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Montag, 20 September 2021
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Kehrtwende der WHO beim Thema Lockdowns? Nein!

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Was wie eine Kehrtwende der WHO aussieht, ist es nicht: Sie haben ihre Haltung nicht geändert.

Wir betonen es immer wieder: Es genügt nicht, einfach nur die Überschriften zu lesen. So kursieren Schlagzeilen wie „WHO macht eine Kehrtwende“ und „WHO spricht sich nun gegen Lockdowns aus“. Gefundenes Fressen für Leute, die damit die Inkompetenz der WHO beweisen wollen, doch sollte man nicht nur mittels Überschriften urteilen.

Kehrtwende? Nein!
Kehrtwende? Nein!

Woher stammt die Behauptung?

Jene angebliche Kehrtwende wurde von US-Präsident Donald Trump bejubelt, er setzt sogar noch was drauf: Angeblich habe die WHO ihm sogar zugestimmt.

„Die Weltgesundheitsorganisation hat gerade zugegeben, dass ich Recht hatte. Die Abriegelungen bringen Länder auf der ganzen Welt um. Die Heilung darf nicht schlimmer sein als das Problem selbst.“

Grund jener Aussage dürfte ein Interview mit David Nabarro sein, dem Arzt und Sondergesandten für COVID-19 bei der WHO. Das komplette Interview mit „Spectator“ ist auf YouTube zu sehen, Ausschnitte daraus findet man auf Twitter.

In diesem Interview fällt folgender Satz:

„Wir in der Weltgesundheitsorganisation sprechen uns nicht für Lockdowns als primäres Mittel zur Kontrolle dieses Virus aus.“

Eine Zustimmung zu Trumps Position findet sich übrigens an keiner Stelle des Interviews.

Was die WHO nicht sagt

An keiner Stelle sagt die WHO aus, dass ein Lockdown kein probates Mittel im Kampf gegen die Verbreitung des neuen Coronavirus sei.
Anscheinend werden geflisstenlich zwei kleine Wörtchen in dem Satz überlesen: „primäres Mittel“.

Was die WHO sagt

Sie raten davon ab, den Lockdown als primäres Mittel zu verwenden, also einen Lockdown durchzuführen, ohne die Alternativen wie beispielsweise örtlich begrenzte Quarantänen abzuwägen.

Dies wird auch im nächsten Satz des Interviews deutlich:

„Das einzige Mal, wo wir glauben, dass ein Lockdown gerechtfertigt ist, ist, um Ihnen Zeit zu verschaffen, damit Sie sich neu organisieren, neu gruppieren, Ihre Ressourcen neu ausbalancieren und Ihr erschöpftes Gesundheitspersonal schützen können, aber im Großen und Ganzen würden wir das lieber nicht tun.“

Im weiteren Verlauf weist Nabarro darauf hin, dass Lockdowns schwerwiegende Folgen haben, wie man gut sehen konnte, sowohl wirtschaftlich als auch menschlich, weswegen ein Lockdown nur als letzte Möglichkeit gelten sollte, nicht als Erste.

Es gibt also gar keine Kehrtwende

An keiner Stelle sagt Nabarro, dass Lockdowns nicht angewendet werden sollen und alles offen bleiben sollte.

Nochmal zur Erinnerung: nicht als „primäres Mittel“ und „würden wir lieber nicht tun“. Sie raten nicht komplett davon ab, sondern sie warnen vor der vorschnellen Anwendung!

Zu keinem Zeitpunkt wurden Lockdowns von der WHO und Wissenschaftlern als eine tolle Möglichkeit begrüßt oder dazu ermuntert, sofort einen Lockdown durchzuführen, denn die wirtschaftlichen und menschlichen Folgen waren vorher schon klar.

Die Lösung war von Anfang an: Aggressive Nachverfolgung

Länder wie Neuseeland, Taiwan und Südkorea machten es vor:
Es kam gar nicht erst zu Lockdowns, da von Anfang an engmaschig und gezielt getestet wurde, infizierte Personen sofort in Quarantäne kamen. Dadurch wurden die Zahlen im Vergleich zum Rest der Welt äußerst niedrig gehalten.

Fazit

Die Worte David Nabarros werden schlicht und einfach verdreht und aus dem Zusammenhang gerissen.

Die WHO änderte ihre Position zu Lockdowns nicht, Nabarro erklärt aber, dass ein Lockdown kein bevorzugtes Mittel sein sollten, dass andere Möglichkeiten vorher gründlich abgewägt werden sollte, da ein Lockdown auch immer negative Folgen habe.

Artikelbild: Shutterstock / Von kcube
Weitere Quellen: AP Fact Check, Forbes, Reuters

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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