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Montag, 29 November 2021

Gesichtserkennung: Fotos sind die neuen Fingerabdrücke

In Bayern wurden vergangenes Jahr mehrere Hundert Straftäter via Gesichtserkennung identifiziert. Tendenz weiter steigend.

Gesichtserkennung: Fotos sind die neuen Fingerabdrücke – Das Wichtigste zu Beginn:

  1. Erfolge bei Identifizierung durch Gesichtserkennung steigen an
  2. Weiterentwicklung bringt bessere Erfolge
  3. Bildmaterial wird mit Straftäter-Datenbank des BKA abgeglichen

Das LKA (Landeskriminalamt) Bayern schätzt die Erfolgsrate mit Gesichtserkennungs-Programmen sogar noch höher ein, wenn man die bisherigen Möglichkeiten konsequenter ausschöpfen würde. Die Abteilung Zentrale Kriminalpolizeiliche Dienste/Cybercrime beim LKA sieht sich hier als Vorreiter.

Bernhard Egger, Leiter dieser Abteilung äußert sich dazu: „Das, was wir dürfen, nutzen wir nicht optimal aus.“

Steigende Zahl an Identifizierungen

2019 konnte die Polizei in Bayern mithilfe von Gesichtserkennungssoftware doppelt so viele Straftäter identifizieren als im Jahr davor. Eine steigende Tendenz ist klar zu erkennen. So waren es im Jahr 2010 lediglich zehn Fälle, 2018 nur 146, 2019 bereits 387 Fälle. 2020 konnte man allein im Jänner bereits 55 Identitäten feststellen.
Bernhard Egger sieht die bessere Technik dafür verantwortlich. Die Software könne nun weitaus schlechtere Fotos verarbeiten als zuvor.

Einsatzformen der Software

Das LKA nutzt diese Möglichkeit bereits seit 12 Jahren. Hier wird Bildmaterial, auf dem unbekannte mutmaßliche Täter zu erkennen sind, mit Fotos aus einer Straftäter-Datenbank des Bundeskriminalamtes (BKA) abgeglichen. Erst darf der Algorithmus arbeiten. Er misst zum Beispiel Abstände zwischen Nase und Mund und zeigt Menschen an, die dem Gesuchten entsprechen könnten. Die Bilder werden dann zur Sicherheit nochmals von Gesichtsexperten geprüft.

Egger regt weiters an, dass es immer wichtiger wird, an jedem Tatort so viele Bildspuren wie möglich zu finden. Geht es nach ihm, sollte jeder Kollege, jeder Ermittler überlegen, wo relevantes Bildmaterial sein kann.

Unterschiede tauchen laut Egger auch in den einzelnen Bundesländern auf. Das Bundeskriminalamt teilt nicht mit, wie viele Vergleichsanfragen zu Fotos an die BKA-Datenbank gestellt wurden. Laut LKA liegen die bundesweiten Zahlen immer erst zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr vor. Die Bundesregierung gibt jedoch an, dass allein die Bundespolizei im ersten Halbjahr 2019 rund 1200 Mal im BKA-Gesichtserkennungssystem nachforschte und dabei 219 Menschen identifizieren konnte.

Gesichtserkennung: Konkrete Suche bei konkretem Tatverdacht

Die umstrittene Software der Firma Clearview bindet auch Zugriff auf Soziale Netzwerke mit ein. Mit einer solchen Vorgehensweise hat die der Polizei nichts zu tun.

Datenschützer Thomas Petri hat dem LKA-Verfahren zugestimmt: „Das ist eine konkrete Datenbank, die bei einem konkreten Tatverdacht durchsucht werden kann. Das ist etwas völlig anderes als das, was in Berlin diskutiert wurde oder worum in Hamburg gestritten wird.“
Zu Bedenken, was die Privatsphäre jedes einzelnen angeht, äußert er sich: Es entspreche „aus gutem Grund der ständigen Rechtsprechung, dass so etwas wie eine flächendeckende, anlassfreie Massendatenerhebung als schwerwiegender Eingriff betrachtet wird, der im Widerspruch zu unserer Werteordnung steht.“ Es dürfe nicht sein, dass „jeder, der an einer Kamera vorbeiläuft, sich kontrolliert fühlt und auch kontrolliert fühlen muss. Wenn wir so etwas machen, ist es eine Frage der Zeit, bis wir chinesische Verhältnisse kriegen.“

Umfassende Datenbank der Polizei

Auf eine Anfrage des Innenexperten Andrej Hunko (Linke) hin veröffentlichte die Bundesregierung Ende Januar die Antwort, dass die Anzahl der Fotos in der zentralen Datenbank der Polizei in dreieinhalb Jahren um rund eine Million Fotos gestiegen ist. Demnach waren es im Mai 2016 rund 4,86 Millionen Fotos von 3,34 Millionen Menschen. Aktuell befinden sich mehr als 5,7 Millionen Bilder in der Datenbank.
Das LKA-System ist dabei leider nicht ganz fehlerfrei. So werden viele Fälle, in denen ein Verdacht sich nicht bestätigt hat, immer noch in der Kartei der Polizei geführt.

Passend zum Thema: Behörden scannen Facebook-Fotos!

Quelle: heise.de
Artikelbild: Glomex

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