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Samstag, 27 November 2021

Von „Geheime Schwester“ und anderen spirituellen Schenkkreisen

Sie geben sich spirituell und freundschaftlich, doch am Ende wird man nur abgezockt: Spirituelle Schenkkreise.

Vor gut einem Jahr berichteten wir bereits über ein Schneeballsystem namens „Geheime Schwester“, welches auf Facebook kursierte und im englischen Sprachraum unter dem Namen „Secret Sister“ seit 2015 bekannt ist. Doch hinter den spirituell angehauchten Schenkkreisen mit dem gemeinsamen Motto „Verschenke etwas Geld, bekomme viel Geld zurück“ steckt einfach nur ein Schneeballsystem, bei dem man nur verlieren kann.

Mit Sicherheit werden Schenkkreise dieser Art bald wieder auf Facebook auftauchen und es beispielsweise „Weihnachtswichteln“ nennen: Ein Geschenk kaufen, 36 Geschenke erhalten. Aber solche Schneeballsysteme sind ganzjährig auch auf WhatsApp unterwegs, wie ein Bericht von „Y-Kollektiv“ auf YouTube aufzeigt:

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Auf WhatsApp hauen die „Schenkkreise“ noch mehr auf den Putz: Vordergründig geht es um Freundschaft und Zusammenhalt, Es sei ein „neues Finanzsystem als Alternative zum Kapitalismus“, großspurig von ihnen auch „Heilige Wirtschaft“ genannt.
Gänzlich unheilig sind aber die Methoden: TeilnehmerInnen werden darauf eingeschworen, noch mehr TeilnehmerInnen zu werben, die Einstiegspreise liegen zwischen 500 und 5.000 Euro.

Spirituell verpackte WhatsApp-Gruppen

Natürlich wird nicht sofort mit der Tür ins Haus gefallen. Die WhatsApp-Gruppen der Geschenkkreise verpacken ihr Schneeballsystem watteweich mit „Guten Morgen“ Sharepics, Motivationssprüche, gelegentlich auch mal Querdenker-Content. Und das ununterbrochen, wie die Reporterin Melanie Böff am eigenen Leib (bzw. am eigenen Smartphone) erfuhr, als sie mal ein Wochenende lang nicht auf das Handy schaute:

Ununterbrochen Nachrichten in den Schenkkreisen
Ununterbrochen Nachrichten in den Schenkkreisen, Bildquelle: Y-Kollektiv auf YouTube

Relativ schnell kommt dann aber auch das vermeintlich tolle Angebot: Wenn man einer wildfremden Person in einer Gruppe 500 Euro schenkt, soll man dafür 19.980 Euro bekommen. Dies soll funktionieren, indem eine bestimmte Anzahl weiterer TeilnehmerInnen für den Schenkkreis rekrutiert werden.

Kann das System überhaupt funktionieren?

Nein. Wenn überhaupt, lohnt sich ein System nur für die Personen, die den Schenkkreis initiiert haben, alle anderen gehen mehr oder weniger leer aus. Mit Glück bekommt man einen Bruchteil des investierten Geldes zurück.

Als Rechenbeispiel nehmen wir mal den in 2020 kursierenden Schenkkreis „Geheime Schwester“, bei der es um Geschenke ging:

  • 1 Person beginnt das Spiel und gibt das „Geheime Schwester“ Spiel an 6 Personen weiter
  • Diese 6 Personen verschicken je 1 Geschenk an die erste Person, welche tatsächlich dann 6 Geschenke erhält
  • Diese 6 Personen geben es wiederum an 6 Personen weiter und erhalten von denen nun ebenfalls 6 Geschenke.

Und so weiter….

Klingt simpel und gut? Nein, denn rein mathematisch bricht das System sehr schnell zusammen!

  • Bei der 1. Ebene müssen 36 Leute insgesamt mitmachen (6 * 6)
  • Bei der 2. Ebene bereits 216 Leute (6 * 6 * 6)
  • Ab der 3. Ebene schon 1.296 Leute (6 * 6 * 6 * 6)
  • Ab der 4. Ebene 7.776 Leute (6 * 6 * 6 *6 * 6)
  • Ab der 5. Ebene 46.656 Leute (6 * 6 * 6 * 6 * 6 * 6)

…und so weiter und so fort.

Dazu sei noch zu bedenken, dass es 46.656 Leute sind, die sich nicht untereinander kennen und bei dem System noch nicht mitmachten! Zudem muss man auch noch auf die Ehrlichkeit aller vertrauen, denn es wird viele geben, die nichts verschicken, aber darauf vertrauen, dass die „Angeworbenen“ ihre Geschenke verschicken.

Fazit

Rein mathematisch können Schenkkreise nicht lange funktionieren, sodass viele, die dort mitmachen, zwar Geld verschenken, jedoch nichts oder nur einen Bruchteil zurückbekommen werden.

Durch das falsche Versprechen eines hohen Gewinns (viele Geld) durch minimalen Aufwand (nur eine Geldzahlung) sind Schneeballsysteme (auch Pyramidensysteme genannt) übrigens illegal (siehe HIER).


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