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Samstag, 4 Dezember 2021

RKI zählt ungeimpfte und geimpfte Corona-Fälle nicht unterschiedlich

In einem Blog-Artikel wird behauptet, dass das RKI mit einer „betrügerischen Statistik“ den Eindruck einer „Pandemie der Ungeimpften“ erwecken wolle.

Laut dem Artikel (archiviert HIER) soll ein YouTuber herausgefunden haben, dass das RKI Geimpfte auf Intensivstationen nur dann als Corona-Fälle zählen würde, wenn sie auch Corona-typische klinische Symptomatiken aufweisen würden, während Ungeimpfte bei einer Einlieferung ins Krankenhaus bereits als Corona-Fall gezählt werden, wenn nur ein Test positiv war, sie aber beispielsweise wegen einem Unfall im Krankenhaus sind, nicht wegen COVID-19.

Vielleicht merkt ihr ja im obigen Absatz bereits eine gewisse Unlogik:
Wenn ein Geimpfter auf einer Intensivstation liegt, dann hat er gewiss auch Symptome, von daher hat der erste Teil jener Behauptung bereits wenig Sinn. Auf den Rest der Behauptung gehen wir gleich ein!

Der Artikel in einer einschlägigen Gruppe
Der Artikel in einer einschlägigen Gruppe, Quelle: Facebook

Die Behauptung

  • Geimpfte werden vom RKI nur gezählt, wenn sie Symptome aufweisen
  • Ungeimpfte werden auch ohne Symptome gezählt, ein positiver Test genüge

Das RKI wende angeblich diesen „Trick“ an, damit mehr Ungeimpfte in die Statistik einfließen, deswegen werde auch immer nur von den Ungeimpften auf den Intensivstationen berichtet.

Welche Personen in die Statistiken des RKI einfließen

In der obigen, kurzen Zusammenfassung erkennt man den Logikfehler noch ein wenig besser: Eine geimpfte Person wird nur gezählt, wenn sie Symptome aufweist? Naja… wenn die Person auf einer Intensivstation liegt, hat sie ganz sicherlich Symptome, sonst wäre sie nicht dort!

Das RKI erklärt auf deren Webseite (siehe HIER), wie die Fallzahlen erfasst werden:
Demnach bekommt das RKI die Zahlen der labordiagnostisch nachgewiesenen Fälle von den Gesundheitsämtern zugesandt und pflegt diese in die Statistik ein.

„In Einklang mit den internationalen Standards der WHO wertet das RKI alle labordiagnostischen Nachweise von SARS-CoV-2 unabhängig vom Vorhandensein oder der Ausprägung der klinischen Symptomatik als COVID-19-Fälle. In den folgenden Darstellungen sind unter „COVID-19-Fälle“ somit sowohl akute SARS-CoV-2-Infektionen als auch COVID-19-Erkrankungen zusammengefasst.“

Kurz gesagt: Das RKI unterscheidet bei den Statistiken nicht, ob eine infizierte Person Symptome hat oder nicht. Wer positiv getestet wurde, fließt in die Statistik ein, ob mit oder ohne Symptome, ob geimpft oder ungeimpft.

Die Sache mit den Impfdurchbrüchen

Doch wie kommt der Autor jenes Artikels darauf, dass Geimpfte nicht gezählt werden, wenn sie keine Symptome haben? Das liegt an einem einfachen Verständnisproblem, denn er verwechselt die Fallstatistik mit der Impfdurchbrüche-Statistik:

Geimpfte Personen, die positiv getestet wurden, aber keine Symptome aufweisen, werden nicht als „Impfdurchbrüche“ gezählt. Sie fließen aber trotzdem in die Statistik der Fallzahlen ein!

Als Impfdurchbrüche definiert das RKI (siehe HIER) vollständig geimpfte Personen, die eine durch einen PCR-Test bestätigte Infektion aufweisen und bei denen Symptome einer COVID-19 Erkrankung festgestellt wurden.

Der Autor jenes Artikels verwechselte also die Statistik der Impfdurchbrüche mit der Statistik der Fallzahlen.

Die gesonderte Statistik der Impfdurchbrüche hat auch einen wichtigen Grund, weil dadurch grob geschätzt werden kann, wie lange eine Impfung wirksam ist. Je genauer die Statistik im Laufe der Zeit wird, umso besser kann abgeschätzt werden, wann eventuell eine „Booster-Impfung“ spätestens nötig sein könnte (wozu derzeit aber noch nicht geraten wird, außer in Einzelfällen).

Fassen wir zusammen

  • Das RKI lässt alle labordiagnostisch bestätigten Fälle in die Fallstatistik einfließen, unabhängig davon, ob geimpft oder ungeimpft, mit oder ohne Symptome
  • In die Impfdurchbrüche-Statistik kommen nur Geimpfte, die positiv getestet wurden und Symptome aufweisen
  • Geimpfte, die positiv getestet wurden, aber keine Symptome aufweisen, fließen trotzdem in die Fallstatistik ein

Die vermeintliche Entdeckung des YouTubers, über die in dem Blogbeitrag berichtet wird, beruht somit auf eine schlichte Verwechslung der Fallstatistik mit der Impfdurchbrüche-Statistik.


Weitere Quelle: afp
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