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Ritualmordlegenden der Gegenwart: Adrenochrome

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Die Erzählungen um Adrenochrome, Kinder in unterirdschen Gefängnissen und geheimen Mächten stellen eine Weiterentwicklung der Ritualmordlegenden dar.

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Wie erschafft man sich ein Feindbild, an dessen Ende man sich absolut dazu legitimiert sieht, dieses Feindbild zu verfolgen, ja sogar töten zu dürfen? Die Lösung ist so einfach, wie leider auch immer wieder funktionierend:  indem man dieses Feindbild entmenschlicht und Ihnen die schlimmsten Gräueltaten unterstellt, die man zwar nicht beweisen muss, die aber anhand bestehender Narrative glaubwürdig klingen und anhand von Indizien oder Bündelungen von sinnstiftenden Erzählungen vermeintlich bewiesen werden. So funktionieren Ritualmordlegenden.

Diese Legenden sind bereits uralt und teilweise extrem antisemitisch. Ritualmordlegenden basieren auf dem Narrativ, dass eine gesellschaftliche Minderheit im Geheimen Gräueltaten, ja gar Morde an der Mehrheit der Bevölkerung ausübt. Das Gefährliche an diesen Ritualmordlegenden ist das Ergebnis: Angestachelt von diesem Mythos wird die verleumdete Minderheit verfolgt. Zunächst wird sie kriminalisiert, dann durch die Erzählungen entmenschlicht und am Ende physisch verfolgt.

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Ritualmordlegenden haben eine lange Geschichte und wurden verwendet, um eine gesellschaftliche Minderheit verfolgen zu können. In Europa waren das häufig antisemitische Legenden, so wie beispielsweise die Behauptung, Juden entführten christliche Kinder, um sie für rituelle Zwecke grausam zu ermorden. Mithilfe dieser Darstellungen wurden häufig auch unerklärbare Phänomene versucht zu erklären, man erkennt also auch hier deutlich den Drang dazu, hinter allem einem Plan vermuten zu müssen, auch wenn dieser Plan eher grauenvoll ist.

Die Ritualmordlegenden selbst gleichen sich ebenfalls. Die (teils geheimen) Minderheiten verüben grauenvolle Taten an den ihnen unterlegenen Personen aus der stärkeren Mehrheit. Hierbei handelt sich zumeist um Kinder, aber auf einer Metaebene kann es sich durchaus auch um kranke, gebrechliche oder alte Menschen handeln. Wichtig dabei ist lediglich, dass die vermeintliche Tätergruppe sich unmenschlich verhält und unbedingt dafür verurteilt, ja am besten ermordet werden muss.

Die Tätergruppe bleibt dabei recht unspezifisch. Es wird entweder lediglich eine Ethnie generell beschuldigt oder eine gewisse Gruppe von Menschen angeprangert. Eine konkrete Benennung von Personen findet selten statt, was auch für die Ritualmordlegende an sich wichtig ist, da sie so unkonkret wie möglich gehalten werden muss, um die Minderheit als Ganze verfolgen zu können.

Ritualmordlegenden. Bild: Martyrium des Simon von Trent, Darstellung aus der Nürnberger Weltchronik von Hartmann Schedel. Datum1493 QuelleHartmann Schedels Weltchronik (Nürnberg 1493) Urheber Woodcuts by Michel Wolgemut, Wilhelm Pleydenwurff (text: Hartmann Schedel) Lizenz Dies ist eine originalgetreue fotografische Reproduktion eines zweidimensionalen Kunstwerks. Das Kunstwerk an sich ist aus dem folgenden Grund gemeinfrei: Public domain Dieses Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für das Herkunftsland des Werks und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 100 oder weniger Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Ritualmordlegenden. Bild: Martyrium des Simon von Trent, Darstellung aus der Nürnberger Weltchronik von Hartmann Schedel. Datum:1493; Quelle: Hartmann Schedels Weltchronik (Nürnberg 1493); Urheber: Woodcuts by Michel Wolgemut, Wilhelm Pleydenwurff (Text: Hartmann Schedel); Lizenz: Dies ist eine originalgetreue fotografische Reproduktion eines zweidimensionalen Kunstwerks. Das Kunstwerk an sich ist aus dem folgenden Grund gemeinfrei: Public domain. Dieses Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für das Herkunftsland des Werks und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 100 oder weniger Jahren nach dem Tod des Urhebers.


Ritualmordlegenden William von Norwich und Simon von Trent

Die wohl bekanntesten mittelalterlichen Ritualmordlegenden sind die Erzählungen um William von Norwich und Simon von Trent. Beide Geschichten weisen die typischen Merkmale dieser Legenden auf. Wer die Geschichten nicht kennt, hier eine kurze Beschreibung:

In der Legende um William von Norwich heißt es, dass der junge Mann William, ein Kürschnerlehrling, im Jahre 1144 in der Karwoche (was wir uns an dieser Stelle einfach merken) von Juden heimlich auf rituelle Weise hingerichtet wurde. Das zumindest wurde in den Schriften eines Mönches unter dem Titel „De Vita et passione sci Willelmi martiris norwic („Leben und Passion des Märtyrers Wilhelm von Norwich“)“ in mehreren Bänden veröffentlicht. Den Juden vor Ort konnte das natürlich nie nachgewiesen werden, es gab entsprechend auch kein Urteil. Interessant ist jedoch, dass sich laut Schriften die klagenden Personen auf „Traumgesichter“ oder ihrer inneren Überzeugung, bzw. ihrem Glauben beriefen. Beweise gab es schlichtweg nicht. Aus William von Norwich wurde aufgrund der entstandenen Ritualmordlegende ein Märtyrer.

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Die später entstandene Ritualmordlegende um Simon von Trent ist da schon extremer. Auch hier spielt die Karwoche erneut eine Rolle, jedoch hier geht es nicht allein um einen Mord, sondern die rituelle Komponente rückte mehr in den Vordergrund. Neben der rituellen Komponente gewann das Blut der Opfer immer mehr an Bedeutung, denn die Ritualmordlegenden sprachen auf einmal davon, dass die Täter, in diesem Falle Juden, dass Blut für bestimmte Zwecke benötigten. Diese Zwecke sollten angeblich medizinischer Natur sein (auch das merken wir uns an dieser Stelle).

Worum ging es nun bei der Ritualmordlegende um Simon von Trent? Effektiv gesehen ging es auch bei dieser Legende nur darum, Juden als Minderheit in der Gesellschaft generell zu kriminalisieren und ihnen schlichtweg ein bestialisches Image zu verpassen. Der Jude als Ritualmörder an sich, der im Geheimen irgendwelche Fäden zieht und schuld am Übel der Gesellschaft ist.

Kommen wir nun auf die Geschichte selbst zu sprechen. Im Jahr 1475 verschwand der Legende entsprechend der zweijährige Simon von Trent. Der Sohn eines Gerbers verschwand übrigens nicht Mitte September oder irgendwann im Februar, sondern auch hier angeblich in der Karwoche. Wir erkennen also die zwingenden Gleichheiten, die auf Ostern und auch auf den Tod Christi indirekt verweisen. Ritualmorde als eine Form des Racheakts, die nun einhergehen mit der Verwendung des Blutes der Opfer.

Wie ging nun die Geschichte um Simon von Trent aus? Laut Überlieferung wurde das Kind in einem Rinnstein an einem Ostersonntag von einem Juden gefunden, der den Fund auch ordentlich meldete. Das ging für ihn nicht gut aus, denn er stand direkt unter Verdacht und es kam zu einer grauenvollen Folter, unter der der Mann sich beugte und am Ende eine Schuld eingestand, die er jedoch nicht trug. Er sagte schlichtweg unter der Folter aus, was seine Verhörer von ihm hören wollten.

Auch wenn es im Nachhinein durch den Papst Sixtus IV eine Untersuchung gab, so war diese nicht wirklich auf eine Aufklärung bedacht. Laut Aufklärung war am Ende die Verfahrensweise in Ordnung, jedoch verbot Papst Sixtus IV, Juden deswegen zu verfolgen. Zu spät jedoch, denn der Verdächtigte, sowie 12 weitere Personen wurden bereits umgebracht. Man bemerkt an dieser Stelle, dass Ritualmordlegenden durchaus einen Tod legitimieren sollen.
Die Ritualmordlegenden zogen sich über das gesamte Mittelalter bis in die Neuzeit hinweg. Sie waren logischerweise auch Bestandteil im Holocaust, wirklich bewiesen wurde so ein Ritualmord jedoch nie. Natürlich nie, denn es handelt sich um eine Legende, die zu einer sinnstiftenden Erzählung gewachsen ist und am Ende immer plausible klingt, sobald sie auftaucht. Ein Beweis ist aufgrund ihrer vermeintlichen Glaubwürdigkeit also nicht mehr notwendig.

Was hat die Ritualmordlegende denn nun mit dem Coronavirus, bzw. den Mythen rund um das Coronavirus zu tun? Hier wird es spannend, da wir uns auf einer Metaebene befinden, auf der es nicht mehr direkt um Juden, sondern über den indirekten Weg via „Eliten“ geht, die letztendlich in Verschwörungslegenden um Juden ebenso ihren Platz haben. Doch schauen wir erst auf eine Vorstufe dazu:

Die Satanic Panic und der Pädo-Satanismus

Auf gewisser Ebene handelt es sich auch bei dem Narrativ der Pädo-Satanisten um eine Fortführung der Ritualmordlegenden. Stars, Prominente oder wahlweise einfach nur „die Eliten” missbrauchen auf satanischen und exzessartigen Orgien Kinder oder essen gar Menschenfleisch, vorzugsweise Kinderfleisch.

Die gemeinsame Basis all dieser Geschichten ist das Narrativ der Ritualmorde, auch hier erkennt man deutlich die Parallelen zu den mittelalterlichen Erzählstrukturen, auch wenn die Geschichten um den Pädosatanismus deutlich jünger sind. Dennoch wird deutlich, warum die Legende funktioniert: sie ist schlichtweg eine sinnstiftende Erzählung, die auf klassischen Erzählmustern basiert, die ihrerseits wieder glaubwürdig klingen. Das Problem auch hier: diese Geschichten verleiten Menschen dazu, sich selbst in die Rolle der Exekutive und Judikative in einem zu erheben. Sie sehen sich aufgrund von Legenden legitimiert, zu vollziehen und zu vollstrecken.

Die pädo-satanische Verschwörungstheorie kann man recht gut erklären: Okkulte Netzwerke mit elitären Teilnehmern missbrauchen angeblich Kinder. Allein an dieser Stelle ist das Narrativ schon mehr als deutlich herausgestellt. Die pädo-satanische Verschwörungstheorie (nennen wir sie kurz einfach PSVT) ist zwar im Groben recht einfach dargestellt, bietet in ihren Details jedoch viele Facetten. Zum einen finden sich reißerische Fälschungen, die entweder dazu gedacht sind, auf Social Media viral zu gehen und somit auf Webseitenklicks zu hoffen, die wiederum Werbegelder generieren, andererseits werden auch damit gezielt Desinformationen verbreitet, mit deren Hilfe das beliebte politische Ziel der „Eliten” angegriffen wird.

Gleichzeitig handelt es sich um ein facettenreiches typisch US-amerikanisches Narrativ. Hier ist ein Blick in die 80er Jahre sinnvoll, und zwar auf den Fall um die Missbrauchsvorwürfe an der McMartin-Vorschule. Es handelt sich um einen sehr berühmten Strafprozess in den USA, der sich über viele Jahre zog. Hauptbestandteil waren die Vorwürfe, dass die Betreiber der Vorschule Kinder (über 360 Kinder) in unterirdischen Tunneln gefangen hielten, um sie sexuell zu missbrauchen. Die Tunnel wurden natürlich nie gefunden (da sie nicht existierten), obschon Ausgrabungen an der Vorschule stattfanden. Die Betreiber wurden nach mehreren Jahren logischerweise freigesprochen. Ganz wichtig jedoch, wir merken uns hier die Tunnel. Die Tunnel, in denen angeblich die Kinder versteckt waren, die jedoch nie gefunden wurden!

Die PSVT ist am Ende sogar wesentlich tiefergehend, da sie auch ein Teil der häufig proklamierten „Elitenverschwörung” ist. Hier bildet sie eine enge Verwandtschaft unter dem Dach der Ritualmordlegenden gemeinsam mit den Verschwörungen um Juden. Mit dem Aufbau der Angst vor dem Satanischen als das unsagbar Böse, aufgepeppt mit ein paar Elementen, wie man sie aus zionistischen Verschwörungstheorien kennt, hat die PSVT eine plausibel klingende Basis bekommen.

Adrenochrome, Kinder und Eliten

Die Adrenochrome-Legende ist eine dynamische Weiterentwicklung der Ritualmordlegenden und hat in ihrem Ursprung eigentlich wenig mit Juden oder Ritualmorden zu tun. Worum geht es bei Adrenochrome? Durch ein Video von Xavier Naidoo wurde der Begriff Adrenochrome bekannt, den die meisten wahrscheinlich noch nie zuvor gehört haben. In einem weit verbreiteten Video berichtet der Ex-DSDS Juror und Verschwörungstheoretiker Xavier Naidoo weinend von Kindern, die „in diesem Moment“ weltweit aus den Händen von Pädophilen befreit würden. Kryptisch nennt er auch das Stichwort „Adrenochrome“, ohne es weiter auszuführen.

„Adrenochrome… geht auf Adrenochrome … Bilder … wenn ihr das ertragen könnt, und ich weiß seit mindestens 15 Jahren, was los ist.“

Das Video mit dieser Aussage ist an zahlreichen Stellen auf YouTube zu finden. Folgt man nun Naidoos Rat und gibt „Adrenochrome“ in die Google-Bildersuche ein, stößt man auf eine Menge Behauptungen; Kern ist: der Stoff soll eine Verjüngungsdroge sein, welche die „Hollywood-Elite“ aus den Körpern entführter und gefolterter Kinder gewinnt. Jene Infos hat Naidoo anscheinend aus einem der zahlreichen QAnon-Gruppen, die auf Telegram existieren.

An dieser Stelle interessiert die Frage: Was ist Adrenochrome eigentlich? Wo kommt es her, was soll es bewirken, warum werden zur Gewinnung angeblich Kinder entführt?
Es handelt sich dabei um eine Verbindung, die durch die Oxidation von Adrenalin entsteht. Seine medizinische Hauptanwendung ist die Verlangsamung des Blutverlusts durch die Förderung der Gerinnung in offenen Wunden. Die chemische Formel lautet C9H9NO3. Also es gibt zumindest dieses Adrenochrome. Die Verbindung ist bereits seit Jahrzehnten bekannt. Forscher untersuchten einen möglichen Zusammenhang zwischen Adrenochrome und Schizophrenie, allerdings konnte diesbezüglich keine Nachweise erbracht werden.

Merken wir an dieser Stelle an: Die Adrenochrome-Legende spricht zwar nicht von getöteten Kindern, jedoch von gefangenen und gefolterten Kindern, denen in Ritualen ein Hormon abgenommen wird. Wir reden also von einem schweren Verbrechen, einer Gräueltat gegen Kinder. Hier schließt sich nun der Kreis!

War es im Mittelalter das Blut von Kindern, dass durch perverse Rituale durch „gesellschaftliche Minderheiten“ auf verbrecherische Weise gewonnen wurde, stellt Adrenochrome exakt dieselbe Ritualmordlegende in einem modernen Gewandt dar. Kindern wird angeblich eine Körperflüssigkeit (Blut entspricht hier dem Hormon Adrenochrome) entnommen, die zu medizinischen Zwecken der teuflischen Minderheit dient. Nichts hat sich also im Narrativ selbst geändert, lediglich in der Art der Darstellung hat eine Dynamik stattgefunden.

Adaptiert und verstärkt

Wie es bereits bei anderen Mythen und Legenden erkennbar wurde, verstärken sich diese, indem man verschiedene Erzählungen bündelt und somit miteinander kombiniert. Das ist auch in der Adrenochrome-Legende geschehen. In ihr steckt nicht allein die klassische Ritualmordlegende, sondern auch ein filmisches narratives Element, das eigentlich nichts mit einem Verschwörungsmythos zu tun hat. Dieses Element ist recht leicht erklärt und stammt aus dem Roman „Fear and Loathing in Las Vegas“. In dem Roman „Fear and Loathing in Las Vegas“ von Hunter S. Thompson, welcher 1971 erschien und 1998 mit Johnny Depp in der Hauptrolle verfilmt wurde, redet Dr. Gonzo über Adrenochrome und tritt die Welle los:

„Es gibt nur eine Quelle für dieses Zeug… die Adrenalindrüsen eines lebenden menschlichen Körpers. Es ist nicht gut, wenn man es aus einer Leiche herausnimmt.“

Thompson gilt übrigens auch als Begründer des Gonzo-Journalismus: Ein Stil, der Journalismus und Literatur miteinander verbindet, zumeist mit dem Journalisten mitten in der Geschichte, selten objektiv, oftmals mit fiktiven Elementen angereichert.

Auf die Idee, warum Adrenochrome eine halluzinogene Droge sein könnte, kam Thompson durch ein Gerücht aus den 50ern. Damals glaubten Anhänger von Timothy Leary, der seine Romane gerne unter Drogeneinfluss schrieb, dass Adrenochrome wie ein körpereigenes LSD wirke, was Schizophrenie bewirke. Aufgrund solcher Gerüchte gab es auch die oben erwähnten Forschungen dazu. Thompson sagte selbst jedoch im Audiokommentar zu dem Film „Fear and Loathing in Las Vegas“, dass er die Drogenwirkung und das Gewinnen des Stoffes aus den Adrenalindrüsen von lebenden Menschen frei erfunden hat!

Weiterführende Elemente zu den Ritualmordlegenden

Doch Adrenochrome allein reicht nicht für die moderne Adaption der Ritualmordlegenden, sondern die Adrenochrome-Erzählung ist nur ein Teil des Ganzen. Daneben gibt es die Geschichten um Kinder in unterirdischen Gefängnissen, die extrem eng an die Adrenochrome-Legende geknüpft ist, da es eben diese Kinder sein sollen, denen man das Hormon abnimmt. Auch hier finden sich mehr als deutliche Parallelen zu den ältesten Ritualmordlegenden: Es soll sich um entführte Kinder handeln, die durch eine Minderheitenelite gequält werden und denen man zu „medizinischen Zwecken“ Flüssigkeiten abnimmt.

Die modernen Erzählungen zu gefangenen Kindern haben teils ebenso absurde und groteske Elemente, wie ihre Pendants aus der fernen Vergangenheit. Ein Beispiel: Angeblich befinden sich tausende gefangene Kinder unter dem Central Park in New York in unterirdischen Tunneln. Tunnel! Unterirdisch! Man erkennt einfach dieses Muster immer wieder, das auch hier zu tragen kommt. Wenn auch an dieser Stelle erneut unbewiesene Tunnel in den Erzählungen vorkommen, so merken wir uns diese Tunnel NOCH ein weiteres Mal.

Kommen wir wieder auf den Central Park und auf die Kinder. Zurückzuführen ist diese Geschichte auf die Behelfskrankenhäuser, die zu Beginn der Coronakrise in New York in Zelten im Central Park errichtet wurden. New York kämpfte mit dem Coronavirus. Gleichzeitig wurde das Behelfskrankenhaus im Central Park bewusst falsch interpretiert und mit der Befreiung von tausenden Kindern beschrieben.

Was in New York zu Beginn der Coronakrise der Fall war: Das Krankenhausschiff Comfort der US-Marine war im Hafen von New York City andockt. New York wurde im April 2020 als „Epizentrum des Virusausbruchs“ in den Vereinigten Staaten dargestellt und das Schiff soll die Kapazitäten in den zivilen Krankenhäusern der Stadt entlasten, damit sich die Krankenhäuser auf Coronaviruspatienten konzentrieren. Gleichzeitig wurde im Central Park in New York eine Art Feldkrankenhaus errichtet (Central Park Samaritan´s Purse Field Hospital), mit dem andere Krankenhäuser der Stadt entlastet werden sollen. So weit, so plausibel. Aber alles Plausible kann man eben mithilfe von Narrativen und ein wenig gewolltem Verschwörungsglauben in eine andere Realität ummünzen.

Dieser Einsatz, sowie das Behelfskrankenhaus wurden bewusst in einen Verschwörungsmythos eingearbeitet. Wir sind hier wieder bei den gefangenen Kindern angekommen und müssen in Bezug auf QAnon (bereits beschrieben) uns wieder in Erinnerung rufen, dass im Zuge des QAnon-Narrativs Donald Trump ein Heilsbringer ist, der linksliberale Eliten in die Knie zwingt.

Somit findet an dieser Stelle in Bezug auf das Schiff, sowie das Behelfskrankenhaus eine massive Umdeutung statt: Das Behelfskrankenhaus sowie das Schiff seien Teil einer großangelegten Kinderbefreiung. So der Mythos. Diese Kinder, die von Pädophilen missbraucht worden sein sollen, seien angeblich in Tunneln unter dem Central Park gefangen gewesen und Trump hätte die Rettung angeordnet. Es soll sich dabei um viele Tausend Kinder gehandelt haben, die Zahlen variieren da. Man erkennt auch an dieser Stelle wieder die typischen Erzählstrukturen, die von Eliten, geheimen Ritualen, Feindbildern und natürlich Kindern sprechen.

Warum Kinder, warum New York? An dieser Stelle schließt sich der Kreis, warum ausgerechnet New York ein Tunnelsystem mit gefangenen Kindern haben soll. New York ist ein sogenannter „Blauer Staat“. Das bedeutet, er ist klassischerweise ein Bundesstaat der Demokraten. Diese Blauen Staaten liegen eher im Nordosten der USA, sowie entlang der Westküste. Dementsprechend ist es logisch, dass New York, aber auch beispielsweise Hollywood, immer wieder Verschwörungsmythen zum Opfer fallen, da es sich bei diesen Mythen um einen Angriff auf politische Gegner handelt. Wir erkennen auch hier wieder den Aufbau von Feindbildern und deren Entmenschlichung zur Selbstlegitimierung vollstreckerischem Handelns.

Zunächst auf die USA bezogen, erkennt man auch hier die typischen Feindbilder: Linksliberale Eliten (von ihren politischen Gegnern abwertend als Libtards= liberal bastards bezeichnet) sind Verbrecher. Auf der Metaebene haben wir es mit dem Bild des Judentums aus den Ritualmordlegenden zu tun. Und diese Feindbilder begehen das größte und unverzeihliche Verbrechen überhaupt: Sie vergehen sich an Kindern. Auch hier gibt es dynamische Erzählstrukturen, wahlweise essen oder missbrauchen sie Kinder sexuell oder trinken ihr Blut.

Beenden wir den Bereich um die Ritualmordlegenden mit einem darin mittlerweile eng verwobenen Element: Die unterirdischen Tunnel. Jene Tunnel, die niemand je gesehen hat, die jedoch eine zentrale Rolle in den (vor allem modernen) Ritualmordlegenden spielen. Warum geheime unterirdische Tunnel? Ganz einfach: Weil man diese nicht sieht, sofern sie existieren würden. Und gerade, wenn sie geheim sind, sind diese Tunnel ein gutes erzählerisches Element, um verborgene Geschichten zu erzählen.

Um abschließend noch eine dieser wahnwitzigen Tunnelgeschichten zu erzählen: Ja, ganz Österreich soll angeblich geheime unterirdische Tunnel haben, genau dafür haben wir uns das Tunnel-Narrativ ja gemerkt. Tunnel unter dem ganzen Land, Tunnel ohne Ende. Der folgende Text stammt aus einer Nachricht aus dem Telegram Kanal von Xavier Naidoo:

[…] Wo braucht man viele Tunnels? In einem Land voll Berge.
Österreich: Tunnels wurden gefunden, schmal wie eine Person, lang gezogen, Wände nicht ganz glatt aber feinst gewellt, gleichmässig, aber mit einer Präzision wie ein Laserstrahl, und der Tunnel ist viel zu klein für ein Werkzeug. Da hätte man ja nicht mal genug Platz drin um mit einer Spitzhacke auszuholen.
Das ist der harte Beweis für eine überlegene Technik, die wir nicht kennen, die einen Tunnel gebohrt hat in Gestein, das schon fast Diamanthärte hat. DAS muss keineswegs von Ausserirdischen gemacht worden sein, … nur weil manch einer da nun dran denkt. […]

Laut Medienberichten hat Naidoo auch eine Antwort, was in diesen Tunneln unter Österreich passiert:

Derzeit würden sich dort nämlich brutale Schlachten abspielen. Nicht zwischen Russland und den USA. Nicht zwischen Israel und Palästina. Nein: Zwischen Robotern und Klonen.

Die Ritualmordlegenden aus der Vergangenheit tragen also eine interessante neuzeitliche Dynamik in sich. Am Ende geht es dabei nicht allein um Kinder, nicht nur um Juden, sondern generell um Minderheiten, die vermeintlich elitäre Kämpfe um die Macht führen. Und das vor allem mithilfe von Tunneln, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

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