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Freitag, 24 September 2021
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„Ubuntu“: ich bin, weil wir sind! – Die Geschichte hinter dem Meme im Faktencheck

Facebook-Themen

„Ubuntu“: ich bin, weil wir sind! Ist die Geschichte wahr oder frei erfunden?

„Ubuntu“: Abermals taucht auf Facebook ein Meme mit einer Geschichte über einen Forscher auf, der mit den hungrigen Kindern eines afrikanischen Stammes eine Art Experiment mit erstaunlichem Ausgang durchführte.  Dieses Thema hatten wir bereits im Jahre 2016 behandelt.

„Ubuntu“: ich bin, weil wir sind! – Die Geschichte hinter dem Meme im Faktencheck
„Ubuntu“: ich bin, weil wir sind! – Die Geschichte hinter dem Meme im Faktencheck

Übersetzt bedeutet der Inhalt:

„Ein europäischer Forscher bot hungrigen Kindern eines afrikanischen Stammes ein Spiel an Er stellte einen Korb mit süßen Früchten an einen Baum und sagte ihnen, wer zuerst dort sei, gewinne alles Obst. Als er ihnen das Startsignal gab, nahmen sie sich gegenseitig an den Händen, kiefen gemeinsam los setzten sich dann zusammen hin und genossen die Leckereien. Als er sie fragte, weshalb sie alle zusammen gelaufen sind, wo doch jeder die Chance hatte, die Früchte für sich selbst zu gewinnen, sagten sie: „Ubuntu – Wie kann einer von uns froh sein, wenn all die anderen traurig sind?“ Ubuntu heißt in ihrer Kultur: „Ich bin, weil wir sind“.

Woher stammt diese „Ubuntu“ – Geschichte?

So unbekannt, wie auf dem Meme steht, ist die Quelle der Geschichte ganz und gar nicht. Erstmals erzählt wurde sie nämlich auf einem Friedensfestival in Florianopolis/Südbrasilien im Jahre 2006 von der Journalistin und Philosophin Lia Diskin. Sie selber nannte den Stamm „Ubuntu“, genau wie jene Philosophie, nannte aber nicht den Namen jenes Forschers.

Seitdem findet man diese Geschichte mal mehr, mal weniger ausführlich überall im Internet, wobei einerseits behauptet wird, es handele sich um den Stamm der Xhosa (in Süd-Afrika), andere Quellen nennen den Stamm der Hausa (in West-Afrika). Allerdings ist die Sprache der Hausa keine Bantu-Sprache, dort kommt das Wort „Ubuntu“ gar nicht vor, aber es existiert in der Nguni-Sprache, die von den Xhosa und den Zulu gesprochen wird.

Ist die Geschichte wahr?

Darüber kann man nun diskutieren. Es gibt nur eine einzige Quelle für diese Geschichte, und auch der Stamm ist nicht eindeutig, ebenso ist der Name des Forschers unbekannt, auch wann sich dies zugetragen haben soll.

Allerdings erinnert die Geschichte frappierend an eine andere Legende, welche im Jahr 2000 im Internet kursierte. So soll einige Jahre vorher, während der Special Olympics in Seattle, wo Menschen mit verschiedenen Behinderungen antreten, folgendes geschehen sein:

„Und diese Leute werden von manchen „zurückgeblieben“ genannt…
Vor ein paar Jahren, bei den Seattle Special Olympics, traten neun Leute, alle mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung, bei einem 100 Meter-Lauf gegeneinander an. Nach dem Startschuss bemühte sich jeder mehr oder weniger erfolgreich, die Ziellinie zu erreichen.
Ein kleiner Junge, der das Rennen mitlief, stolperte andauernd und blieb dann schließlich weinend liegen. Die anderen Läufer hörten sein Weinen und drehten sich um.
Sie liefen alle langsamer, stoppten schließlich und gingen zu dem Jungen. Ein Mädchen mit Down-Syndrom beugte sich runter, gab ihm einen Kuss und sagte „So wird es dir besser gehen“. Dann hakten sich alle neuen Menschen unter den Armen ein und gingen gemeinsam über die Ziellinie. Jeder im Stadion stand auf und bejubelte die Neun minutenlang. Zuschauer, die dabei gewesen sind, erzählen die Geschichte heute noch.“

Diese Geschichte ist übrigens teilweise wahr.

Laut dem Special Olympics Washington Office ereignete sich ein ähnlicher Vorfall 1976 während einer Sportveranstaltung in Spokane, Washington. Dort stolperte ein Sportler, ein oder zwei blieben stehen und gingen mit ihm gemeinsam über die Ziellinie, die anderen Teilnehmer liefen das Rennen aber weiter.

Fazit

Die Geschichte an sich ist schön, die afrikanische Philosophie des Ubuntu gibt es. Ob die Geschichte auch wahr ist, kann man zumindest anzweifeln, da es doch ein wenig seltsam anmutet, dass ein Forscher solche Experimente mit einem wilden Stamm macht, um deren Reaktion zu testen. Am Wahrscheinlichsten ist es, dass die Journalistin und Philosophin Lia Diskin auf jenem Friedensfestival nur einfach und bildhaft jene afrikanische Philosophie erklären wollte (was bei einer Philosophin ja auch Sinn macht).

Ob die Geschichte also der Wahrheit entspricht oder eine Erfindung ist, ist im Endeffekt irrelevant. Sie erläutert eine sehr schöne Philosophie. Nur das ist, was letztendlich zählt.


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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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