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Kryptowährungen in der polizeilichen Ermittlung

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Vom 22. bis 24. Januar 2020 fand in Wien eine Fachtagung der österreichischen Polizei mit dem Schwerpunkt Cyberkriminalität und Kryptowährungen statt.

Das Wichtigste über die Kryptowährungen und Ermittlungen in Kürze:

  • Währungen per se nicht schlecht, werden aber von Betrügern genutzt
  • Verschiedene Betrugsformen
  • Ermittler können eingreifen
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Mimikama wurde vorab zur Präsentation der geplanten Schulungspunkte geladen und konnte Einblick in die polizeiliche Arbeit der Abteilung C4 des Bundeskriminalamtes bezüglich Kryptowährungen gewinnen.

Das World Wide Web ist in den letzten Jahrzehnten zu einem unverzichtbaren Bestandteil unseres Alltages geworden, vor allem mit der flächendeckenden Einführung von Smartphones. Ob es das Kommunizieren per Messenger oder das Bestellen von Waren, ohne das Internet wäre unsere Welt kaum auf dem jetztigen Entwicklungsstand.

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Doch die rasante Entwicklung bringt auch immer häufiger ihre Schattenseiten zu Tage, denn auch Kriminelle nutzen zunehmend das Internet für ihre Machenschaften.

Aus dem Lagebericht Cybercrime 2018 (herausgegeben vom Bundeskriminalamt und dem Bundesministerium für Inneres) ergibt sich, dass die Anzahl der Straftaten im Internet alleine in Österreich um 16,8% zugenommen hat. In absoluten Zahlen ergibt dies für 2018 19.627 Straftaten. Zum Vergleich, 2012 waren es lediglich 8.866, also weniger als die Hälfte.

Das Täterprofil ist dabei eindeutig, unter den 7980 Tatverdächtigen waren 70,1% Männer und 29,9% Frauen und beinahe die Hälfte waren unter 39 Jahre alt. Die Deliktstypen erstrecken sich dabei von Internetbetrug, sexuelle Belästigung, Stalking und Wiederbetätigung.

Eine wirksame und einfache Methode im Internet kriminell aktiv zu werden und gleichzeitig möglichst wenig Spuren zu hinterlassen, ist das Abwickeln aller finanziellen Machenschaften per Kryptowährungen. Davon existieren derzeit dutzende unterschiedliche Währungen, die bekanntesten davon sind wohl Bitcoin und Etherium.

INFOBOX: Kryptowährungen – Bitcoin
Kryptowährung sind virtuelle Zahlungsmittel. Diese basieren auf dem Entschlüsseln von kryptografischen Aufgaben. Das Knacken von derartigen Aufgaben nennt man Mining. Das Prinzip dahinter ist simpel, Kryptowährungen im Einzelnen werden in limitierter Anzahl geschaffen. Je mehr einzelne Aufgaben, also Währungseinheiten geknackt als „gemined“ werden, desto schwieriger ist die nächste, ähnlich wie das immer tiefere Schürfen nach Gold.
Während die ersten Aufgaben nur wenige Sekunden dauern, kann dies nach einer gewissen Zeit die Rechenleistung von ganzen Rechenzentren erfordern. Die einzelnen freigeschalteten Währungseinheiten werden in digitalen Geldbörsen (sogenannte Wallets) gespeichert und sind durch einen privaten Schlüssel verschlüsselt, der online gehandelt werden kann. Die Weitergabe des Schlüssels wird auf einer sogenannten Blockchain gespeichert. Der Wert der Kryptowährung ist also vom Handelsvolumen und der Schwierigkeit des Mining abhängig. Interessant sind Kryptowährungen für Spekulanten vor allem deshalb, weil es keine staatliche Regulierung gibt und die Weitergabe auf anonymer Basis erfolgen kann, also auch Steuern von Staaten nicht eingehoben werden können.

In Österreich ist der Handel mit Bitcoin relativ einfach bzw. unreguliert, ein Kauf ist bspw. in jedem Tabakwarengeschäft oder an einem geeigneten Automaten möglich. Auch viele Klein- und Mittelunternehmen besitzen Bitcoin oder akzeptieren diese als Zahlungsmittel.

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Wie funktioniert als das Zusammenspiel zwischen Cyberkriminalität und Kryptowährungen?

Mimikama hat bereits in der Vergangenheit öfter vor Internetbetrug in Zusammenhang gewarnt. Siehe:

Anfangs wird ein Virus oder ein Verschlüsselungsalgorithmus geschrieben und im Internet zum Verkauf angeboten. Die Polizei nennt diese Vorgangsweise „Crime as a Service“. Die Malware wird dann im Paket mit Tausenden oder gar Millionen von Emailadressen von einer kriminellen Gruppe erworben (logistisch ist der Aufwand für eine Einzelperson häufig zu aufwändig) und versendet.

Solche Emails werden auch Ransomware oder Erpressungstrojaner genannt.
Dabei wird der Empfänger der Email entweder bedroht oder getäuscht den Anhang der Email zu öffnen oder einen Download durchzuführen, was dann dazu führt, dass der Computer durch einen Algorithmus verschlüsselt ist. Dann wird der Nutzer bzw. Eigentümer des Computers erpresst, dass sein PC erst dann wieder freigeschalten wird, wenn ein bestimmten Geldbetrag an den Erpresser überwiesen wird. Diese Summe muss der Geschädigte zuvor in Bitcoin erwerben und an den oder die Täter überweisen.

Der Vorteil des Erpressens mit Bitcoin oder anderen Kryptowährungen liegt auf der Hand. Obwohl der Handel des Bitcoins nachweisbar ist, treten die Täter nicht mit Klarnamen, sondern lediglich mit einer User-ID auf, die aber anonym ist, sodass nicht erkennbar ist, wer hinter dem Empfänger steckt.
Diese Kette an Überweisungen werden in sogenannten Blockchains gespeichert.

INFOBOX: Blockchains
Blockchains sind eine virtuelle, kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen. Diese sind mittels kryptografischer Verfahren miteinander verbunden. Jeder Block enthält dabei den Zeitstempel und die Transaktionsdaten des vorangegangen Blocks. Am Beispiel von Kryptowährungen werden pro Block die Weitergabe, Empfänger und Auftraggeber gespeichert. Das System gilt als besonders sicher, da die Verschlüsselung in jedem einzelnen Block stattfindet.

Diese Kette ist zwar für jeden einsehbar, allerdings besteht nach wie vor das Problem der Anonymität im Netz.

Dennoch besteht an dieser Stelle für die Ermittler die Chance, aktiv einzugreifen. Da Bitcoin lediglich eine Kryptowährung sind, ist die Verwendung im Alltag (Zahlen der Miete, Steuern, Abgaben und Versicherung) wesentlich erschwert. Der Täter ist nämlich in letzter Konsequenz daran interessiert, die Kryptowährung in reales Geld wie Dollar oder Euro umzutauschen. Genau diese Schnittstelle zwischen Internet und realer Welt ist für die Beamten der Schlüssel, um den Verbrechern Einhalt zu gebieten.
Lässt sich der Täter den Gegenwert der Bitcoin bspw. auf sein Konto überweisen, so kann die Polizei dies nachweisen und den Eigentümer des Kontos aufspüren.
Der große Nachteil dieser Methode ist jedoch, dass dies nicht innerhalb bestimmter Zeit passieren muss. Wird die virtuelle Währung also niemals ausbezahlt, sondern im Netz gehalten, kann die Anonymität aufrecht erhalten werden.

Probleme bei der Verfolgung

Eine weitere Problematik stellt die grenzüberschreitende Kriminalität dar. Lebt der Täter im Ausland, so sind die Ermittlungsbehörden auf die Zusammenarbeit mit ausländischen Kollegen angewiesen. Doch gerade an dieser Stelle ist festzuhalten, dass die Vernetzung der Polizei im internationalen Raum über die letzten Jahre enorm zugenommen hat und somit die „Safe Spaces“ für Kriminelle immer weiter abnehmen.

Zusammengefasst ist festzustellen, dass sich die Kriminalität immer weiter ins Internet verlagert und dort vor allem in Kombination mit Kryptowährungen auftritt. Die Herausforderung für die Ermittlungsbehörden besteht einerseits darin, die Täter an der Schnittstelle, also der Auszahlung von virtuellen Währungen in reales Geld, zu erwischen, anderseits auch in der weltweiten Vernetzung von Ermittlungsbehörden, da die Täter ebenfalls grenzüberschreitend agieren.

Wir empfehlen zur weiteren Lektüre unsere Artikel: „Sicherheitshinweise für den Alltag im Internet“ und „Wie Ermittlungsbehörden den Umgang mit Kryptowährungen üben“

Infos aus dem Lagebericht Cybercrime 2018, Bundesministerium für Inneres, Bundeskriminalamt

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