Aktuelles Giftgasanschlag in Syrien – hilft die Türkei?

Giftgasanschlag in Syrien – hilft die Türkei?

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Ein Video hat in Facebook die Runde gemacht, bei dem türkische Rettungsdienste den Giftgasopfern in Syrien helfen sollen.

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Das Video zeigt tote und teils schwerstverletzte Kinder, außerdem Rettungskräfte beim Einsatz. Zu erkennen sind syrische Weißhelme, wie auch türkische Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes AFAD und des türkischen Rettungsdienstes.

In eigener Sache:
Verletzte und tote Personen ohne Unkenntlichmachung zu zeigen, ist unseres Erachtens ein klarer Verstoß gegen den Pressekodex und die Persönlichkeitsrechte der betroffenen Personen. Im Gegensatz zu anderen, auch deutschsprachigen, Medien zeigen wir deshalb hier keine Bilder von Opfern. Gleichzeitig ist leider festzustellen, dass ohne diese Bilder das öffentliche Interesse wohl nicht so groß wäre. Dies bedauern wir sehr.

Die Bilder können dabei zumindest teilweise mit dem Giftgasanschlag in der syrischen Provinz Idlib in Verbindung gebracht werden, bei dem laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte über 100 Menschen gestorben sind. Einige Elemente können nicht sicher verifiziert werden, allerdings gibt es auch keine gegenteiligen Quellen.

Es handelt sich um ein Propaganda-Video

Einzelne Fotos sind von verschiedenen Internetseiten türkischsprachiger Zeitungen entnommen, ältere Quellen gibt es nicht. Laut einer Quelle wurden sechs Personen in türkische Krankenhäuser eingeliefert, wovon eine verstarb.

Das Video trägt dabei eine klar protürkische, antieuropäische Propaganda in sich. So wird der Flüchtlingsdeal kritisiert, obwohl dieser von beiden Seiten ausgehandelt wurde und mit dem Giftgasanschlag nichts zu tun hat. Zudem wird propagiert, dass nur die Türkei helfen würde und Europa die Situation in Syrien völlig egal sei.

Das ist so definitiv falsch. Allein die Situation in türkischen Flüchtlingscamps gilt als äußert prekär, viele Kinder und Jugendlichen müssen zwangsweise arbeiten, um ausreichend Lebensmittel und Medikamente zu bekommen.

Die Quelle und das Fazit

In anderen Videos auf der deutschsprachigen, klar muslimisch und teils muslimisch-nationalistisch geprägten Facebook-Seite wird die „Einheit aller muslimischen Länder“ gefordert oder auch die Evolution mit pseudowissenschaftlichen Methoden angezweifelt. Als offen islamistisch lässt sich die Seite allerdings bei weitem nicht bezeichnen, da sie zumindest gesellschaftspolitisch eine völlig andere Auffassung beispielsweise von den Rechten der Frauen, dem Umgang mit Andersgläubigen oder der Kunstfreiheit vertritt.

Zusammenfassend: Offenbar haben türkische Kräfte wirklich Opfer des Giftgasanschlags versorgt. Bei dem Video handelt es sich aber vornehmlich um eine Propaganda-Aktion. Wer den Rettungseinsatz türkischer Kräfte befohlen hat ist im Übrigen unbekannt.

Hintergründe

Idlib ist die Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements in Syriens, knapp 50 KM südwestlich von Aleppo und 20 KM von der türkischen Grenze entfernt. Dort leben etwa 165.000 Menschen. Seit März 2015 wird die Stadt von der islamistischen Rebellenorganisation Dschaisch al-Fatah beherrscht, die sich vor allem aus der Al-Nusra-Front und den syrischen Muslimbrüdern rekrutiert.

Am 04.04. flog die syrische Luftwaffe, die vor allem von Russland gestützt wird, Angriffe auf die Stadt und setzte dabei flächendeckend Giftgas ein. Dadurch starben nach bisherigen, offiziellen Angaben mindestens 72 Menschen, darunter knapp zwei Dutzend Kinder. Mehrere hundert Personen wurden teils schwer verletzt. Andere Quellen geben die Zahl der Todesopfer mit über 100 an.

Das syrische Regime um Baschar al-Assad bestreitet die Vorwürfe. Russland-nahe Medien widersprechen sich dabei teilweise selbst: Dieselben Medien berichten einmal, dass russische Kampfjets ein Waffenlager von Terroristen bombardiert haben, wodurch das Giftgas freigesetzt wurde. Gleichzeitig wird von den selben Medien berichtet, es handele sich um eine False-Flag-Aktion der Rebellen. Diese Berichte sind allein durch ihre innere Widersprüchlichkeit mit Vorsicht zu genießen.

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