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Freitag, 22 Oktober 2021

Madagaskar: 20 Millionen $ für die Vergiftung einer COVID-19 Heilung? (Faktencheck)

Bereits im Mai wurde behauptet, die WHO habe Madagaskar ein hässliches Angebot gemacht.

So habe eine Zeitung berichtet, die WHO habe dem Präsident von Madagaskar 20 Millionen Dollar geboten, wenn sie ein potentielles Heilmittel für COVID-19 kontaminieren. Der Präsident soll dies selbst in einem Interview erzählt haben.

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Nur eine von vielen Seiten mit der Behauptung, Quelle: News Front
Nur eine von vielen Seiten mit der Behauptung, Quelle: News Front

Aufgrund unseres Artikels über einen angeblichen Bestechungsversuch der WHO gegenüber Weißrussland bekamen wir nun vermehrt Anfragen über die obige Behauptung.

Die Quelle

Auch wenn beispielsweise „News Front“ von Berichten (also Mehrzahl) schreibt, lassen sich sämtliche Artikel, Blogbeiträge und Facebook-Beiträge auf eine einzige Zeitung zurückführen.

Die Zeitung „Tanzania Perspective“ vom 14. Mai 2020, dessen Titelblatt auch sehr oft bei den Behauptungen im Internet auftaucht, berichtete erstmals darüber:

Die Tanzania Perspective vom 14. Mai 2020
Die Tanzania Perspective vom 14. Mai 2020

Der Artikel erschien nicht nur in Tanzania Perspective, sondern auch in „Fahari Yetu“, einer anderen Zeitung des gleichen Verlags, dort leider nur in der Kiswahili-Sprache.

Jener Zeitungsausschnitt wurde ebenfalls verbreitet. Doch auch wenn man die Sprache nicht kennt, so sind zwei wichtige Punkte erkennbar: Es geht um die 20 Millionen Dollar und um ein Interview mit France24, in dem Andry Rajoelina, der Präsident von Madagaskar, dies gesagt haben soll.

Gleicher Verlag, gleiche Behauptung, nur andere Sprache
Gleicher Verlag, gleiche Behauptung, nur andere Sprache

In dem Artikel heißt es, Rajoelina seien 20 Millionen Dollar von der WHO geboten worden, um ein vornehmliches pflanzliches Heilmittel gegen COVID-19 zu vergiften, um „seine afrikanischen Brüder“ zu töten.

Das Interview mit France24

Tatsächlich wurde Rajoelina am 11. Mai von Marc Perelman (France24) und Christophe Boisbouvier (Radio France Internationale) interviewt. Das komplette 17 Minuten lange Interview ist hier zu sehen:

Auch BBC berichtete über das Interview.

Worum ging es in dem Interview?

Spezifisch geht es um die Kritik an einem Kräutertonikum, welches Präsident Rajoelina in Madagaskar anpreist. Es trägt den Namen „Covid-Organics“ und basiert auf der Pflanze Artemisia annua, welche bereits gegen Malaria erfolgreich eingesetzt wird.

Bezüglich den Kritiken, dass das Mittel bisher nur an wenigen Menschen getestet wurde und es keine klinischen Studien dazu gibt, fragt Rajoelina:

„Was ist eigentlich das Problem mit Covid-Organics? Könnte es sein, weil dieses Produkt aus Afrika stammt? Könnte es sein, dass es für ein Land wie Madagaskar, das das 63. ärmste Land der Welt ist, nicht in Ordnung ist [diese Formel] gefunden zu haben, die helfen kann, die Welt zu retten?“

Die WHO verbietet Artemisia annua übrigens nicht, man kann die Samen auch hierzulande bestellen. Sie darf aber nicht als COVID 19-Heilmittel angepriesen und verkauft werden (wir berichteten), da deren tatsächliche Wirksamkeit noch erforscht wird.

Zum Zeitpunkt jenes Interviews hatte Madagaskar nur 171 Corona-Infizierte, davon waren 105 genesen, Tote gab es zu dem Zeitpunkt noch keine.

Mittlerweile sieht die Lage anders aus: Zum jetzigen Zeitpunkt (18. August) gibt es in Madagaskar 13.827 Infizierte, 12.424 Genesene und 170 Tote. Weltweit liegen sie damit trotzdem noch sehr gut unter dem Durchschnitt.

Was hört man in dem Interview nicht?

Jede/r kritische Leser*innen mit Englischkenntnissen darf sich gerne das oben eingebettete Interview ansehen und anhören.

Was nämlich zu keinem einzigen Zeitpunkt des Interviews zu hören ist: Die Behauptung, dass die WHO ihm 20 Millionen Dollar für die Kontamination des vermeintlichen Heilmittels geboten habe!

Auch in anderen Interviews mit dem Präsidenten von Madagaskar ist diese Behauptung nicht zu finden.

Fazit

Im Endeffekt handelt es sich um die Schlagzeile einer Zeitung in Tanzania, welche nicht zum ersten Mal durch Falschmeldungen auffällt. Wie AFP berichtete, behauptete die Zeitung beispielsweise, dass die Weltbank Tanzania für ihre Anti-COVID-19 Politik lobe, was die Weltbank jedoch in einem Statement bestritt.

Es handelt sich somit um eine Falschmeldung.

Weitere Quellen: Africa Check, allAfrica, Centre for Democracy & Development Africa, Rappler, AFP

 

 

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