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Samstag, 24 Juli 2021
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Stäbchen in die Nase: Eine Strafe im alten Ägypten? (Faktencheck)

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Angeblich war im alten Ägypten das Schädigen einer bestimmten Hirndrüse mittels Stäbchen in die Nase eine Strafmethode. Doch da hatte jemand viel Fantasie!

Auf diversen Sharepics findet sich die Behauptung, die Zerstörung der sogenannten „Heatoenzephalitisdrüse„, augenscheinlich mittels eines Stäbchens durch die Nase, sei eine Strafe im alten Ägypten gewesen, die sehr oft zum Tod führte.

Hier zwei der Sharepics:

Eine Strafe im alten Ägypten?
Eine Strafe im alten Ägypten?

Schauen wir uns erst einmal die komplette Behauptung an, bevor wir uns auf die Details stürzen.

Die Behauptung

„In Ägypten war das schädigen der Heatoenzephalitisdrüse übrigens eine Strafe welche sehr oft in den Jahren danach zum Tod geführt hat. Wenn diese Barriere welche eine dünne Schicht aus Zellen ist, beschädigt oder durchbrochen wird können Bakterien, Viren und andere Erreger direkt ins Hirn wandern und dieses schädigen. Der Schaden ist nicht wieder zu reparieren und bleibt. Nun wird dies von den Leitmedien bestritten das dies passiert während eines Tests zu Covid-19 aber es gibt mittlerweile immer mehr Fälle wo direkt nach dem Test, Hirnwasser aus der Nase ausgetreten ist und auch viele Fälle wo sich Wochen danach plötzlich eine Hirnhautentzündung breit gemacht hat. Das passt nicht zu den Aussagen von gekauften Ärzten oder dem zensierten Netz. Dieser Nasenabstrich welche einige von euch schon erlebt haben tut nur deswegen so weh weil genau diese Zellen, diese Schutzbarriere durchbrochen wird, absichtlich.“

Na, habt ihr auch Kopfweh durch den Bandwurmtext ohne Kommata (und die wenigen enthaltenen Kommata an den falschen Stellen) bekommen? Wir ebenfalls!

Die Bilder

Fangen wir mit den optischen „Beweisen“ an. Da hätten wir einmal das winzige Bild einer ägyptischen Zeichnung, auf der augenscheinlich jemand ein langes Stäbchen in die Nase bekommt.
Doch betrachten wir uns den Bildausschnitt doch einfach mal in höherer Auflösung:

Das geht ins Auge!
Das geht ins Auge!

Das Bild findet sich beispielsweise in diversen Artikeln (z.B. HIER) oder auf GettyImages (siehe HIER). Es zeigt einen Augenarzt, der einen Patienten behandelt.

Kommen wir zum zweiten Bild, welches jene ominöse Schranke zeigen soll, die von dem Stäbchen angeblich verletzt oder durchbrochen wird.

Auch hier schauen wir uns das mal aus der Nähe an:

Der Riechkolben
Der Riechkolben, Quelle: Wikipedia

Auf dem Bild sieht man den Bulbus olfactorius (Riechkolben) und den Tractus olfactorius (in gelb). Wie man gut erkennen kann, zieht sich der Tractus olfactorius durch die Schädeldecke.

Möchte man also mit einem Wattestäbchen diese Schädeldecke durchbrechen, müsste man ihn schon mit brutaler Gewalt in die Nase rammen – durch einen Abstrich ist das nicht möglich.

„Aber es gab da doch einen Fall!“

Richtig. Es gab einen Fall. Nicht Fälle. Keine Mehrzahl.
Einer Frau trat nach dem Abstrich Hirnflüssigkeit durch die Nase aus. Sie war aber auch ein medizinischer Sonderfall.

Die Frau hatte bereits zuvor eine sog. Enzephalozele, also eine Lücke im Schädel. Durch eine solche Lücke können Hirnteile nach außen dringen. Der Abstrich führte nicht zu dem Riss im Schädel, da dieser bereits vorher da war.

Der Abstrich dürfte jedoch den Riss negativ beeinflusst haben. Ferner hat man es hierbei mit einem weltweit einmaligen Fall zu tun, der bei Menschen ohne Enzephalozele nicht replizierbar sein dürfte.

Einen ausführlichen Artikel zu diesem Fall haben wir HIER veröffentlicht. Darüber hinaus sind keine Fälle bekannt, die Behauptung, dass es immer mehr Fälle gibt, ist schlichtweg erfunden.

Die „Heatoenzephalitisdrüse

Angeblich werde ja jene Drüse bei einem Abstrich verletzt oder durchbrochen. Oben schildern wir ja schon, dass dort jene Drüse gar nicht sitzt. Aber wo finden wir sie?

Gute Frage! Es gibt zwei Drüsen im Gehirn:

Eine Heatoenzephalitisdrüse findet sich nirgends, also nehmen wir das Wort einfach mal auseinander:

  • Enzephalus = Gehirn
  • Enzephalitis = Gehirnentzündung
  • Heato = ???

Es findet sich absolut nichts, kein Artikel, kein Eintrag, in keiner wissenschaftlichen oder medizinischen Datenbank irgendetwas über eine Heatoenzephalitisdrüse.

Selbst wenn wir die unbekannte Vorsilbe „Heato“ entfernen, ergibt der Name gar keinen Sinn: Eine Gehirnentzündungsdrüse?

Zusammenfassung

Der Text und die Bilder sind von vorne bis hinten Unsinn:
Das ägyptische Bild zeigt eine Augenbehandlung, das Nasenbild den Riechkolben und die Schädeldecke (von wegen „dünne Schicht aus Zellen“), die angebliche Heatoenzephalitisdrüse existiert nicht einmal, der Name alleine ergibt gar keinen Sinn.


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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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