischen Systeme isoliert, denn so ein Fahrzeug muss ja auch Verdunstungen oder Spritzwasser aushalten. Insofern ist die radikal aufgestellte These des Funkenflugs unsinnig.

Die Frage ist nun, ob es auch Rettungsfahrzeuge mit Elektromotor gibt. Und die gibt es tatsächlich. Auch in Deutschland. Hier ist beispielsweise das eLHF der Berliner Feuerwehr zu nennen. LHF steht für Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeug. Und das e davor gibt logischerweise an, dass es sich um ein vollelektrisches Löschfahrzeug handelt. Hierzu lesen wir auf der Website Ecomento.de:

„Von der Idee und der Planung bis zum heutigen Tag sind rund zwei Jahre vergangen. Schließlich muss das eLHF im Einsatz vollkommen verlässlich sein und alle Anforderungen wie seine nicht-elektrischen Pendants erfüllen“, erklärt Landesbranddirektor Karsten Homrighausen. „Man muss bedenken, dass wir uns kein Fahrzeug ‚von der Stange‘ holen. Wir begeben uns auf neues Terrain. Umso stolzer bin ich, dass wir als erste Feuerwehr in Deutschland nun damit loslegen können.“

Zentral ist hier die Aussage, dass dieses Fahrzeug alle Anforderungen wie seine nicht-elektrischen Pendants erfüllen muss. Sprich: Alle Einsätze, die ein klassisches Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeug mit Verbrennungsmotor leistet, muss auch das vollelektrische Fahrzeug leisten.

Der Faktencheck zeigt also bereits an dieser Stelle, dass die These des funkensprühenden und versagenden Elektrofahrzeugs bei Hochwasser der Realität NICHT standhält. Doch was macht diese unsinnige These so plausibel und glaubwürdig? Es sind die Kommunikationsstrategien, die hinter den Memes stecken.

Narrative und überzogenes Framing

Dieses Memes bedienen sich einer starken sinnstiftenden Erzählung. Wir sprechen an dieser Stelle von sogenannten Narrativen. Dieses Narrativ lässt die falsche Darstellung nämlich als plausibel gelten.

Das Narrativ lautet, dass Verbrennungsmotoren und die entsprechenden Fahrzeuge als robust gelten. Speziell der Dieselmotor gilt als quasi unzerstörbar. Demgegenüber wird der hochsensible und komplex wirkende Elektromotor gestellt, dem eine maximale Anfälligkeit innerhalb des Narrativs zugeschrieben wird.

Diese beiden Geschichten werden in dem Meme kombiniert und mit einem maximalen Kontrast erzählt: Auf der einen Seite wird ein Spezialfahrzeug dargestellt, das zielgerichtet für einen Extremeinsatz konzipiert wurde. So sehen wir auf einen der Memes beispielsweise einen LKW wie den Unimog mit einer Wattiefe von 1,20 m, bei dem es sich um ein Spezialfahrzeug handelt. Natürlich kann dieses Fahrzeug durch Hochwasser fahren, weil es genau dafür konzipiert wurde.

Diesem Spezialfahrzeug wird nun bewusst abwertend das Bild eines normalen E-Autos entgegengesetzt, dessen primäre Aufgabe der Personentransport ist. Mehr noch, denn dem normalen E-Auto wird unterstellt, es hätte keinerlei isolierte oder abgekapselte Systeme. Diesem Fahrzeug wird also eine maximale (und in dieser Form in der Praxis nicht existierende) Störanfälligkeit angerechnet. Wir bemerken: Der Vergleich ist unsinnig und falsch, da hier zwei verschiedene Aufgabenbereiche verglichen werden und eben nicht zwei verschiedene Antriebe.

Hier kommen wir nämlich zu einer vorangegangenen Aussage unseres Faktenchecks zurück: Ein Fahrzeug ist immer nur für den Einsatzzweck ideal, für den es auch geschaffen wurde. Wenn also e-Rettungsfahrzeuge für den Hochwasser-Katastrophenschutz verwendet werden sollen, dann sind die Leitungen alle isoliert und die Elektronik gekapselt. Ein solches Fahrzeug könnte sogar so dicht sein, um damit unter Wasser zu fahren.

Und jetzt kommt es: Es gibt bereits seit vielen Jahren elektronische Fahrzeuge, die sogar unter Wasser fahren. U-Boote und vor allem Tiefsee U-Boote arbeiten nämlich so. Wir sehen also an dieser Stelle die bewusst manipulative Darstellung der Memes. Sie blenden aus, dass es Fahrzeuge mit Elektromotoren natürlich ebenfalls so konstruiert werden können, dass sich in Hochwasserkatastrophen eingesetzt werden können.

Wir können sogar noch einen Schritt weitergehen, denn es gibt auch Situationen im Katastrophenschutz, in denen Verbrennungsmotoren absolut untauglich sind. Kommen wir hier zurück zu den verwendeten Memes: Der dargestellte Unimog mit Wattiefe von 1,20 m wäre in einen brennenden Tunnel vollkommen nutzlos und dort eher schlecht Menschen retten. Verbrenner können in brennenden Tunneln sogar zur Todesfalle werden, da sie keinen Sauerstoff dort zur Verbrennung finden und somit nicht funktionieren. Aus dem Grund werden wiederum für diesen Einsatzzweck spezielle Elektrofahrzeuge entwickelt (siehe HIER).

Damit sind wir bereits bei der zweiten Kommunikationsstrategie angekommen, dem Framing. Framing bedeutet, dass an dieser Stelle ein kommunikativer Bedeutungsrahmen erschaffen wird, der sowohl eine vorgefertigte Meinung anspricht oder erschafft, auf der anderen Seite jedoch unliebsame Informationen ausblendet. Je stärker und tendenziöser ein Framing genutzt wird, desto manipulativer wirkt es.

Das bei diesen Memes angewendete Framing besteht darin, dass es komplett die Existenz von vollelektrischen Rettungsfahrzeugen ausblendet wird, sowie auch nicht genannt wird, dass vollelektrische Rettungsfahrzeuge natürlich in einer Hochwasserkatastrophe genutzt werden können. Im Gegenzug wird der manipulative Bedeutungsrahmen komplett auf eine Glorifizierung von Rettungsfahrzeugen mit einem Verbrennungsmotor gelegt und dass diese alternativlos sind.

Das Ziel auf der Metaebene

Diese beiden Strategien sollen auf der Metaebene eine gefühlte Abhängigkeit und generelle Notwendigkeit von Verbrennungsmotoren bewirken. Die nicht genannte Aussage: Wer Verbrennungsmotoren verbieten will (oder deren Abschaffung positiv sieht), ist indirekt ein Mörder. So hart darf ich es ausdrücken, denn das ist die vermittelte Botschaft auf der Metaebene.

Die Memes wollen ausdrücken, dass ohne die Verbrennungsmotoren in den Rettungsfahrzeugen Menschen nicht hätten gerettet werden können. Und somit wäre das Nichtvorhandensein dieser Fahrzeuge gleichbedeutend mit deren Tode. So einfach ist die Botschaft, und ebenso einfach unterschwellig wirkt sie.

Die hochmanipulative Botschaft ist natürlich erst auf den zweiten Blick erkennbar und gleichzeitig auch perfide: Einen Teilschuldigen des menschengemachten Klimawandels als notwendigen Lebensretter hinzustellen ist auf der einen Seite schon absurd, auf der anderen Seite schon fast wieder gefühlt genial.

Ebenfalls zum Thema Hochwasserkatastrophe:

Das Graffiti „I don’t believe in Global Warming“ – nicht neu, aber aktuell. Das Foto eines einfachen Graffitis mit dem Satz „I don’t believe in Global Warming“ sieht man derzeit häufig im Internet. Weiterlesen …


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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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