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Aktuelles Der Kettenbrief über gesteigerte Suizidraten: Es gibt noch keine Statistiken!
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Der Kettenbrief über gesteigerte Suizidraten: Es gibt noch keine Statistiken!

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In sozialen Medien kursiert ein Kettenbrief, der auf steigende Suizidraten hinweist. Die Behauptung ist jedoch unbewiesen.

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Im Grunde ist der Kettenbrief eine gute Sache: Es wird auf die Telefonseelsorge verwiesen. Die Begründung für den Kettenbrief bezüglich gesteigerten Suizidraten ist jedoch ein gern verwendetes Argument von Lockdown-Gegnern und hat keine statistische Grundlage.

Um diesen Kettenbrief handelt es sich:

Der Kettenbrief auf Twitter
Der Kettenbrief auf Twitter

Der Kettenbrief im Wortlaut:

Die Selbstmordzahlen sind gestiegen. Wir versuchen zu zeigen, dass immer jemand zuhört.
Rufen Sie 0800-1110111 an (Hotline-Telefonseelsorge).
Könnten 2 Follower diesen Tweet bitte kopieren und erneut posten. Nur zwei. Egal welche zwei. Kopieren, nicht retweeten.
#NotAlone
Auf Twitter nahm der Kettenbrief seinen Anfang, wird aber mittlerweile auch in anderen sozialen Medien geteilt bzw. kopiert und neu gepostet.
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Der Ursprung des Kettenbriefs

Im englischen Sprachraum tauchte der Kettenbrief einen Tag vorher auf, zusätzlich noch mit der Behauptung, dass die Suizidraten um 200 Prozent gestiegen seien.

Der Kettenbrief im englischen Sprachraum
Der Kettenbrief im englischen Sprachraum

Die Suizidraten

Deutschland

Wie das Ärzteblatt (siehe HIER) im Oktober berichtete, ist eher das Gegenteil der Fall: Es gibt weniger Selbsttötungen.

„In den Monaten Januar bis Juli 2020 gab es in Frankfurt im Vergleich zum Vorjahreszeit­raum einen Rückgang der absoluten Zahl der Suizide um 30 Prozent“, heißt es in einem Bericht des „Frankfurter Projekt zur Prävention von Suiziden mittels Evidenz-basierter Maßnahmen“ (FraPPE).

Die Zahlen sind allerdings noch mit Vorsicht zu geniessen! Zum Einen handelt es sich nur um die Zahlen aus Frankfurt am Main, die man nicht einfach bundesweit umrechnen kann, zum anderen müssen die Zahlen vorläufig mit einer Dunkelziffer von 10 Prozent ergänzt werden.

In Berlin wiederrum verzeichnete die Feuerwehr einen Anstieg bei den Einsätzen unter dem Stichwort „Beinahe Strangulierung/ Erhängen, jetzt wach mit Atembeschwerden“, wie die Berliner Zeitung berichtet (siehe HIER).

Bundesweite Zahlen zur Suizidrate gibt es noch gar nicht.

USA

Bereits im Mai kursierte in den USA die Behauptung, dass die Suizidraten steigen würden, damals verbreitet von Tim Murtaugh, dem Kommunikationsdirektor für die Wiederwahlkampagne von Präsident Donald Trump während eines Interviews am 26. Mai im Newsradio WRVA in Richmond, wie PolitiFact (siehe HIER) berichtete.

Das CDC führt nationale Suizidstatistiken, ein langwieriger Prozess, der eine Überprüfung der gemeldeten selbstverschuldeten Todesfälle erfordert. Die neuesten Daten stammen aus dem Jahr 2018 (siehe HIER). Daten für 2020 sidn frühestens 2022 zu erwarten.

Aktuelle Statistiken über die Suizidraten in den USA gibt es also noch gar nicht.

UK

Für Großbritannien ist das Office for National Statistics (ONS) zuständig, wenn es um Statistiken geht.
Die neuesten Zahlen der Suizidraten für Großbritannien sind von 2018 (siehe HIER) und für England von 2019 (siehe HIER).
Aktuelle Statistiken über die Suizidraten in den UK gibt es noch gar nicht.
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Und woher stammen die 200 Prozent?

Ganz aus der Luft gegriffen ist die Zahl nicht, zumindest nicht für Großbritannien, jedoch wird sie mißinterpretiert.

Wie itv im Mai berichtete (siehe HIER), stieg die Anzahl der Anrufe bei einer Seelsorge-Hotline seit Beginn des Lockdowns um 200 Prozent. Dies bedeutet jedoch nicht gleichzeitig, dass auch die Zahl der Selbsttötungen um 200 Prozent stiegen.

Fazit

Ein Hinweis auf die Telefonseelsorge ist wichtig und richtig, denn ein Anstieg an Depressionen ist tatsächlich zu erwarten. Die Behauptung jedoch, dass die Suizidraten gestiegen seien, entbehren jedoch derzeit den statistischen Grundlagen.

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Hinweis: Die Wiedergabe einzelner Bilder oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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