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Freitag, 23 Juli 2021
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Offenbart eine Studie Langzeitnebenwirkungen der COVID-19 Impfung? (Faktencheck)

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Eine Studie soll Hinweise gefunden haben, dass mit Langzeitnebenwirkungen nach einer COVID-19 Impfung zu rechnen ist. Muss man sich Sorgen machen?

Seit dem 6. Mai 2021 ist jene Studie online einsehbar (siehe HIER) und erregte bisher kein großes wissenschaftliches Aufsehen – bis nun Impfskeptiker die Studie entdeckten und die darin enthaltenen Erkenntnisse ein wenig zu stark deuten.

Die Studie

Der österreichische Biologe und Impfskeptiker Clemens Arvay präsentierte die Studie kürzlich in einem YouTube-Video. Darin berichtet er, dass er seit Mai darauf warte, dass die Studie in den Medien behandelt werde, doch deutschsprachige Leitmedien seien nicht auf die Studie eingegangen, einzig eine englischsprachige Fachseite (siehe HIER) berichte darüber.

Demnach sei die Impfung zwar wirksam, kommen aber zu dem Schluss, dass unser angeborenes Immunsystem durch die Impfung (in dem speziellen Fall jene von Pfizer) reprogrammiert werden würde. Nach der Impfung verändere sich die Reaktion unseres Immunsystems auf sogenannte TLR (toll like receptors), also Rezeptoren, die die Strukturen von Krankheitserregern erkennen.

Andererseits erhöhe die Impfung die Zytokinreaktion bei pilzlichen Erregern, wobei jenes Zytokin ein Stoff ist, der Entzündungsreaktionen steuert.

Das Fazit der Studie sei, dass zumindest die Impfung von Pfizer unser Immunsystem „umprogrammiert“: Die Reaktion auf Viren und Bakterien werde verringert, die Reaktion auf Pilze werde erhöht. Dies müsse bei der weiteren Entwicklung der Impfstoffe berücksichtigt werden.

Clemens Arvay hat die wesentlichen Inhalte der Studie korrekt wiedergegeben, er behauptet also nichts Falsches in seinem Video. Seine Kritik ist nun aber, dass die Studie bisher noch nicht von den Medien aufgegriffen wurde, obwohl dies doch wichtig sei und bisherige Preprints schließlich auch in den Medien erschienen.

Warum die Studie bisher medial kaum beachtet wird

Der erste Gedanke ist natürlich, dass sämtliche Medien sicher dachten: „Das klingt beunruhigend, also berichten wir lieber nicht davon“. Das klingt logisch, wenn man von einer medialen Verschwörung bezüglich der Berichterstattung ausgeht, doch es gibt viel gravierendere Gründe, warum auch die meisten Fachzeitschriften noch nicht darüber berichten.

Grund 1: Noch kein Peer-Review

Arvay hat recht, dass über viele Preprints (Voraberscheinungen) in den Medien berichtet wird. Doch jene Studie hat noch einen großen Haken: Es gibt noch keinen Peer-Review. Doch was bedeutet das eigentlich?

Bevor eine wissenschaftliche Publikation in einer Fachzeitschrift erscheint, wird sie von Gutachtern aus dem Fachgebiet genauestens beäugt. Es werden also die Untersuchungsmethoden, die teilnehmenden Wissenschaftler, die Auswertungen etc. genau unter die Lupe genommen, ob auch sämtliche wissenschaftlichen Standards eingehalten wurden.

Wie aber in der Studie selbst oben bemerkt wird, ist dies noch nicht geschehen: Die Studie sei noch von niemandem ausgewertet worden, weswegen sie auch noch nicht als Leitfaden für die klinische Praxis verwendet werden sollte.

Grund 2: Die Teilnehmer an der Studie

Es wirkt fast kurios: An der Studie arbeiteten mehr Wissenschaftler (23) als es Teilnehmer gab (16). Einsehbar ist die Anzahl und Umstände der Teilnehmer in der Studie unter dem Punkt „Human subject collection“ (siehe HIER).

Demnach nahmen nur 16 Personen an der Studie teil. Das Alter der Teilnehmer liegt zwischen 16 und 59 Jahren. Alle Teilnehmer sind Mitarbeiter des Gesundheitswesens des Radboudumc Universitätsklinikums in Nijmegen in den Niederlanden.

Zudem erhielten ein hoher Prozentsatz (56,3 %) der Teilnehmer in den letzten 12 Monaten eine BCG-Impfung (Tuberkulose-Impfung), da sie an einer BCG-Studie teilnahmen.

Die gerade mal 16 Teilnehmer arbeiten also alle am selben Klinikum, über die Hälfte nahm vorher an einer anderen Impfstudie teil. Es ist somit auch zu untersuchen, ob nicht auch andere Umstände zu den Ergebnissen der Studie führten.

Was schlecht klingt, ist eigentlich gut!

Der Trigger der Studie ist das Wort „Umprogrammierung“ – unser Immunsystem wird durch die Impfung also verändert, augenscheinlich zum Schlimmeren, denn eine verminderte Reaktion auf Viren und Bakterien klingt ja erst einmal so, als ob wir dann noch kranker werden könnten, oder?

Das Gegenteil ist allerdings der Fall, denn das Problem gerade bei schwer Erkrankten ist, dass das Immunsystem zu heftig auf Infektionen reagiert – so bekommen wir beispielsweise oftmals bei einer Grippe ein so starkes Fieber, dass wir bettlägerig sind und es uns noch schlechter geht.

Wenn sich allerdings herausstellt, dass die Studienergebnisse sich auch auf andere Patienten übertragen lässt, würde das bedeuten, dass geimpfte Personen die nächste Grippewelle weitaus lässiger überstehen werden – die Infektion mit einem Influenza-Virus würde eine verminderte Immunreaktion auslösen, das Fieber wäre nicht so hoch, man wäre weniger krank.

Die eigentliche Überraschung: mRNA-Impfungen wirken wie Lebendimpfungen

Was als etwas Schlimmes dargestellt wird, ist eigentlich nicht nur etwas Gutes, sondern bei bisherigen Impfungen vollkommen normal: Das Immunsystem wird langfristig geändert.

In der Studie selbst steht:

„Mehrere Studien haben gezeigt, dass langfristige angeborene Immunantworten nach bestimmten Impfstoffen oder Infektionen entweder erhöht (trainierte Immunität) oder herunterreguliert (angeborene Immuntoleranz) werden können.“

Die Überraschung: Man kannte dies bisher nur von Impfungen wie beispielsweise gegen Masern, Mumps, Röteln und das bereits oben erwähnte BCG (Bacillus Calmette-Guérin, Schutzimpfung gegen Tuberkulose), an deren Impfstudie mehr als die Hälfte der Personen in der besagten Studie teilnahmen.

Die Studie zeigt also nicht etwas sensationell Schlimmes, sondern etwas sensationell Gutes auf, denn dies würde bedeuten, dass mRNA-Impfstoffe auf das Immunsystem langfristig genauso gut wirken wie die bisher gängigen Lebendimpfstoffe.

Fazit

Nicht die „Umprogrammierung“ des Immunsystems durch die mRNA-Impfung wäre die eigentliche Sensation (denn das machen viele Impfungen – dafür gibt es überhaupt Impfungen), sondern dass mRNA-Impfungen dies eventuell auch bewirken.

Es ist allerdings noch viel zu früh, darüber zu jubeln, da diesbezüglich noch sehr viel geforscht werden muss: Zum einen erhielten die nur 16 Teilnehmer zu einem hohen Teil vorher eine BCG-Impfung, die dies ebenfalls bewirkt, zum anderen wäre es dann sehr wichtig, die Wechselwirkungen einer mRNA-Impfung mit anderen Impfungen zu beobachten.

Die Aussagen von Clemens Arvay in seinem Video stimmen also zwar schon, allerdings stellt er die Erkenntnisse der Studie als etwas Schlimmes dar, dabei ist diese Veränderung des Immunsystems nicht nur normal bei vielen herkömmlichen Impfungen, sondern wäre auch ein Vorteil, wenn sich herausstellen würde, dass mRNA-Impfungen das ebenfalls bewirken.

Bild von torstensimon auf Pixabay
Weitere Quelle: Dr. Janos Hegedüs über das Video
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