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Freitag, 22 Oktober 2021

Leben ohne Social Media [Ein Kommentar]

Wozu Social Media? Durch den Ausfall von Facebook, Instagram und WhatsApp am 4. Oktober hab ich wieder mal begonnen, nachzudenken. – Über ein Leben mit oder ohne Social Media.

Claudia hier, seit knapp zwei Jahren als Autorin für Mimikama tätig. In meinem privaten Blog „Spieß Special Stories“ hab ich gestern meine Gedanken zu einem Leben mit oder ohne Social Media niedergeschrieben. Es ist nicht das erste Mal, dass ich mir überlege, ob ein Dasein auf Social Media-Plattformen wirklich sein muss. Darum hab ich nun diesen Ausfall zum Anlass genommen, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen.

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Es ist schon komisch, ich könnt’s nicht mal als „Hassliebe“ bezeichnen, dazu ist es mir fast etwas zu egal. Aber oft frag ich mich schon, warum wir alle mehr oder weniger viele Stunden in diese diversen Netzwerke reinbuttern.

Sicher ist, dass es für Unternehmer ein etwas anderes Instrument darstellt und dadurch auch die „Pro-Argumente“ anders ausfallen. – Aber als Privatperson?

Was sind denn die positiven Seiten?

Ja, sicher – da gibt’s einige, die auch für jeden einzelnen individuell ausfallen werden und daher anders zu beantworten sind. Also kann ich mal nur sagen, was für MICH positiv an Facebook und Co ist.

Hm…

Uh. – Diese Pause, gefolgt von diesem „Hm“ reicht eigentlich schon als Antwort, oder? Aber gut…

Ja, klar – ein Totschlagargument ist auf jeden Fall, dass ich hier mit Leuten verbunden bin, die nicht bei mir ums Eck wohnen, von denen ich sonst eher weniger mitbekommen würde. Das sind ca. zwei Hand voll Leute, bei denen es mich wirklich freut, dass es auf diesem Weg klappt, und dass es diese Möglichkeit gibt.

Früher – damals, das „altmodische Früher“ – haben wir uns Mails geschickt, um uns ab und zu auf dem Laufenden zu halten. Da waren dann die wichtigsten Dinge verpackt und nicht jeder „Furz“. Also, ich wusste damals nicht, was XY zu Mittag gegessen hat. Und eigentlich konnte ich damit gut leben. Im noch „altmodischeren Früher“, also dem, das der Steinzeit näher war als der Social Media-Aera (man darf auch mal übertreiben 😉 ), haben wir auch immer wieder mal zum Hörer gegriffen und angerufen. Und dann eventuell stundenlang geplaudert – im Hintergrund haben wir den Minutenzähler unseres Telefontarifs rattern gehört. Auch das war ok.

Heute nutze ich dafür WhatsApp, zum Teil inflationär. Da gehen schon oft mal fünf Nachrichten direkt hintereinander raus, in jeder Nachricht vielleicht auch nur ein paar Emojis oder ein paar knappe Worte. Ja, manche Bekannte haben das auch bekrittelt: „Kannst du nicht alles in EINER längeren Nachricht schreiben?“ – „Nein, dann geht die Wirkung verloren“ (in Gedanken: „Nein, weil’s einfach egal ist!“)

Facebook läuft so nebenher mit. „Nebenher“… – ja, ich poste viel, und oft frage ich mich selbst „War des jetzt wirklich notwendig?“ – Auch hier in Gedanken: „Es ist einfach egal.“
Ich bin seit 2009 auf Facebook. Seit über zwölf Jahren! Das ist eigentlich Irrsinn. In keinem Job war ich so lange, auch dauerte keine meiner Beziehungen so lange. Aber ja, es läuft eben so nebenher mit – ein vertrauter Alltagsgeselle, dieses Facebook.

Auf Instagram sieht’s ein wenig anders aus. Hier poste ich eher Dinge, die zeigen sollen, was mich wirklich interessiert, was ich kreiere. Das können Zeichnungen, Grafiken oder auch Fotos sein.

Wenn man’s direkt vergleicht, könnte man – ein wenig böse – sagen, dass Facebook als Müllhalde für ALLES herhalten darf. Natürlich sind nicht alle Postings dort Müll. Aber es landet schon sehr viel dort, was – um oben anzuknüpfen – nicht unbedingt notwendig wäre. Ist Facebook also die Restmüll-Tonne der Social Media Portale?

Ab in den Rundordner?

Es wäre vermutlich etwas übertrieben. Vieles auf Facebook ist toll. Doch auch durch meinen Job bei Mimikama bestätigt sich immer wieder, dass Facebook auch viel Platz für richtigen Müll oder sogar Dreck bietet. Dreck, dem man eigentlich gar nicht begegnen mag.

Ich möchte hier nicht nur schimpfen (naja, ein wenig vielleicht), darum nochmals: Vieles auf Facebook ist toll. Diverse Gruppen sind richtig gut, manche Seiten ebenso – da bekommt man ordentlich was geboten. Viele Beiträge von Freunden bringen mich zum Lachen, Schmunzeln, Staunen, Freuen und auch Nachdenken. Es stimmt schon, das möchte ich nicht missen.

Trotzdem habe ich mich nach dem Facebook-Ausfall gefragt, ob ich nicht auch gut ohne leben könnte. Und das kann ich definitiv mit einem lauten JA beantworten.

Instagram: Da brauch ich gar nicht lang nachdenken, Instagram fällt bei mir definitiv unter „egal“.

WhatsApp: Da wird’s schon schwieriger. Aber WhatsApp ist eben auch keine Plattform, sondern ein Messenger. Den noch dazu viele, viele Bekannte und Freunde nutzen. Aber klar, würde es WhatsApp nicht geben, wär’s ein anderer Messengerdienst. Oder meinetwegen auch SMS – die werden einem in den Flatrate-Tarifen eh zu Tausenden gratis nachgeworfen. Mit Fotos und Videos wär’s halt schwieriger, aber auch dafür würde sich – wenn es denn unbedingt sein muss – eine Lösung finden.

Klarerweise haben wir die diversen Plattformen anfangs erstmal neugierig beschnuppert, versucht, einen ersten Eindruck zu gewinnen, uns über alte und neue Freunde gefreut, sicherlich auch das eine oder andere Spiel gespielt. Und dann wächst man irgendwie rein. Tja, und dann ist es da. Als ob es nie anders gewesen wär.

Was wäre, wenn … ?

Die eigentliche Frage nach dem Ausfall war ja: „Was ist, wenn das jetzt so bleibt? Wenn sich Facebook nimmer wiederherstellen lässt?“

Zuallererst hätte ich mich geärgert, dass ich mein Profil und alle meine Inhalte nicht gesichert habe. Sicher habe ich alle Fotos usw. noch irgendwo abgelegt, aber so in geballter Ladung natürlich nirgends. (Ah, das mach ich gleich mal – kann nicht schaden.)

Und dann? Ruhig wär´s geworden. Die Blicke aufs Handy wären weniger geworden, bis sie langsam komplett ausgeblieben wären. Die Phasen, wo ich am PC sitze und durch Facebook scrolle, hie und da etwas like, seltener etwas kommentiere, wären weggefallen. Und ehrlich: Oft like ich IRGENDEINEN Kommentar von einem Fremden auf einen Beitrag eines anderen Fremden, denk mir „Die kennen mich beide nicht und ich sie auch nicht, warum reagier ich überhaupt darauf?!“und lösche mein Like wieder.

Mein Job bei Mimikama hätte sich zwangsläufig verändert. Große Teile wären gleich geblieben, aber natürlich hätte sich Vieles verändert, wenn Facebook, Insta und WhatsApp plötzlich einfach nicht mehr existieren würden. Falschmeldungen und Betrugsversuche zum Beispiel würd es auf anderen Plattformen oder in anderen Kommunikationskanälen weiterhin geben. Trotzdem wär’s einfach anders. Und durch Facebook bin ich ja überhaupt erst zu diesem Job gekommen.

Aber sonst? Würde ich mir ein anderes soziales Netzwerk suchen, in dem ich sinnlos rum scrollen und Beiträge liken kann? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Ich bin schon in einigen Netzwerken vertreten, z.B. LinkedIn oder auch Twitter seit neuestem. Aber eben nirgends in so einem Ausmaß wie auf Facebook. Das ist auch gut so, und ich denke, das würde sich auch nach Wegfallen von Facebook nicht ändern.

Wie würden sich soziale Kontakte ändern? Würden wir alte Freunde wieder öfter treffen? Hätte man wieder eine Stammkneipe, in die man gehen kann, wo man weiß, dass immer jemand da ist, den man kennt? Würden wir wieder öfter telefonieren? Ich weiß es nicht. Aber ich fände es wirklich spannend, es herauszufinden.

Diese Ruhe …

Oft, wenn ich mit meinem Hund spazieren geh, stehe ich einfach einen Moment still und genieße die Natur um mich: Die Ruhe. Den Geruch. Das Licht. Die Wärme oder auch die Kälte. Ich mag die Geräusche, die man da hören kann. Das Pfeifen, das der Wind verursacht. Das Rauschen der Bäume. Die Schreie und Gesänge der Vögel. Das Plätschern von Wasser.

Wenn ich dann stehen geblieben bin, schließ ich schon mal die Augen und atme tief durch. So, als wollte ich alles rund um mich zumindest für einen Moment aufsaugen. Das Gefühl möchte ich mir dann eine Zeit lang behalten. Oder mich zumindest daran erinnern, wie es sich angefühlt hat.

Das sind für mich vollständige Momente.

Viel zu oft fühl ich mich getrieben, meinen Freunden zu zeigen, was ich grade mach, wie gut es mir grade geht, wie schön oder auch witzig dies und jenes ist, was ich grade seh, oder was für einen Spaß ich grade mit meinem Wuff hab.

Aber ehrlich? Die RICHTIG GUTEN Momente gehören mir. Und genau diese brauchen kein Foto, kein „fühlt sich…“ oder keinen Kommentar auf irgendeiner Social Media-Plattform. 

Ich glaube, nach ein, zwei Tagen ohne Facebook würde ich mich daran gewöhnen. Ich hätte dann wohl tatsächlich mehr Zeit und würde diese auch ausgiebig genießen.
Insgeheim war da wohl ein kleines Stück Hoffnung, dass Facebook wohl wirklich „wegbleiben“ würde. So müsste ich mich nicht selbst dazu entschließen, wegzugehen. Was ich aber weiß, ist, dass ich in diesen zwölf Jahren sicherlich unzählige Stunden mit und auf Facebook verbracht hab, die mir niemand mehr zurückgeben kann. Und viele davon waren sicherlich unnötig.

Was ich aus meinen Überlegungen herauslesen kann und daher mitnehme? Dass ich mich etwas zurücknehmen werde. Jetzt, wo ich weiß, was für ein Zeit- und Energiefresser dieser „Alltagsgeselle“ sein kann. – Wenn man ihn lässt…

Passend dazu: Facebook gibt nach Mega-Ausfall eine Stellungnahme ab

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