Satire wird immer dann gefährlich, wenn …

Autor: Andre Wolf

… Politiker Satire für ernst nehmen. Und das passiert leider immer wieder. Diese Beobachtung konnten wir im Zuge von Postillon-Meldungen machen, auf die sogar Spitzenpolitiker verschiedener Parteien hereingefallen sind. Ganz gefährlich wird es dann sogar, wenn Politiker anhand der Satire Politik betreiben, bzw. Schlagzeilen herausbringen.


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Der Auslöser ist meist Empörung, eine Empörung, welche der Oberflächlichkeit geschuldet ist. Erst gestern konnte man bei dem  stellvertretenden Vorsitzender der ALFAs Berlin Berlin, Stefan Dudzus, sehen, dass ihm die Meldung des MorgenGAGAzins über ein Fahnenverbot zur EM – unterstützt von Frau Merkel – gar nicht gefiel. Prompt vermutet er eine politische Verschwörung:

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Die Lösung ist eigentlich recht einfach: das Morgengagazin ist, wie der Name beim Lesen schon sagt, eine Satireseite. Das Fahnenverbot ist Mumpitz, ein Scherz. Es hat einige Stunden nach der Erstellung des Posts und vermehrten Hinweisen aus den Kommentaren gebraucht, bis diese Statusmeldung gelöscht wurde.Ist jedoch wie es ist: der Herr ist auf Satire hereingefallen.

Der erste Politiker? Nein!

Hier und da machen Politiker mit provokanten Aussagen Schlagzeilen, bei denen sich am Ende herausstellte: ups, sie sind da auf etwas hereingefallen! Zuletzt machte Frau von Storch von sich reden, als sie sich über eine EU-Mannschaft empörte, mit der die bisherigen Nationalmannschaften ersetzt werden würden.

Diese “Grundidee” stammte jedoch nicht von Kanzlerin Merkel, so wie sie zunächst angab, sondern von der Satireseite “Der Postillon”, welcher selbst nun vermutete, dass Frau von Storch letztendlich dieser Satire auf den Leim gegangen sei.

Apropos Postillon

Nicht nur den Namen “Morgengagazin” sollten Politiker immer auf dem Schirm haben, sondern vor allem den Namen “Der Postillon”. So titelte der Postillon am 22.07.2014 “Die USA drohten der EU mit Sanktionen, falls diese ihre Sanktionen gegenüber Russland nicht verschärfe”. In diesem Falle war es der FPÖ Politiker Heinz-Christian Strache, der sich auf Facebook mit den Worten „Wer gießt hier Öl in das Feuer?“ äußerte [1].

Im September 2015 ist es dann wieder geschehen, Futurezone schrieb damals [2] unter dem Titel “Strache fällt abermals auf Online-Satire rein”:

Es ist nicht das erste Mal, dass Strache auf Satire hereinfällt. So teilte er erst Ende Juli einen Artikel des Postillon über angeblich geplante US-Sanktionen gegen die EU. Auch auf einen Aprilscherz der Online-Ausgabe der Tageszeitung Die Presse fiel Strache herein und teilte den Artikel, in dem es um ein geplantes Panier-Verbot der EU ging.

Worum es geht

Liebe Politiker, es geht hier nicht darum, dass jemand über euch lachen will. Im Gegenteil: es beängstigt ein wenig. Es beängstigt, wenn Personen, die eine gewisse Machtposition innehaben, unter Umständen Entscheidungen oder Meinungen auf der Basis von Satire schaffen. Glücklicherweise kommt das nicht oft vor, jedoch DASS es diese Äußerungen gab, ist für alle Beteiligten unangenehm: für jene Politiker, die auf Satire mit Ernsthaftigkeit reagieren, aber auch für jene, die das beobachten.

Im Grunde gibt es ein einfaches Rezept: zuerst denken – dann klicken! Wer schreibt etwas? Warum schreibt jemand etwas? Wie ist die Informationsquelle einzuordnen? Gerade bei Satire reicht oftmals ein einzige Blick in das Impressum der Seite und man hat Gewissheit. Soviel Zeit sollte sein, gerade wenn man damit seinen eigenen Ruf schützen kann.

Und wenn ihr nur etwas durch „Hörensagen“ erfahren habt: bitte sucht nach Informationsquellen, nach kompetenten Informationsquellen. Wenn es keine Parallelstellen gibt, sondern nur Fundstellen auf Satireseiten, sollte man mit ernst gemeinten Aussagen vorsichtig sein.

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