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Donnerstag, 20 Januar 2022

„Mein Hausverstand sagt mir schon alles …“

Gesunder Menschenverstand, Gemeinsinn oder Hausverstand. Diese Begriffe werden oft als Referenz genannt, wenn unbekannte oder komplexe Dinge von Laien bewertet werden.

Mit den Worten „ICH KANN DAS BEURTEILEN, ICH HABE HAUSVERSTAND“ beginnt ein Posting von Markus Golla (Institutsleitung Institut für Pflegewissenschaft / Studiengangsleitung Gesundheits- & Krankenpflege). Darin beschreibt er die Problematik, wenn der gesunde Menschenverstand (Österreich: Hausverstand, da der Verfasser Österreicher ist, wird das Wort in diesem Text verwendet) als Referenz oder Qualifikation für die Bewertung komplexer Themen herangezogen wird. Golla schreibt weiter:

„Hausverstand“ Definition: Der Hausverstand ist der Verstand, den man „von Haus aus“ besitzt, das heißt also, der Verstand, der jemandem angeboren ist.
„Common Sense“: gewöhnlicher gesunder Menschenverstand oder gesundes praktisches Urteilsvermögen (Amerikanische Definition).“Common Sense“: inspiriert von oder mit gesundem praktischen Sinn (Englische Version).

Dies sind natürlich nur ein paar Definitionen, die man zu den Worten „Hausverstand“ oder „Common Sense“ findet. Es ist also praktisches Urteilsvermögen gepaart mit dem angeborenen Verstand, den wir in die (Gen-)Wiege gelegt bekommen haben. Spannend hierbei finde ich, dass immer mehr Menschen bei komplexen Diskussionen, dies als Argumentationsgrundlage nehmen.

Der Hausverstand: Beziehen wir uns hier auf ein typisches Social Media Beispiel!

Es geht um eine statische Angabe eines Molekularbiologen, der diese zur Diskussion stellt. Das Thema ist im Bereich Public Health und führt Zahlen wie Odds Ratio und Konfidenzintervalle an. Spätestens nach dem zehnten Posting gibt es ein „Alles Unsinn. Die Zahlen sind falsch. Kommt zurück in die Realität“.
Fragt man hierbei, mit welchem Bildungsbackground diese Interpretation durchgeführt wurde, ertönt das Zauberwort… „Ich habe Hausverstand, deswegen kann ich das interpretieren“.

Man ist also in der Lage, mit dem angeborenen Verstand plus einer praktischen Veranlagung statistische Zahlen, komplexe Vorgänge, die sogar auf einer Metaebene zu betrachten sind und medizinische Interpretationen mit diesem legendären zerebralen Werkzeug zu erfassen, interpretieren und argumentieren.

Ich bin entzückt. Jahrelang bin ich an Universitäten gesessen, um mir Grundlagen des statistischen/wissenschaftlichen Wissens (Ich maße mir nicht an, mit einem/einer Statistiker:in nur irgendwie mitzuhalten) anzueignen, bin mir hierbei oft wochenlang wie ein Trottel vorgekommen, weil ich erst nachlesen, üben und diskutieren musste, dann einen Fehler entdeckte und die ganze Sache von vorne beginnen durfte, nur um dann irgendwann ein Verständnis für diese komplexen Vorgänge zu haben und dann gibt es tatsächlich Leute, die kriegen das angeboren so locker flockig mit. Die gehen natürlich nicht studieren, sondern erlernen einen „normalen“ Beruf, denn wer muss schon studieren, wenn man sowieso schon nach der Geburt, alles einfach kognitiv interpretieren kann, um sich hier mit Master-, Doktorats- oder PhD Absolvent:innen zu messen.

Dieses Ding, ich meine damit den „Hausverstand“, scheint sowieso für alles eine kompetente, praktische, statistische, wissenschaftliche und wunderbare Lösung zu haben. Damit kann man nämlich logische Schlussfolgerungen ziehen, versteht Prozesse sofort und ist absolut praktisch veranlagt.

Leider haben mir den meine Eltern nicht in die Wiege gelegt, sonst hätte ich mir jahrelanges Studieren sparen können. Also ihr Personen, die sich Jahre bis Jahrzehnte an die Universität oder an eine FH setzen: Ihr verdient dasselbe Mitleid wie ich, denn ihr habt eure Lebenszeit mit etwas vergeudet (wie Bildung und evidenzbasiertes Wissen), was andere Menschen seit Geburt an mit sich führen: Den Hausverstand/Common Sense!

Ich schenke euch ein wenig meines Mitleids, das auch mir immer wieder zuteilwird.

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