Blogheim.at Logo
Montag, 20 September 2021
StartAktuelle Berichte von mimikamaIntensivkapazitäten werden nicht gezielt abgebaut

Bitte unterstütze uns! Werde jetzt mimikamaPLUS- Abonnent und unterstütze so unser Handeln.

Intensivkapazitäten werden nicht gezielt abgebaut

Facebook-Themen

Immer wieder wird behauptet, dass die Intensivkapazitäten trotz Corona-Pandemie abgebaut werden – doch dies entspricht nicht den Tatsachen.

Im Zusammenhang mit der Behauptung, dass Intensivkapazitäten abgebaut werden, wird häufig eine Grafik geteilt, aus der auf den ersten Blick tatsächlich hervorgeht, dass die Belegung der Intensivbetten gleichbleibend ist, während Kapazitäten abgebaut wurden.

Hier beispielsweise einer der Beiträge mit jener Grafik:

Beweist die Grafik den Abbau der Intensivkapazitäten?
Beweist die Grafik den Abbau der Intensivkapazitäten?

Die Quelle der Grafik

Diese findet sich, täglich aktualisiert, auf DIVI, dem Intensivregister des Robert Koch Instituts (siehe HIER). Die 3 Flächen zeigen jeweils die Anzahl belegter und freier, betreibbarer Intensivbetten des betrachteten Beobachtungstages sowie die inaktive Notfallreservekapazität.

Tatsächlich sieht man in der Grafik, dass die Anzahl der belegten Intensivbetten nahezu konstant bei 20.000 liegt, während die Anzahl der freien Betten und der Notfallreserve sinkt.

Ist es also dadurch tatsächlich ersichtlich, dass die Intensivkapazitäten abgebaut werden?

Der scheinbare Abbau

Im November 2020 kursierte bereits eine ähnliche Grafik, welche den Abbau der Intensivkapazitäten beweisen solle (wir berichteten HIER).

Die Rücke an der jetzigen Grafik und der Grafik vom November ist aber, dass sie zwar beide korrekt sind, jedoch nicht ersichtlich ist, wie die freien Betten in die Grafik gelangen:

Ein Bett wird nur dann als frei gemeldet, wenn die Klinik genug  Personal hat, um einen Patienten in diesem Bett auch versorgen zu können!

Und da liegt nämlich das Problem: Es gibt nicht genug Personal, weswegen auch die Anzahl der als frei gemeldeten Betten sinkt. Sehr gut sieht man das an einer anderen Grafik auf derselben Seite (siehe HIER):

Die Betriebssituation sinkt stark
Die Betriebssituation sinkt stark, Quelle: DIVI

In der Grafik erkennt man sehr gut, dass der reguläre Betrieb in den Kliniken stark absinkt, während der eingeschränkte Betrieb ansteigt. Dies ist einerseits bedingt durch krankheitsbedingte Ausfälle des Personals, andererseits bedingt durch Kündigungen wegen chronischer Überlastung und Stress.

Warum die Anzahl der belegten Betten gleich bleibt

Nun ist aber trotzdem die Schlussfolgerung, dass es ja anscheinend gar keine größere Belastung der Intensivstationen gibt, schließlich scheint ja laut der Grafik die Anzahl der belegten Intensivbetten gleich zu bleiben.

Dies ist auch richtig, wenn man die Zahlen ganz Deutschlands betrachtet, denn da gleichen sich die starken Belegungen in Ballungsgebieten mit den Unterbelegungen in ländlichen Gebieten aus.

Ihr könnt es umgekehrt mit einer Störungskarte vergleichen:
Zoomt ihr stark aus der Karte raus, sieht es so aus, als ob es in ganz Deutschland eine Störung des Internets gebe, doch zoomt ihr wieder rein, seht ihr, dass dies nur bestimmte Ballungsgebiete betrifft.

Betrachtet man nun aber mal die einzelnen Bundesländer, ist deutlich zu erkennen, dass es in manchen Bundesländern kaum noch freie Intensivbetten gibt, in anderen relativ viele:

Der Anteil der freien Betten
Der Anteil der freien Betten, Quelle: DIVI

So sind in Sachsen nur noch 9,2 Prozent der Betten frei, in Rheinland-Pfalz aber ganze 21,1 Prozent.

Ein weiterer Grund für die scheinbar konstant bleibende Anzahl der Intensivbetten ist die Regelung, dass für den Alltagsbetrieb immer eine bestimmte Menge an Intensivbetten für Notfälle frei gehalten werden muss.

Dies geschieht dann dadurch, dass beispielsweise Operationen verschoben oder Patienten in andere Krankenhäuser mit weniger Belastung verlegt werden. So ist gewährleistet, dass beispielsweise Opfer eines Verkehrsunfalles auch sofort behandelt werden können, denn die kann man nicht einfach mal in ein 50 Kilometer entferntes Krankenhaus weiterschicken.

Fazit

Die Grafik beweist keinen Abbau der Intensivkapazitäten. Wenn man eine Grafik der Seite nimmt, sollte man auch die anderen Grafiken der Seite betrachten, um ein Gesamtbild zu bekommen.

Weitere Quelle: dpa
Auch interessant:
Im Jahr 2020 wurden eine Vielzahl von Krankenhäusern geschlossen, was bei vielen die Vermutung aufkommen lässt, dass die Corona-Pandemie ja nicht so schlimm zu sein scheint. Doch das Problem liegt ganz woanders!

Wir brauchen deine Unterstützung!

Im Gegensatz zu anderen Medien haben wir bei unseren Faktenchecks keine “Paywall” eingerichtet, denn wir möchten unsere Inhalte für alle offen halten. Wenn jeder, der unsere Faktenchecks liest, dabei hilft, diese zu finanzieren, wird es Mimikama auch weiterhin geben und wir können gemeinsam gegen Fake-News vorgehen. Unterstütze uns und trage auch du dazu bei, die Zukunft von Mimikama zu sichern. Hier kannst du unterstützen: via PayPal oder Patreon. Gerne kannst Du aber auch ein mimikamaPLUS- Abonnent werden.

Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

Aktuelle Artikel

Panorama