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FGM: Weibliche Genitalverstümmelung

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Eine neue Studie der Weltgesundheitsorgansiation (WHO) hat ergeben, dass jedes Jahr fast 1,4 Mrd. Dollar für die Heilung bzw. Behandlung der Folgen von FGM (Female Gential Mutilation) aufgebracht werden müssen.

Das Wichtigste über dieWeibliche Genitalverstümmelung – FGM in Kürze:

  • Viele Frauen von destruktivem Eingriff betroffen
  • Folgen katastrophal
  • Anlass ist Mischung aus Tradition, Riten, Mythen und archaischen Konventionen
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Trotz größerer Bekanntheit des Phänomens sind laut einer Schätzung nach wie vor über 200 Millionen Mädchen und Frauen von der grausamen, menschenverachtenden Praxis betroffen.

Vor allem seit der Geschichte von Waris Dirie und dem 2009 erschienen Film „Wüstenblume“, in welcher das Leben des österreichischen Models näher beleuchtet wird. Warris wurde in Somalia geboren und dort ebenfalls der lebensgefährlichen Praxis unterzogen.

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Was ist FGM?

Female Genital Mutilation bezeichnet den destruktiven Eingriff, bei dem weibliche Geschlechtsteile teilweise oder vollständig entfernt bzw. verletzt werden. Unterschieden wird dabei in drei Typen.

Typ 1 ist das Ausschneiden der Klitoris, Typ 2 das Ausschneiden der Klitoris und der inneren Schamlippen und Typ 3 das Ausschneiden der gesamten äußeren Geschlechtsteile und anschließende Zusammennähen. Dadurch verbleibt im schlimmsten Falle lediglich ein winziges Loch in Größe eines Streichholzes zum Urinieren.

Die schlimmste Prozedur umfasst Typ 4, bei der zusätzlich ätzende Substanzen eingeführt werden, um die Vagina weiter zu verengen. Opfer des grausamen Praxis sind vermehrt Säuglinge bzw. sehr junge Mädchen, Regel ist, dass der Eingriff vor der Pubertät stattfinden muss.

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Die Praxis wird von sogenannten „Beschneiderinnen“ durchgeführt, die über keine oder höchstens rudimentäre medizinische Kenntnisse verfügen. Die Praxis wird in den häufigsten Fällen von Laien durchgeführt, wobei die Schnitte mittels Rasierklingen, Scheren oder Glassscherben durchgeführt werden, also Werkzeugen die in keinster Weise für medizinische Zwecke verwendet werden dürfen. Auch mangelnde Hygiene durch Desinfektion oder Verstümmelung an schmutzigen Orten führen zu zahlreichen Komplikationen.

Die Folgen sind katastrophal und reichen von lebenslangen seelischen und körperlichen Schmerzen, bis hin zu akkuten Infektionen und tödlichen Operationsverläufen.

Jede dritte Frau, die Opfer weiblicher Genitalverstümmelung wird stirbt an den kurz- oder langfristigen Folgen.

Wo wird FGM durchgeführt?

Die Regionen, in denen FGM angewendet werden befinden sich üblicherweise in Afrika, dem Nahen Osten und Südostasien. Allerdings wurden auch Fälle von Einwanderern in westlichen Staaten bekannt.
Jährlich werden ca. 3 Mio. Mädchen Opfer der grausamen Praxis. Allein in Europa leben ca. 1 Mio. Frauen, welche Opfer von FGM geworden sind.
Laut einer Schätzung der Frauenrechtsorganisation Terre de Femmes sind akkut 17.700 Minderjährige in Deutschland von weiblicher Gentialverstümmelung bedroht.

Vor allem durch die Flüchtlingskrise sind die Behandlungen der Folgen von FGM in europäischen Krankenhäusern vermehrt durchgeführt worden.
Die Ärztin Dr. Cornelia Strunz operiert in ihrer Praxis in Berlin jeden Mittwoch Opfer von FGM, terminologisch wird der Eingriff Deinfibulation genannt. (näheres HIER). Das besondere Merkmal der Behandlung ist, dass sie entweder von der Krankenkasse übernommen wird oder bei Nichtversicherten durch Spendengelder finanziert wird.

Warum existiert diese „Tradition“?

Der Eingriff erfolgt in den meisten Fällen aus gesellschaftlichem Druck, einer Mischung aus Tradition, Riten, Mythen und archaischen Konventionen. Der Frau wird mittels der Beschneidung die weibliche Lust geraubt, sie ist in der Folge nicht in der Lage sexuelle Empfindungen, geschweige denn einen Orgasmus zu erleben. Das Zunähen „bewahrt“ die Frau für die Hochzeit auf und verhindert jeglichen vorherigen sexuellen Verkehr. „Höhepunkt“ der Praxis ist das Durchstoßen der zugenähten Vagina durch den Ehemann in der Hochzeitsnacht, in den „milderen“ Fällen mittels Rasierklinge oder Kuhhorn oder in den drastischen Fällen mittels seines Penises.

Es symbolisiert quasi die Inbesitznahme der Frau durch den Ehemann und ist in diesem Zusammenhang die menschenverachtende Auswirkung eines zurückgebliebenen Patriachats.
An dieser Stelle muss auch festgehalten werden, dass FGM nicht unmittelbar mit einer Religion zusammenhängt, der Großteil der muslimischen Gemeinschaft lehnen die Praxis ab, ebenso wie das Christentum und Judentum.

Was kann unternommen werden?

Ein großer Schritt gegen FGM ist nur mittels Aufklärung und gesetzlichen Verboten möglich.
Auch die Rolle und der Wert der Frau in den betroffenen Regionen muss gestärkt werden, ebenso wie das Selbstverständnis der Frau und ihr Recht auf Sexualität und Lustgewinn.

Da es vor allem Frauen sind, die die Verstümmelung durchführen, kann der Teufelskreis auch an dieser Stelle durchbrochen werden.
In Europa wird mit einer Gefährdung einer FGM nicht immer souverän umgegangen und bedarf weiterer Aufklärung. Das Ziel der Vereinten Nationen ist es als Ziel der nachhaltigen Entwicklung FGM bis 2030 zu eliminieren. Dazu gehört vor allem die Stärkung und Weiterentwicklung der betroffenen Regionen, um der menschenverachtenden Praxis Einhalt zu gebieten.

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via

Autor: Alexander Herberstein; Artikelbild FGM von Marina Kap / Shutterstock.com
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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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