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Sonntag, 25 Juli 2021
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Filmteam inszenierte keine ertrinkenden Flüchtlinge in Griechenland!

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Nicht nur aus dem Kontext gerissen, sondern dazu auch noch nicht aktuell: Das Video mit vermeintlichen Flüchtlingen im Wasser bei Kreta.

Es wird behauptet, ein Video mit Flüchtlingen im Wasser sei für Propaganda produziert worden.

Dabei wird der Eindruck erweckt, dass es sich um ein aktuelles Video aus Griechenland handelt.
Das Video stammt allerdings aus 2018 und zeigt Dreharbeiten für einen Dokumentarfilm.

Schon 2018 bekamen wir unzählige Anfragen zu einem Video, welches in sozialen Medien geteilt wurde. Damals wurde behauptet, dass eine Filmcrew ertrinkende Flüchtlinge inszenieren würde. Nun wird das Video wieder geteilt, impliziert wird, dass es sich um ein aktuelles Video handelt.

Das Video wird wieder geteilt, Quelle: Facebook
Das Video wird wieder geteilt, Quelle: Facebook

In dem Video sieht man mehrere Frauen und Kinder im flachen Wasser an der Küste, dann einen Schwenk auf eine Filmcrew.

Schon 2018 als Falschbehauptung entlarvt

Die Kollegen von Correctiv haben das Rätsel am 16.8.2018 aufgelöst:
Und zwar handelt es sich hierbei um Aufnahmen eines Dokumentarfilms!

Die Recherche von EchtJetzt bzw. Jacques Pezet ergab, dass das gezeigte Video tatsächlich auf der griechischen Insel Kreta gedreht worden war. Und zwar in Ierapetra. Auf eine Presseanfrage vom 8.8.2018 an das nahe gelegene Restaurant Levante, antwortete dieses per Facebook Messenger:

„Das Restaurant antwortete uns per Messenger, dass das Video den Dreh eines Dokumentarfilms zeige, der beim Ierapetras Dokumentarfilmfestival vorgestellt wurde. Die im Video zu sehende Kamerafrau sei die Regisseurin und Produzentin. Das Restaurant erklärte uns gegenüber auch, dass der Film von griechischen Flüchtlingen während des Griechisch-Türkischen Kriegs von 1919 bis 1922 handele.“

Das Restaurant ließ EchtJetzt den Link zu der Webseite des Dokumentarfilmfestivals von Ierapetra  zukommen. So konnte die im Film gezeigte Filmcrew identifiziert werden, die den Film  “Das Land der schmerzhaften Jungfrau Maria“ (auf Englisch „Land of the Painful Virgin Mary“) dort wirklich produzierten.

Die Szene in der Dokumentation

Bei Sekunde 7 des Trailers (großes Bild) sieht man auch die Szene aus dem verbreiteten Video (kleines Bild):

Vergleich Video und Trailer der Dokumentation
Vergleich Video und Trailer der Dokumentation

Hier könnt ihr den kompletten Trailer der Dokumentation sehen:

Nach Aussagen von EchtJetzt war Eleni Vlassi von der Nutzung der Bilder ihres Filmdrehs überrascht. In einem Statement vom 13.08.2018 erklärte sie, dass das im Internet kursierende Video den Dreh ihres Films „Land of the Painful Mary“ zeigt, dass dieses ohne ihre Erlaubnis gedreht wurde und warnt auch davor, dass sie juristische Schritte gegen alle Personen einleiten könne, die Falschmeldungen über den Dreh ihres Filmes verbreiten.

Sie betont, dass die gefilmte Szene keinerlei Bezug zu heutigen Migranten habe, sondern die Situation griechischer Flüchtlinge aus Kleinasien im Jahr 1922 thematisiere.

Ergebnis:

Auf Kreta inszenierte eine Filmcrew tatsächlich eine Filmsequenz mit Flüchtlingen im Meer. Jedoch handelt es sich hierbei nicht um die Darstellung aktueller Vorfälle mit ertrinkenden Flüchtlingen, sondern es wird die Situation griechischer Flüchtlinge aus Kleinasien im Jahr 1922 gezeigt.

Wer das Video also ohne das Hintergrundwissen, dass es sich um Aufnahmen zu einem Dokumentarfilm handelt, verbreitet, generiert Falschnachrichten!
Wer die Quelle weglässt, bietet Raum für Interpretation, die natürlich auch in der Behauptung münden kann, dass so Fake News für „Systemmedien“ hergestellt würden.


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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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