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Studie beweist nicht, dass das Coronavirus aus einem Labor stammt!

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Eine chinesische Virologin will bewiesen haben, dass SARS-CoV-2 in einem Labor erschaffen wurde.

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Bereits im Juli kündigte die chinesische Wissenschaftlerin Dr. Li-Meng Yan in einem Interview mit Fox News an, „die Wahrheit über COVID-19“ an die Öffentlichkeit zu bringen. Sie behauptete, eine der ersten Wissenschaftlerinnen zu sein, die das neue Coronavirus Ende 2019 untersuchte, eine Studie soll nun dessen Herkunft aus einem Labor beweisen.

Dr. Li-Meng Yan erzählte in dem Interview, sie sei aus China in die USA geflohen, da die chinesische Regierung sie sonst „verschwinden“ lassen würde. Das FBI begann, den Fall zu untersuchen, mehr sagte sie zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht zu jener Wahrheit – außer dass die Regierung bereits früher davon gewusst habe.

Auf mehreren Boulevardseiten erschienen daraufhin Artikel über Dr. Li-Meng Yan, doch erste Zweifel an ihrer Geschichte tauchten bereits kurz danach auf.

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Erste Zweifel

Nach den Interviews fielen aber einige Ungereimtheiten auf.

  • Die Universität von Hong Kong bestreitet, dass sie mit  SARS-CoV-2 arbeitete. Sie führte dort laut der Universität zu keinem Zeitpunkt Forschungen über die Übertragung des neuartigen Coronavirus von Mensch zu Mensch durch, auch klängen ihre Schilderungen mehr nach Hörensagen, aber nicht nach wissenschaftlichen Grundlagen.
  • Sie bot zu dem Zeitpunkt keine direkten Beweise, sondern nur Behauptungen an – und zwar erst Monate später, was die Frage aufwirft, warum sie damit so lange wartete.
  • Die Universität von Hongkong ist Teil der Sonderverwaltungsregion, weit entfernt von Wuhan. Hongkong hat einen autonomen Status und eine eigene Justiz – die Aussage, dass sie vor der Regierung Chinas flüchtete, ergibt keinen Sinn, da sie in Hongkong bereits sicher war.
  • In seiner Rede am 4. Juli beschuldigte Trump erneut China direkt, an der Pandemie Schuld zu sein, weist jegliche Schuld an den hohen Todesraten in den USA von sich – ein perfekter Zeitpunkt, mit solchen Behzauptungen aufzutauchen und damit auch politisch zu agieren.

Zusamengefasst stimmt also zum damaligen Zeitpunkt schon einiges nicht:
Das erste Exklusiv-Interview nach ihrer Flucht in die USA im April fand im Juli statt – mit dem Sender Fox News, damals noch Trumps Lieblingssender. Es handelt sich aber nur um eine Reihe von Behauptungen ohne wissenschaftliche Grundlage, auch ihre Flucht ergibt nicht viel Sinn.

Eine veröffentlichte Studie – Der fehlende Beweis?

Im August tauchten dann neue Behauptungen von Dr. Li-Meng Yan auf: Die Coronavirus-Pandemie habe ihren Ursprung in einem militärischen Labor, was jedoch von der chinesischen Regierung vertuscht wurde.

Bereits im März gab es Behauptungen, dass das Coronavirus in einem Labor entstanden ist, was sich aber nicht bestätigen ließ (wir berichteten). Neu ist jedoch, dass diese Behauptung von einer Virologin stammt, die zudem in einem angesehenen Labor arbeitete.

Das Verhalten von Chinas Regierung machte die Theorie sogar auch glaubwürdig, da sich anfangs tatsächlich geweigert wurde, mit ausländischen Laboren zusammenzuarbeiten.

Nun scheint es aber allerdings einen echten Beweis zu geben – zumindest auf den ersten Blick. Auf Zenodo erschien vor wenigen Tagen eine Studie, eher ein „Paper“ (also eine wissenschaftliche Aussage), in der die Behauptungen näher erläutert werden.

Das Paper trägt den Namen „Ungewöhnliche Merkmale des SARS-CoV-2-Genoms, die auf eine ausgeklügelte Labormodifikation hindeuten, die eher als die natürliche Evolution und die Beschreibung des wahrscheinlichen synthetischen Weges zu verstehen ist“.

Die Studie unter der Lupe

Für Wissenschaftler aus aller Welt war dies natürlich äußerst interessant, denn ein echter Beweis, dass das neue Coronavirus im Labor geschaffen wurde, widerspräche sämtlichen bisherigen Erkenntnissen und wäre eine wissenschaftliche Sensation.

Das einzige Problem war aber erst einmal, dass das Paper nicht peer-reviewed wurde, also es keine „Gegenproben“ von anderen Wissenschaftsgruppen oder Laboren gab, das mag man aber noch aufgrund der Umstände verzeihen – Es liegt nun vor, also können Wissenschaftler es nun unabhängig voneinander prüfen!

Newsweek ließ sich nicht lumpen und beauftragte sechs führenden Experten auf dem Gebiet der Evolutionsbiologie und Infektionskrankheiten, sich die Studie genau anzuschauen. Die Erkenntnisse sind jedoch ernüchternd.

Zusammengefasst enthalte das Paper keine neuen Erkenntnisse, mache zahlreiche unbegründete Behauptungen und erhebe nur schwache wissenschaftliche Argumentationen.

Die Initiatoren der Studie

Das Paper wurde von Dr. Li-Meng Yan und drei Kollegen verfasst, jene Gruppe ist in der Wissenschaft nicht bekannt für Arbeiten an Infektionskrankheiten. Das ist jetzt kein direkter Negativpunkt, doch wenn die erste Arbeit gleich mit einer solchen Sensation aufwartet, schauen Wissenschaftler doppelt und dreimal so genau hin.

Verdächtiger ist die Gründung jener Gruppe:Laut dem Papier wurde die Studie von der Rule of Law Society und der Rule of Law Foundation intiiert.

Die Rule of Law Society wurde vom ehemaligen Trump-Berater Stephen K. Bannon gegründet, welcher kürzlich vom FBI des Betrugs angeklagt wurde.

Die Rule of Law Foundation wurde von dem chinesischen Geschäftsmann Guo Wengui gegründet, der 2014 wegen mehrerer Anklagen der Vergewaltigung, Entführung, Bestechung und anderer Vergehen aus China floh.

Guo Wengui, auch bekannt unter dem Namen Miles Kwok, war zum damaligen Zeitpunkt einer der reichsten Geschäftsleute Chinas mit einem geschätzten Vermögen von über eine Milliarde Dollar.

Erst im Juni dieses Jahres kündigten Bannon und Guo die Gründung des „Bundesstaates Neuchina“ an, eine Initiative zum „Sturz der chinesischen Regierung“.

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Die Kritik an der Studie

Die von Newsweek konsultierten Wissenschaftler kritisieren, dass das Paper gleich am Anfang einen konspirativen Ton anschlägt, der die Debatte über den Ursprung des neuen Coronavirus als Kampf gegen die Zensur abweichender Meinungen (!) und Betrug darstellt.

Die Genomanalyse in der Studie wirft ebenfalls Fragen auf. So werden beispielsweise auf „Restriktionsstellen“ in der genetischen Sequenz von SARS-CoV-2 als Beweis verwiesen, dass das Coronavirus mit Hilfe von Enzymen hergestellt wurde, die als molekulare Schere fungierten, um genetisches Material hinzuzufügen oder zu entfernen – Es wurden quasi „Schneidestellen“ gefunden.

Das Problem nur: Alle DNA-Sequenzen in der Natur haben solche Restriktionsstellen, wie Arinjay Banerjee, Virologe an der McMaster University, erörtert. Somit sei diese Entdeckung keine große Überraschung.

In einem Tweet nennt Carl Bergstrom, Evolutionsbiologe an der University of Washington in Seattle und Mitautor von „Calling Bullshit: The Art of Skepticism in a Data-Driven World“ das Paper „bizarr und unbegründet“.

Andrew Preston, Experte für mikrobielle Pathogenese an der University of Bath in Großbritannien, äußert sich folgendermaßen zu der Studie:

„Der Bericht basiert nicht auf einer objektiven Interpretation des SARS-CoV2-Genoms. Die vorgenommenen Interpretationen werden nicht durch Daten untermauert, sind unsubstantiiert, und die Interpretationen werden weitgehend angegeben, aber nicht erklärt. Der Bericht scheint nicht mit einer offenen Hypothese über den Ursprung von SARS-CoV2 zu beginnen.“

Gegenüber dem britischen Sender ITV sagte ein leider ungenannter Professor aus, dass Dr. Li-Meng Yan als Postdoktorantin in seinem Labor arbeitete, ihre Forschungen hatten allerdings nicht mit der Mensch-zu-Mensch Übertragung von Coronaviren zu tun.

In der Talkshow von Tucker Carlson auf Fox News untermauerte Dr. Li-Meng Yan noch einmal ihre Behauptung und wird dort als „Whistleblower“ bezeichnet.

Nachdem das Video mit dem Interview von Facebook mit mehreren Faktenchecks über Falschbehauptungen markiert wurde, regte sich Carlson darüber am Folgetag darüber in seiner Show auf: Facebook zensiere sein Video (tun sie nicht, man kann es ja trotz der Markierung noch sehen) und dies sei ein typisches Zeichen einer Diktatur (Welcher Diktatur? Facebook ist ein Unternehmen in den USA mit Trump als Präsident, der von Carlson unterstützt wird).

Fazit

Auch die veröffentlichte Studie zeigt keinerlei Beweis, dass das neue Coronavirus in einem Labor entstanden ist. Die darin genannten Beweise sind nicht nur bekannt, sondern sogar natürlich, die Behauptungen sind nicht wissenschaftlich begründet.

Weitere Quellen: PolitiFact, Tech Times
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