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Montag, 20 September 2021
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Skandal: Betrügerische Werbeanzeige auf Facebook

Facebook-Themen

In Wahrheit ist es ja ein Skandal! Facebook lässt unseriöse Werbeanzeige zu, bei der du am Ende in einem Vorschussbetrag landest. Abzocke von vorne bis hinten.

Facebook blockiert und sperrt immer wieder Nutzer oft aus unerklärlichen Gründen, verweist immer wieder auf seine Gemeinschaftsstandards und lässt am Ende seine Nutzer oft im Regen stehen. Wenn es dann darum geht zu erfahren, warum du eigentlich gesperrt bist, kommt keine Antwort. Oft sind es auch einfach nur Verweise auf andere Webseiten. Aber nicht auf unseriöse Webseiten mit irgendeinen Kurz-Url, sondern auf etablierte Medienseiten. Oft aber auch, weil du ein Foto hochlädst, welches Facebook einfach nicht in den Kram passt. Was wir damit sagen wollen, ist: Facebook sperrt und blockiert immer wieder die Falschen.

Meldest du aber einen offensichtlichen Betrug, seien es Fake-Gewinnspiele, Falschbehauptungen, Fotos, die aus dem Kontext gerissen wurden, dann passiert in vielen Fällen nichts. Denn Facebook löscht hier nur sehr spärlich. Als Feedback bekommst du lediglich, dass nicht gelöscht wird. Angeblich liegt kein Verstoß gegen die Gemeinschaftsstandards von Facebook vor.

Irgendwie eine verkehrte Welt!

Wir haben diese verkehrte Welt übrigens erst vor wenigen Tagen selbst zu spüren bekommen. Was war passiert? Wir haben über ein gefälschtes Foto und ein Gerücht berichtet. Also einen typischen Artikel. Darin haben wir beschrieben, dass es sich um einen Fake handelt. Also ein Faktencheck, so wie einer von tausenden, wie du es von uns seit über 10 Jahren kennst. Es handelte sich dabei um diesen Artikel: „US-Polizei jagte nicht-vorhandene Antifa-Busse

Diesen Faktencheck haben wir auf unseren Facebook-Seiten, sowie aber auch in unserer Facebook-Story geteilt.

Und was macht Facebook bzw. was macht ein Faktenchecker von Facebook?

Facebook VERWARNT UNS!

„Laut unabhängigen Faktenprüfern bei PolitiFact handelt es sich bei einem Beitrag von mimikama um falsche Informationen. Um die Verbreitung von Falschmeldungen zu stoppen, haben wir den Beitrag mit einem entsprechenden Hinweis versehen.“

Kampf der Faktenchecker – oder was?

Es ist halt so, wir sind keine offiziellen Faktenchecker von Facebook! Und das hat auch seine Gründe. Geprüft wurde unser Artikel jedoch von der englischsprachigen Webseite PolitiFact. Wir haben die Faktenchecker von PolitFact noch am selben Tag (26.8.2021) angeschrieben und Einspruch erhoben. Laut Facebook selbst haben diese nun 48 Stunden Zeit, um zu reagieren. Wir haben nicht nur Einspruch erhoben, sondern auch klargestellt, wer wir sind, was wir tun und wie lange es uns schon gibt. Es vergingen 24 Stunden, 48 Stunden, 3, 4, 5, 6 Tage, und am Abend des 7. Tages, wir schreiben den 2.9.2021, haben wir diese E-Mail erhalten:

„Thank you for emailing PolitiFact. I apologize for the delay in responding to your appeal. We have removed the fact-check rating from your url as it was clearly applied in error. Please let me know if you have any further issues with this post.“

Bedeutet so viel wie:

„Vielen Dank für Ihre E-Mail an PolitiFact. Ich entschuldige mich für die Verzögerung bei der Beantwortung Ihrer Beschwerde. Wir haben die Bewertung des Faktenchecks von Ihrer Url entfernt, da sie eindeutig irrtümlich vergeben wurde. Bitte lassen Sie mich wissen, wenn Sie weitere Probleme mit diesem Beitrag haben“

Um mal Klartext zu sprechen: Ein fremdsprachiger Faktenprüfer hat unseren Inhalt irrtümlich als FAKE bewertet und damit ordentlich in die Scheiße gegriffen! Wir überlegen gerade ernsthaft, ob wir den Faktencheckern von Politifact nicht mal einen Workshop anbieten sollen. Wegen Hintergrund und Inhaltsanalyse und so. Aber das ist ein anderes Thema.

Sprich: Die offiziellen Faktenchecker haben falsch gehandelt. Die Frage ist auch: Warum dürfen fremdsprachige Faktenchecker Inhalte bewerten und markieren, deren Sprache sie, so scheint es, nicht mächtig sind? Wo sind an dieser Stelle die DPA oder das Correctiv?

Und so wie es uns ergangen ist, ergeht es vielen Nutzern. Facebook bestraft sehr oft und immer öfters, so der Eindruck, die Falschen, und das ist in unseren Augen eigentlich ein Skandal!

Skandal? Da war doch noch was…

Solche Sätze, solche Inhalte, solche Nachrichten, solche Statusbeiträge kennen wir auf Facebook schon seit vielen Jahren. (sic!)

„Mein Name ist Petra Schumann deutscher Herkunft. Ich habe eine schwere Krankheit, die einige Todesfälle und Leberkrebs verursacht, und ich habe eine Summe von 298.000 Euro. Ich möchte diesen Betrag an jemanden spenden, der wirklich interessiert und ernsthaft ist. Nehmen Sie diesen Beitrag nicht auf die leichte Schulter, da es sich um ein sehr wichtiges Thema handelt. Ich habe meinen Mann vor 6 Jahren verloren. Ich war sehr besorgt und konnte nicht heiraten, wir hatten keine Kinder. Ich möchte diese Spende vor meinem Tod machen, denn die Tage sind wegen dieses Patienten gezählt. Ich bin sehr besorgt und sehr deprimiert. Möchten Sie von dieser Spende profitieren? .Danke für dein Verständnis.“

Kennt du sicherlich – oder?

Bei solchen Nachrichten oder Statusbeiträgen, die oft auch irgendwo als Kommentar von gefälschten Profilen abgegeben werden, handelt es sich um einen sogenannten Vorschussbetrug. Wir selbst warnen seit Jahren schon vor der fiesen Masche.

Was passiert, wenn du ein solches Angebot annimmst?

Nimmst du Kontakt zu der Person auf, erhältst du im Verlauf des Gesprächs recht schnell ein amtlich wirkendes Dokument. Das Aussehen dieser Dokumente variiert stark, dennoch enthalten alle einen gemeinsamen Punkt: Du sollst zahlen!

Um an das Geld zu kommen, muss man einen angeblichen Anwalt kontaktieren, der einem ein Pseudo-Dokument zukommen lässt. In diesem steht dann, dass du eine bestimmte Summe in Höhe von mehreren Hundert Euro auf ein Konto (zumeist im Ausland) als Sicherheits- oder Verwaltungskosten überweisen sollst.

Es handelt sich dabei aber um sogenannten Vorschussbetrug: Nach der Überweisung hörst du nie wieder etwas von jenem Anwalt oder der schwer kranken Frau. Die Profile verschwinden wieder von Facebook, die Email-Adresse wird zumeist gelöscht, das Geld ist futsch.

Und warum ist dies nun ein Skandal, wenn man dies doch eh schon bereits kennt?

Der Skandal ist: Facebook lässt es zu, dass solche BETRÜGER auf Facebook WERBUNG schalten. Es handelt sich dabei um einen „GESPONSERTEN BEITRAG“, der jedem Facebook-Nutzer in seinem Stream gespielt bekommt. Ob du das möchtest oder nicht. Facebook lässt es also zu, dass seine Nutzer OPFER dieser FIESEN BETRUGSMASCHE wird.

Aktuell handelt es sich um diese Werbeanzeige, bei der Facebook Geld dafür bekommt. Dies kann man u.a. daran erkennen, dass Facebook selbst dies mit „Gesponsert“ kennzeichnet. 

Ersteller der Werbeanzeige ist die Facebook-Seite „Finanzielle Unterstützung – Spende“

Screenshot: Facebook-Newsstream
Screenshot: Facebook-Newsstream

Die Werbeanzeige und die Facebook-Seite im Detail. Der Faktencheck

Die Facebook-Seite sowie die Werbeanzeige wurde am 2.9.2021 erstellt. Gebucht wurde diese von den Betrügern für Facebook, Instagram und den Messenger, wie man diesem Screenshot (erstellt am 3.9.2021 um 09:47 Uhr) entnehmen kann.

Die dazugehörige Facebook-Seite der Betrüger:

Die sogenannte Seitentransparenz der Seite. Hier erkennst du, dass die Seite am 2. September 2021 erstellt wurde.

Ein paar Worte über das Profilfoto. Dieses wurde im Internet von den Betrügern geklaut. Es handelt sich hierbei nicht um oben erwähnte „Petra Schumann“, sondern dieses Foto befindet sich in unzähligen Stock-Foto Bilderdatenbanken, wie z.B. auch bei „Shutterstock.com“. Laut Angabe dieser Bilderdatenbank ist der Ersteller: „Photographee.eu“ (Verweis zu Shutterstock). Sucht man nach dem Profilbild mit der Bildersuche von Google, bekommt man sehr viele Ergebnisse mit diesem Foto angezeigt und kann sofort erkennen, dass es sich um ein Werbefoto handelt.

Was passiert, wenn du mit Frau Schumann auf Facebook in Kontakt trittst?

Sendest du Frau Schumann eine Nachricht auf Facebook, dann bekommst du prompt eine Antwort! Anbei ein Screenshot des Chatverlaufes.

Bitte nicht wundern, wenn sich dieser unsererseits etwas dubios anhört und ggf. mit bekannten Liedertexten versehen wurde. Der Grund dieser Aktion war es zu gucken, ob der Chatpartner überhaupt sinngemäß versteht, was wir schreiben.

An dieser Stelle ist der Chat abgebrochen. Da wir diese Masche von anderen Betrugsversuchen kennen, über die wir seit Jahren schon berichten, wissen wir, worauf es am Ende hinausläuft. Die Betrüger verlangen von dem Betrugsopfer persönliche Daten, damit sie ihre Spende tätigen und ausbezahlen können! Darunter fallen nicht nur der Name und die Adresse, sondern auch die Mailadresse, das Geburtsdatum und die Bankverbindung.

Verträge zu solchen Betrugsmaschen sehen so ähnlich aus wie die nachfolgenden Beispiele und können in jeder erdenklichen Sprache verfasst sein:

Um an das Geld zu kommen, sollst du einen Anwalt kontaktieren (der natürlich keiner ist). Dieser lässt dir dann ein Pseudo-Dokument zukommen (siehe oben). In diesem erfährst du, dass du eine bestimmte Summe in Höhe von mehreren Hundert Euro auf ein Konto (zumeist im Ausland) als Sicherheits- oder Verwaltungskosten bzw. eine Transaktionsgebühr überweisen sollst. Sie müssen also ZUERST einen VORSCHUSS LEISTEN, um die angeblichen SICHERHEITS- oder VERWALTUNGSKOSTEN bzw. eine TRANSAKTIONSGEBÜHR ZU DECKEN!

Erst wenn du diese Überweisung getätigt hast, kann die „Spende“ ausbezahlt werden. Daher auch der Name „VORSCHUSSbetrug“. Allerdings bekommst du nie die versprochene Spende, denn dies ist der Kernpunkt „Vorschussbetrug“.

Das Muster ist bei solchen Betrugsdelikten immer das gleiche:

Diese Nachrichten variieren, sind aber in diversen Punkten immer gleich:

  • Eine zumeist sehr religiöse Person.
  • Unheilbar krank, die Tumore variieren.
  • Nur noch wenige Tage bis Wochen zu leben.
  • Ein hoher Betrag wird verschenkt.
  • Kontakt nur über den „Anwalt“ möglich.

Wir haben die Seite bei Facebook natürlich gemeldet!

Wir sind nun gespannt darauf, wie lange Facebook nun benötigt, auf diese zu reagieren. Das Ergebnis werden wir an dieser Stelle veröffentlichen.

Fazit:

Es ist ein Skandal, dass Facebook seine Nutzer, die nichts Böses im Schilde führen, grundlos sperrt und blockiert. Ebenso fragwürdig, warum die Hauseigenen Faktenchecker mit fatalen Auswirkungen sich Fehler leisten können, und sehr lange für eine Korrektur benötigen. Zudem sind wir sprachlos, dass Facebook kostenpflichtige Werbung von Betrügern auf seiner Plattform zulässt. Sprichwörtlich ein Blinder hätte aus der Ferne bereits den Betrug vernommen. Hier können ahnungslose Nutzer in eine fiese Vorschussbetrugsmasche tappen. Die genannte Seite ist mittlerweile bereits über 24 Stunden online. Nutzer, die in diese Falle getappt sind, können sich gerne an uns wenden und ihre Erfahrung mit uns teilen. (zum Meldeformular)


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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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