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Montag, 20 September 2021
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Ein japanischer Professor sagte nicht, dass das Coronavirus nicht natürlich sei!

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Eine ältere Behauptung kursiert wieder: Ein japanischer Professor soll gesagt haben, dass das COVID-19 auslösende Coronavirus nicht natürlichen Ursprungs sei.

Leicht abgeändert kursiert diese Behauptung, über die wir bereits im April und im November 2020 berichteten. Der japanische Professor Tasuku Honjo von der Kyoto University, Japan soll in einem längeren Text „heute“ (als am 25. August 2021) dargelegt haben, dass das Coronavirus nicht natürlich sei; wenn seine Aussagen unwahr seien, würde er seinen Nobelpreis zurückgeben.
Das Problem nur: Tasuko Honjo hat das nie gesagt!

Hier die angebliche Aussage des Professors auf Telegram:

Ein japanischer Professor sagte das? Nein!
Ein japanischer Professor sagte das? Nein!

Die Behauptung

Der Text in dem Telegram-Beitrag:

„Der japanische Professor für Physiologie oder Medizin, Professor Dr. Tasuku Honjo, sorgte heute in den Medien für Aufsehen, als er sagte, das Coronavirus sei nicht natürlich. Wenn es natürlich ist, wird es nicht die ganze Welt so beeinflusst haben. Denn je nach Art ist die Temperatur in verschiedenen Ländern unterschiedlich. Wenn es natürlich wäre, hätte es nur Länder mit der gleichen Temperatur wie China betroffen. Stattdessen breitet es sich auf ein Land wie die Schweiz aus, genauso wie es sich auf Wüstengebiete ausbreitet. Wenn es natürlich wäre, hätte es sich an kalten Orten ausgebreitet, wäre aber an heißen Orten gestorben. Ich habe 40 Jahre lang an Tieren und Viren geforscht. Es ist nicht natürlich. Es wird hergestellt und das Virus ist vollständig künstlich. Ich arbeite seit 4 Jahren im Wuhan-Labor in China. Ich kenne alle Mitarbeiter dieses Labors gut. Ich habe sie alle nach dem Corona-Unfall angerufen. Aber alle ihre Telefone sind seit 3 Monaten tot. Es versteht sich nun, dass alle diese Labortechniker tot sind.

Aufgrund all meiner bisherigen Kenntnisse und Forschungen kann ich dies mit 100% iger Sicherheit sagen, dass Corona nicht natürlich ist. Es kam nicht von Fledermäusen. China hat es geschafft. Wenn sich herausstellt, dass das, was ich heute sage, jetzt oder sogar nach meinem Tod falsch ist, kann die Regierung meinen Nobelpreis zurückziehen. Aber China lügt und diese Wahrheit wird eines Tages allen offenbart werden.“

Der japanische Professor für Physiologie oder Medizin…“ – schön, wenn solche Behauptungen gleich so unsicher anfangen!

Was wahr ist

Prof. Tasuku Honjo von der Kyoto University, Japan bekam tatsächlich 2018 den Medizin-Nobelpreis  für seine Entdeckung der Krebstherapie durch Hemmung der negativen Immunregulation.

Was falsch ist

Wenn es natürlich wäre, würde es sich nur in den Ländern negativ auswirken, die die gleiche Temperatur wie China haben.
[…]
Wenn es natürlich wäre, hätte es sich an kalten Orten ausgebreitet, wäre aber an heißen Orten gestorben.“

Da scheint der Ersteller jener falschen Aussage (dazu kommen wir weiter unten) ein wenig zu viel „Plague Inc.“ gespielt haben, denn dort  muss man einen Krankheitserreger tatsächlich erst auf eine Temperaturzone mutieren lassen, damit er sich ausbreiten kann.

Die Realität ist allerdings ein wenig komplizierter. So verbreitete sich das neue Coronavirus tatsächlich nicht überall gleich schnell, was aber an vielen Faktoren lag, nicht nur am vorherrschenden Klima. Influenza-Viren beispielsweise verbreiten sich bei tiefen Temperaturen am besten, was jedoch nicht bedeutet, dass man im Sommer keine Grippe bekommen haben – man bekommt sie nur weniger wahrscheinlich.

Als der Kettenbrief im April 2020 erstmal verbreitet wurde, gab es noch keine zuverlässigen Daten, wie sich das neue Coronavirus im Sommer verbreiten würde.

Mittlerweile wissen wir, dass sich das neue Coronavirus zwar, auch durch die Maßnahmen, im Sommer weniger stark verbreitete (zumindest hierzulande), die Zahlen jetzt jedoch wieder auf Rekordhöhe schossen.

Tausku Honjo kann diese Aussage unmöglich getroffen haben, da er wissen sollte, wie unberechenbar das Verhalten von Viren ist – Jene Aussage zeigt eher Computerspiel-Kenntnisse, kein reales Wissen über Viren.

„Ich arbeite seit 4 Jahren im Wuhan-Labor in China.“

Die Vita von Tasuku Honjo ist auf mehreren Seiten im Internet aufrufbar, doch nirgendwo findet man, dass er je in Wuhan oder überhaupt in China arbeitete. Seit 2005 ist er Professor in der Abteilung für Immunologie und genomische Medizin an der Universität Kyoto.

Die Aussage ist definitiv falsch. Honjo arbeitete zum größten Teil in Japan, einige Jahre auch in den USA, doch niemals in China.

Tasuko Honjo selbst widerspricht den Aussagen

In einem Statement der Kyoto University, an der Tasuko Honjo arbeitet, verurteilt er selbst diese Falschbehauptungen, die international kursieren:

Nach dem Schmerz, den wirtschaftlichen Verlusten und dem beispiellosen weltweiten Leid, das durch die COVID-19-Pandemie verursacht wurde, bin ich sehr traurig, dass mein Name und der der Universität Kyoto dazu benutzt wurden, falsche Anschuldigungen und Fehlinformationen zu verbreiten.

Dies ist eine Zeit, in der wir alle, insbesondere diejenigen unter uns, die ihre Karriere an die Spitze der wissenschaftlichen Forschung stellen, zusammenarbeiten müssen, um diesen gemeinsamen Feind zu bekämpfen. Wir können in diesem Bemühen, das Leben unserer Mitmenschen zu retten, keinen Augenblick zögern. In dieser Phase, in der all unsere Energien benötigt werden, um die Kranken zu behandeln, die weitere Ausbreitung der Trauer zu verhindern und einen Neuanfang zu planen, ist die Verbreitung grundloser Behauptungen über den Ursprung der Krankheit gefährlich ablenkend.“

Fazit

Die verbreiteten Aussagen, welche von dem Nobelpreisträger Tasuko Honjo stammen sollen, sind allesamt falsch und frei erfunden.

 Artikelbild: Von Naeblys / Shutterstock.com, Telegram Screenshot

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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