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Samstag, 24 Juli 2021
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Sind keimende Kartoffeln giftig? (Faktencheck)

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Ab wann sind Kartoffeln eigentlich giftig bzw. nicht mehr genießbar?

Kaum ein Lebensmittel ist in Europa und Amerika so stark verbreitet wie die Kartoffel (österr. Erdapfel). Neben den vielfältigen Zubereitungsmethoden mit Kartoffeln selbst, ist vor allem Kartoffelstärke und Kartoffelmehl unverzichtbarer Bestandteil vieler Industrielebensmittel. Doch ab wann sind Kartoffeln nicht mehr genießbar?

Die Kartoffel gehört als Nutzpflanze zu der Familie der Nachtschattengewächse. Im Grunde genommen bezeichnet die Kartoffel eigentlich nur die im Boden wachsenden Knollen. Die Blüte, Frucht und Samen sind für den Menschen nämlich ungenießbar.

Die Kartoffel stammt ursprünglich aus Südamerika und wurde nach der Entdeckung Amerikas nach Europa importiert und war dort anfangs nur als Zierpflanze beliebt. Der großflächige Anbau begann ungefähr gegen 1680 – 1720 in Mitteleuropa. Heutzutage wird außerhalb von tropischer, arktischer und subarktischen Klimazonen nach wie vor intensiver Kartoffelanbau betrieben.

Die Kartoffel stellte in ihrer Geschichte bald das Rückgrat der europäischen Lebensmittelversorgung dar. In der deutschen Geschichte ist vor allem Friedrich der Große auch als Kartoffelkönig bekannt, wichtig, da er die Verbreitung der „Tartoffel“ (preuß. Für Kartoffel) vorantrieb.
Er sah die großen Vorteile des Anbaus, die Knolle war anspruchsloser als Getreide und in der Lage schlechte Getreideernten auszugleichen und dadurch Hungersnöte zu verhindern.

Dazu stellte er sogenannte „Kartoffelbefehle“ aus, die eine genaue Anleitung zum Anbau der Nutzpflanze enthielten, die strikte Anweisung an alle Bauern zukünftig Erdäpfel anzubauen und sogar einige Kochrezepte.

Zudem wurden die Bauern des Landes verpflichtet jährlich Bericht an den König zu verfassen, in dem Anbau und Ertrag der Knolle aufgelistet waren. Auch heute werden als Erinnerung an diese Errungenschaft am Grab des Königs Kartoffeln zur Erinnerung niedergelegt.

Die Vormacht der Kartoffel barg allerdings auch ein großes Risiko. Zwischen 1845 und 1849 kam es aufgrund zahlreicher Kartoffelernteausfälle in Europa zu einer riesigen Hungersnot. Grund dafür war die Ausbreitung der Kartoffelfäule, welche die Kartoffel verschimmeln ließ. Folge der Ernteausfälle und der auftretenden Hungersnot waren der Tod von einer Million Iren, damals zwölf Prozent der irischen Bevölkerung. Zwei weitere Millionen Iren wanderten aus und veränderten das demographische Bild in Amerika bis heute. (John Kennedy war der erste Präsident mit irischen Wurzeln)

Die Kartoffel ist als rohe Knolle für den Menschen ungenießbar.

Einerseits enthält sie im Rohzustand einen hohen Anteil an Kartoffelstärke, welche beim Menschen Übelkeit, Erbrechen und Magenschmerzen auslösen kann. Außerdem ist der Geschmack im Rohzustand mehlig und bitter. Viele Sorten der Kartoffel enthalten zudem das für Menschen giftige Solanin, welche für die Nutzpflanze als natürliches Abwehrmittel gegen Schädlinge und Pilze dient.

Das Solanin ist in der Kartoffel vor allem unter der Schale und an Keimstellen enthalten. Keimstellen entstehen, da die Knolle in günstiger Umgebung weiterwächst und versucht eine neue Pflanze zu bilden. Wird die Kartoffel zu lange aufbewahrt, entstehen nach längerer Zeit Keimlinge, welche eine hohe Konzentration an Solanin enthalten. Der Verzehr von Solanin führt zu Kreislauf- und Atemproblemen, sowie Übelkeit und Durchfall.

Rohe Kartoffel können in geringen Mengen verzehrt werden (roher Kartoffelsaft ist angeblich ein Heilmittel gegen Sodbrennen), allerdings ist an dieser Stelle anzumerken, dass anderen Hausmitteln ein geringeres Risiko einer Vergiftung anhaftet.

Bei Kartoffeln, die bereits keimen bzw. grüne Stellen aufweisen, sind die Keimlinge großzügig zu entfernen und die Schale zudem nicht mehr genießbar. Die grünen Stellen sind großzügig auszuschaben. Erreichen die Keime eine Länge von über 5 Zentimeter oder hat eine Kartoffel mehr als 4 Keime ist eine Ausbreitung des Solanins in die gesamte Knolle möglich, weshalb auf den Verzehr verzichtet werden sollte.

Generell ist die Gefahr einer Vergiftung überschaubar, da Solanin erst bei einem Milligramm für den Menschen gefährlich ist, dafür müsste ein ausgewachsener Mann ungefähr 2,7 kg rohe Kartoffeln essen.

Ergebnis:

Zusammengefasst sind Kartoffeln mit wenigen grünen Stellen bzw. kleinen Keimen durchaus genießbar, wenn die entsprechenden Stellen großzügig entfernt werden. Rohe Kartoffeln sind nicht für den Verzehr geeignet und auch der gewonnene Saft ist nur in geringen Mengen ungefährlich. Ansonsten steht dem Genuss der beliebtesten Knolle der Welt nichts im Weg.

Verweise:
Giftig oder nicht? Kann man gekeimte Kartoffeln noch essen?
Kartoffeln roh essen – darf man das?
Geschichte+Archäologie Der König und die Kartoffel
Warum Kartoffeln nicht roh zu genießen sind
ALLTAGSFRAGE Kann ich keimende Kartoffeln noch essen?
Autor: Alexander Herberstein, Artikelbild: Shutterstock / Von Kasikova Svetlana

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