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Nicht alles, was man im Internet liest, das muss auch stimmen. Doch um zu wissen, ob etwas stimmt, muss man einen Faktencheck ausführen. So wie zu dem folgenden Sharepic:

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Es geht um Homosexualität in Schweden und die Zeit vor 1979. Laut einem Sharepic wurde Homosexualität in Schweden vor 1979 als Krankheit gelistet. Das führte dazu, dass Schweden sich aus Protest arbeitsunfähig meldeten. Der genaue Wortlaut des Sharepics:

Homosexualität wurde 1979 in Schweden als Krankheit eingestuft. Die Schweden protestierten, in dem [sic] sie sich arbeitsunfähig meldeten. Die Begründung:

Sie fühlten sich Schwul! [sic]

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Klingt also nach einem spannenden BürgerInnenprotest. Das Sharepic tritt zudem optisch in folgender Form auf Facebook auf:

Guten Morgen..

Gepostet von Aus der Geschichte nichts gelernt? am Dienstag, 23. Juli 2019

Doch stimmt das auch?

Der Faktencheck

In Schweden galt Homosexualität bis 1944 als Verbrechen. Tatsächlich jedoch wurde sie bis 1979 in Schweden als Krankheit aufgelistet, was mehrere Quellen belegen.  Am 19. Oktober 1979 nahm die schwedische Gesundheits- und Sozialbehörde Homosexualität aus der Liste der psychischen Krankheiten.

Also müsste es zumindest auf dem Sharepic „bis“ 1979 lauten, aber wollen wir mal nicht ganz so kleinlich sein, denn das wirklich spannende ist ja die Protestmethode: Haben sich Schweden wirklich krankgemeldet und entsprechend Krankengeld bezogen?

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Tatsächlich finden sich hier und da Quellen, die von dieser Art des Protests sprechen. Beispielsweise lautet es in dem Buch „Lesereise Stockholm: Die Dancing Queen im Schärengarten“ zum Thema Homosexualität (siehe hier):

Obwohl sich mit der Achtundsechziger-Bewegung auch das schwedische Sittengemälde grundlegend änderte, wurde Homosexualität noch bis 1979 in öffentlichen Statistiken als Krankheit geführt! Erst als sich deswegen einige Schwule bei ihren Betrieben wirklich krank meldeten und Krankengeld beantragten, strich der Staat Homosexualität aus der Krankheitsliste.

Ob das letztendlich wirklich der absolute ausschlaggebende Punkt war, kann man natürlich kritisch betrachten, da es nicht weiter hinreichend belegt ist.

Besetzung eines Treppenhauses

Wesentlich häufiger findet man Berichte über andere Proteste, so wie eine Besetzung des Treppenhauses des Nationalen Gesundheits- und Sozialamts innerhalb der Gay Liberation Week 1979 in Schweden. Diese Besetzung ist auch mit Bildern dokumentiert und findet sich auf der Webseite des LGBT Magazins qx.se. Hier spricht man davon, dass die Besetzung dazu geführt habe, dass Homosexualität aus dem Register der Krankheitsdiagnosen gestrichen wurde. Dazu muss in Kombination gesehen werden, dass die Behörde mit Barbro Westerholm einen neuen liberalen Generaldirektor hatte.

Auf dem Blog von Rickard Södeberg liest man eine sehr ähnliche Beschreibung. Auch hier wurde die Besetzung des Treppenhauses als Anlass für die Gesetzesänderung beschrieben (siehe hier). Er beschreibt die Besetzung als gewaltfreien Protest am 29. August 1979, bei dem vor Ort noch der Leiter der Behörde einlenkte und somit die Weichen stellte.

Auch auf der Webseite der gemeinnützigen Organisation RFSU (Schwedische Nationale Vereinigung für sexuelle Aufklärung) liest man von der erfolgreichen Besetzung des Treppenhauses (vergleiche), ebenso auch auf der Webseite der schwedischen (Lokal-) Zeitung Allehande (siehe hier).

Der Zeitzeuge Tommy Sörstrand berichtet auch über die vielen Versuche, Homosexualität nicht mehr als Krankheit führen zu lassen und nennt schlussendlich die Besetzung der Treppenhauses in der Behörde als wichtigen Punkt (vergleiche unikaboxen.net) innerhalb der Gay Liberation Week im August 1979.

Fazit

Leider hinkt das Sharepic ein wenig. Auch wenn man die These als noch so großartig empfindet, dürfte sie nur ein kleinerer Teil des Protests gewesen sein, welcher dazu führte, dass Homosexualität in Schweden seit 1979 nicht mehr als psychische Krankheit gelistet wird.

Hinreichend belegt hingegen ist die Besetzung des Treppenhauses des Nationalen Gesundheits- und Sozialamts und der Gay Liberation Week im August 1979, so dass man hier von einem ausschlaggebenden Punkt sprechen kann.

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