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Freitag, 28 Mai 2021
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Journalist stellt Demonstranten ein Bein: Faktencheck!

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Ein vermeintlicher Journalist hat bei einer Corona-Demo einem Demonstranten ein Bein gestellt. Warum hat er das getan?

Eine Aufnahme vom 1. Mai 2021 zeigt eine etwas unübersichtliche Situation. Ein Mann bahnt sich seinen Weg durch die anwesenden Polizistinnen und Polizisten. Augenscheinlich dürfte er fliehen. Doch er kommt nicht sehr weit, er wird durch einen anderen Mann, der zwar einen Helm bei sich trägt, jedoch nicht als Polizist erkennbar ist, durch ein gestelltes Bein gestoppt. Die große Überraschung taucht im Nachhinein auf: Dieser Mann ist angeblich ein Journalist!

Das Video, welches hierzu zirkuliert, ist entsprechend kein Fake. Es wurde am 1. Mai in Weimar im Rahmen einer verbotenen Demonstration aufgenommen (siehe hier und hier). Daher wurde bereits im Vorfeld angekündigt, dass die Polizei eingreifen wird und es gab auch in dem gesamten Umfeld der illegalen Demonstrationen Strafanzeigen. Dabei wurden unter anderem Widerstands oder tätlicher Angriff gegen Beamte genannt, aber auch Beleidigung und Nötigung.

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Bei dem vermeintlichen Journalisten, der nun einen der Teilnehmer zum Sturz gebracht hat, handelt es sich um Sebastian Scholz, Geschäftsführer des DJV (Deutscher Journalisten-Verband) Thüringen. Und genau da setzen die Videos an, die hierzu verbreitet werden und sowohl gegen Scholz selbst, aber am Ende auch in den Kommentarspalten gegen den Berufsstand der Journalistinnen und Journalisten wettert. Hier taucht die Frage auf, ob die Gewalt auf Demonstrationen am Ende durch die Medien falsch dargestellt wird und nicht sogar von Journalisten ausgeht.

Offen bleibt an dieser Stelle die Frage, warum Scholz den Mann zum Sturz gebracht hat, da dies aus dem Video nicht hervorgeht. Handelt es sich um einen harmlosen Demonstrationsteilnehmer oder gab es einen besonderen Grund, warum dieser Mann geflohen ist?

Faktencheck Journalist stellt Bein

Das Video, wie bereits erwähnt, ist kein Fake. Ebenso ist unzweifelhaft geklärt, dass es sich um Sebastian Scholz handelt, der einen fliehenden Mann zu Fall bringt. Offen ist der Anlass, da dieser Videoclip nicht zeigt, warum der Mann geflohen ist.

Der DJV Thüringen hat sich bereits hierzu zu Wort gemeldet und ebenfalls bestätigt, dass es sich bei dem Mann um deren Geschäftsführer Sebastian Scholz handelt. Aus dem Schreiben geht hervor, dass Scholz und auch die DJV Geschäftsstelle seitdem massiv bedrängt und bedroht werden. Die Geschäftsstelle schreibt von einer beispiellosen Welle des Hasses:

Seit dem 1. Mai ist unser Geschäftsführer Sebastian Scholz Zielscheibe für eine Gruppe Personen aus den Reihen der selbsternannten Querdenkerbewegung geworden. Unsere Geschäftsstelle erhält Drohanrufe, unser E-Mail-Postfach erreichen Hassmails. Es wurde über verschiedene Kanäle zu Protestaktionen vor unserer Geschäftsstelle auf dem Anger in Erfurt aufgerufen. Damit Sie, liebe Mitglieder, im Bilde sind, fassen wir hier die Ereignisse zusammen.

Was ist passiert?

Am 1. Mai 2021 fand in Weimar eine, im Vorfeld gerichtlich verbotene, Demonstration der sogenannten Querdenker statt. Auf dieser kam es zu Handgreiflichkeiten und Angriffen auf eine Polizeibeamtin sowie einen Journalisten, in Folge derer die um sich schlagende Person vor der Ergreifung durch die anwesenden Polizeibeamten die Flucht ergriff. Unser Geschäftsführer Sebastian Scholz stellte sich dieser Person zivilcouragiert in den Weg. Die genauen Abläufe wurden von Umstehenden per Video und Foto dokumentiert.

Wir, der Vorstand des DJV Thüringen, haben den Vorfall juristisch bewerten lassen mit dem Ergebnis, dass keine strafbare Handlung seitens unseres Geschäftsführers vorliegt.

Infolge dieser Ereignisse wurden in einschlägigen Kanälen verknappte Videos veröffentlicht, die die der Flucht vorangehenden Ereignisse aussparten und sich lediglich auf unseren Geschäftsführer fokussierten. Was für ihn privat und uns als Institution folgte, sucht an Hass, Bedrohung und Beleidigung seines Gleichen. Es zeigt sehr klar, dass diesen Personen nicht an Fakten gelegen ist, sondern dass sie nur Anlässe für Gewalt und Hass suchen.

Wir, der Vorstand des DJV Thüringen, verurteilen die Art und Weise, wie hier selbsternannte Demokratieverteidiger die Fakten verdrehen und zur Gewalt gegen unseren Geschäftsführer anstacheln.

Die Vorstandsmitglieder stehen geschlossen an der Seite unseres Geschäftsführers und begrüßen seinen zivilcouragierten Einsatz.

Der Vorstand des DJV Thüringen

Doch Scholz ist kein Journalist! Der Geschäftsführer des DJV Thüringen (wie auch die Geschaftsführer der anderen Landesverbände) ist qua Amt kein Journalist. Sebastian Scholz hat zwar in seiner Laufbahn in der Vergangenheit für einen Radiosender gearbeitet, aber seit er dieses Amt innehat, arbeitet er nicht mehr journalistisch. Er berichtet für kein Medium. Auch nicht nebenberuflich. Richtig ist: Er vertritt als Gewerkschaftler die Interessen der Berufsgruppe. Die Vorsitzenden dagegen sind ehrenamtlich und arbeiten im Hauptamt im Journalismus.

Was ist vorher geschehen?

Nun gilt es, einen Blick auf den Zeitraum davor zu werfen, bzw. überhaupt zu finden. Es gibt tatsächlich zwei Videos, die davor ansetzen und im Netz abrufbar sind. Eines dieser Videos zeigt, dass ein Kameramann durch den flüchtenden Mann geschlagen wurde. Das Video stammt von dem Kameramann selbst, ab Sekunde 40 ist der entsprechende Mann zu sehen:

Ein weiteres Video entstand aus ein paar Metern Entfernung. Dort ist bis Sekunde 7 (also direkt am Anfang) der entsprechende Kameramann zu sehen, wie er durch den Schlag des Mannes zu Boden fällt.

Hier wirklich exakt die Sekunden 6 und 7 beachten, im linken Bereich des Videos, zeigen den stürzenden Kameramann:

Dennoch sind auch diese Videoschnipsel sehr kurz geraten, um die Situation deutlich zu klären. Aber es existieren noch weitere Aufnahmen, welche zeigen, dass der Fliehende vorher mehrere Menschen angreift. Dies bestätigte uns gegenüber ein Redakteur der Sendung Frontal21. Am 18.05.2021 (21 Uhr, ZDF) wird Frontal21 einen Beitrag zu diesem Thema ausstrahlen. Hierzu gibt es jedoch bereits eine Vorschau:

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Juristisch können wir am Ende die Situation nicht einordnen. Das müssen Anwälte und Gerichte unter sich ausmachen.

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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