Aktuelles Ist die „Asylantenflut“ eine riesige Armee? – Wir blasen zum Zapfenstreich!

Ist die „Asylantenflut“ eine riesige Armee? – Wir blasen zum Zapfenstreich!

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Ist die „Asylantenflut“ eine riesige Armee? – Wir blasen zum Zapfenstreich! Nick Knatterton kennt so mancher noch als Comic-Detektiv. Schade, dass nun eine sehr rechtspopulistische Seite sich dieses Namens bedient und unglaubliche Behauptungen aufstellt: Hinter den ganzen Flüchtlingen steckt in Wirklichkeit eine von außen gesteuerte Armee, um Europa zu destabilisieren?

Da schmettern wir mal das Horn, lassen die „Fakten“ antreten und inspizieren!

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Wie kam der Knatterton wohl auf die Idee für diesen Artikel?

Natürlich, indem er eine wahnsinnig seriöse Quelle nahm, nämlich ein Artikel von Gerhard Wisnewski für den Kopp-Verlag. Über den Kopp-Verlag haben wir schon zu Genüge berichtet, eine kleine Gedächtnis-Auffrischung findet ihr hier.

Indizien für die Armee

Vorgeplänkel:
„Mindestens 75 % der Asylanten bestehen aus Männern im Alter zwischen 20 und 35 Jahren.“

Das ist richtig. Lt. Statistik 2014 waren es sogar 77% Männer in dieser Altersgruppe.

„Es sind fast alles Muslime, nicht wenige davon radikale Islamisten, wozu auch IS-Kämpfer gehören.“

Sehr viele Muslime, ebenfalls richtig. Nun kommen wir aber schon in den Bereich der Spekulation, denn es gibt keinerlei Nachweise, wie viele radikale Islamisten geschweige denn IS-Kämpfer versuchen oder versucht haben, als Flüchtlinge nach Europa zu kommen. Hier wird zum ersten Mal in diesem Artikel mit dem Klischee „Muslime sind doch fast alle radikal“ gespielt.

„Die noch „schlafenden“ Krieger sind gut vernetzt. Dafür gibt es Smartphones teilweise kostenlos. Haben Sie sich nicht auch schon gewundert, warum die Asylies fast alle ein Smartphone besitzen?“

Wirklich? Wir sind enttäuscht, dass das Klischee noch immer als „Argument“ angeführt wird.

Zur Information: Ein Smartphone ist kein „Luxusgut“. Wie die „Süddeutsche“ berichtet, ist in Afrika und dem Nahen Osten die Verbreitung von Smartphones sehr weit fortgeschritten. Das liegt daran, dass die stationären Telefon- und Datennetze dort sehr schlecht ausgebaut sind. Viele Menschen haben dort per Mobilfunk zum ersten Mal in ihrem Leben einen Telefon- oder Internetzugang, und die Handy-Hersteller bauen sukzessive die Mobilfunknetze aus und verkaufen abgespeckte Versionen ihrer Geräte zu günstigeren Preisen.
Somit gehört das Smartphone zu den wichtigsten Gegenständen für einen Flüchtling. Um Kontakt mit der Familie und Freunde zu halten, um sich während der Flucht zu orientieren, um sich mit anderen Flüchtlingen zu verständigen, wo die nächste Etappe ist und wo man übernachten kann.

„Wer die „Willkommenskultur“ für diese Invasion kritisiert, wird kriminalisiert und ausgegrenzt als „Ausländerfeind“, „Rassist“, „Nazi“ oder als unmenschliche „Pack“. Seitens des Justizministers wird bereits mit Zensur in den sozialen Medien gedroht. (…) So einfach geht Zensur. „Hass“ ist dann alles, was nicht der politisch korrekten Willkommenskultur entspricht.“

Mimimi

Da haben wir wieder den jammernden Rechtsgeneigten, der überhaupt gar nicht verstehen kann, warum seine „Kritik“ als Hass angesehen wird, warum dann gleich „Zensur“ begangen wird.

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Quelle: mimikama.at – Ab wann gilt etwas als Hetze?

Ja. So sieht also deren „Kritik“ aus. Fundiert, vernünftig, voller guter Argumente. Nicht.

Festhalten, jetzt kommen wir zu den *kicher* Indizien:

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Zitat (auszugsweise):

„ich war letzte Woche in Regensburg und habe mich mit einem Freund und einem amerikanischen NATO-Offizier getroffen. Der hat mal aus dem Nähkästchen gesprochen. (…) Am 28. September wollen die Blackwater-Söldner LKW’s mit Waffen vor die Asylantenheim stellen und der meinte das wirklich ernst.“

Quelle ist natürlich anonym, wie immer in solchen Fällen. Weiterhin wirft das Schreiben mit schönster Polemik wie „schwer bewaffnete Horden der art- und wesensfremden Ausländer“ (klingt so, als ob das Reptiloiden wären), die „aus ihren Ghettos ausbrechen“ (wir haben Ghettos?), „millionenfache Massenvergewaltigung von deutschen Frauen und Mädchen“ begehen (es gibt keine homosexuellen Ausländer, Männer sind also sicher) und aus den Deutschen „Döner- und Hackfleisch machen“ (Mist, Männer sind vielleicht doch dran!), um ihren Hunger zu stillen.

Blackwater-Söldner?

Ja, so steht es da. Blackwater-Söldner bewaffnen die Flüchtlinge. Gibt’s die wirklich? Ja, die gab es.

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Bildquelle: Wikipedia

Gab es??
Ja, denn Blackwater, ein 1997 von einem Ex-Navy Seal gegründetes privates Sicherheits- und Militärunternehmen hieß nur bis 2007 so. Danach hieß es „Blackwater USA“, „Blackwater Worldwide“ und „Xe Services LLC“, seit 2014 ist es Teil der „Constellis Holdings“ und heißt „Academi“

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Quelle: Wikipedia

Uns überrascht es doch wirklich, dass ein NATO-Offizier, der zudem noch so gut informiert ist, dass er „aus dem Nähkästchen“ plaudern kann (und zwar mit einem Zivilisten), nicht mal weiß, dass es gar keine Blackwater-Söldner mehr gibt!
Nach diversen Skandalen in den Jahren 2003 – 2009, in denen Blackwater insgesamt 288 Verstöße gegen US-Gesetze nachgewiesen wurden, kündigte die CIA, deren Hauptauftragsgeber mit Billigung der US-Regierung, die Zusammenarbeit mit Blackwater. Seitdem möchte sich keine Regierung mehr die Finger an der „Academi“ verbrennen, als privates Sicherheitsunternehmen sind sie jedoch weiterhin sehr erfolgreich.

„Weil diese Vorgänge im Geheimen initiiert werden, ist es schwer, offenkundige Beweise für die Kommandostruktur und über die Drahtzieher im Hintergrund zu bekommen.“

Das ist das Dilemma. Diese Vorgänge sind so geheim, dass man wirklich kein Fitzelchen davon findet. Außer auf Facebook anscheinend, denn Geheimnisträger haben wohl ein sehr großes Vertrauen in Verschwörungstheoretiker und erzählen ihnen alles. Zwar ohne Beweise, aber das muss man dann halt so glauben. Ansonsten ist man von den „Massenmedien“ schon indoktriniert.

„Glaubt denen nicht blind, glaubt uns blind!“, ist deren Devise. Merkste wat?

„Unsere Bundesregierung und die mit ihr gleichgeschalteten Medien gehören zu den ausführenden Organen dieses Krieges.“

Unwichtig, aber wollten wir nur zitieren, da sich unter den Kommentaren bestimmt wieder welche befinden, die sagen, dass Mimikama zu den gleichgeschalteten Medien gehört.
Ja. Ist so. Und wir werden aus der EU-Kasse gut bezahlt. Die Werbung auf der Seite haben wir eigentlich nur, um euch zu ärgern. Sorry.

Was als Nächstes folgt, ist eine anonyme Leserzuschrift von hartgeld.com, in der behauptet wird, dass jener Leser seine .223-Munition nicht mehr bekäme, weil sie in großen Massen aufgekauft werden würde. Hartgeld.com ist übrigens jene ominöse Seite, die vom „Netzplanet“ auch gerne als „seriöse Quelle“ *hihi* herangezogen wird.

War heute nochmal bei einem größeren Waffenhändler in Bayern und wollte Munition aufstocken. Leider war cal 223 in meiner bevorzugten Sorte wieder vergriffen und von anderen Munitionssorten nur mehr kleinere Mengen vorhanden. (…) Da mich der Verkäufer vorher fragte Jagd oder Sport, sagte ich dass ich die Munition nur zur Selbstverteidigung brauche und es daher nur darauf ankommt möglichst große Kugeln drin zu haben so zw. 5-7mm wäre ok. (…)

Er meinte auch es wäre was im Busch nannte das Datum um den 15. September. (…)

Die Wissenden decken sich auch bei fliegendem Blei ein. .223 ist das Nato-Kaliber.“

Was ist .223?

Die .223 Remington ist eine 5.56 x 45 mm große Munition, welche im zivilen Bereich für Jagd oder Sport vorgesehen ist, insofern macht die Frage des Waffenhändlers auch Sinn. Im zivilen Bereich ist es die kleinste auf Rehwild zugelassene Patrone, da sie gerade noch die gesetzlich vorgeschriebene Energie von 1000 J auf 100 m erreicht.

Nun fragen wir uns: Welcher Waffenhändler, der einigermaßen bei Verstand ist, verkauft einem Kunden Munition, der zugibt, damit im Notfall auf Menschen schießen zu wollen?

Und wie groß ist dessen Expertenwissen? Ja, die .223 wird auch bei der NATO verwendet, jedoch hat die NATO-Variante geänderte Wandstärken und eine stärkere Ladung, darf auch gar nicht an Zivilisten verkauft werden! Insofern scheint jener „anonyme Leser“ nur sehr wenig Ahnung von seiner Waffe zu haben… oder sein Wissen aus „Call of Duty“ zu beziehen.

Als Nächstes haben wir ein Geheimdokument, welches lt. Knatterton nicht verifiziert werden kann (wenigstens in dem Punkt ist er ehrlich), hier ein Ausschnitt:

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Jenes Dokument soll lt. „lupo cattivo“, einer Auflärungsseite, die alles zeigen soll, was man bei „Wikileaks“ nicht findet, von einem verdeckt recherchierenden Journalisten aus einem der Müllcontainer des hermetisch abgeriegelten Areal gefischt worden sein, in dem 2012 eine Bilderberger-Konferenz stattfand. Eine Abfotografie ist WikiLeaks zugespielt worden“

Bei Wikileaks findet man natürlich nichts darüber. Man mag ja von Wikileaks denken, was man möchte, aber die achten schon ein wenig mehr drauf, wie glaubhaft die Quellen sind. Insofern scheint uns „lupo cattivo“ eher der Müllverwerter von Wikileaks zu sein.

In dem Artikel geht es jetzt noch munter weiter mit hartgeld-Zuschriften und wirren Vermutungen, aber auf zumindest eine knallharte Lüge wollen wir noch eingehen:

„Hier geht es um die Waffenlieferung an „Asylanten“, in einem Container, der als „AID FOR REFUGEES“ ausgewiesen war.

Auf diesem Video sieht man, wie die „Ladung“ ausgepackt wird – Gewehre, mit Schutzhülle, z.B. Wir hatten darüber berichtet, daß am Dienstag südlich von Kreta ein Schiff aufgegriffen worden war.

Im Video wird noch nichts dazu gesagt, woher der Container genau kam, aber der Verdacht, Amerika könnte der Absender gewesen sein, wird geäußert.“

Das ist eine Behauptung, die bereits auf mehreren Seiten aufgetaucht ist. Und tatsächlich sieht man in dem Youtube-Video einen Container voller Waffen.

Also was dran?

Nix. Es geht in dem Video um eine nicht klassifizierte Waffenlieferung von der Türkei nach Lybien, welche in einem griechischen Hafen observiert wurde. In dem griechischsprachigen Artikel ist kein einziges Mal erwähnt, dass es eine Lieferung für Flüchtlinge sei, geschweige denn, dass die Lieferung für Europa bestimmt war.

Fazit:

Nick Knatterton. Der Autor ist ja eigentlich froh, dass der rechtsgeneigte Schwurbler, der jene Seite administriert, sich nicht Percy Pickwick nannte, des Autors Lieblings-Comicdetektiv.

Wir konnten jetzt nicht auf jeden einzelnen Satz und Behauptung in dem besagten Artikel eingehen, zum größten Teil sind es sowieso nur haltlose Mutmaßungen und Verschwörungstheorien. Was wir aber hoffentlich aufzeigen konnten:

Hier wird bewusst mit Lügen, Halbwahrheiten, Klischees und Polemik ein Klientel bedient, welches sich für „aufgeklärt“ hält, quasi die Intellektuellen unter den Schwurblern, die sich nicht durch plumpe „Netzplanet“-Rhetorik einwickeln lassen („Ausländer eeeey, alles scheiße“), sondern Beweise wollen, aber dabei in ihrem Wahn übersehen, dass selbst die sogenannten Beweise aus der Luft gegriffen sind.

Hinterfragt jedes Medium. Verlasst euch nicht nur auf die „Mainstream-Medien“ oder nur auf die „alternativen Medien“. Sondern informiert euch von allen Seiten. Gründlich. Dann geratet ihr auch nicht in Gefahr, einem Gedankengut aufzusitzen, welches euch vielleicht gar nicht gut tut.

Autor: Ralf, mimikama.at

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