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So viele Fake-News … also im Internet. Es gibt sie auch woanders, in manchen Büchern, in manchen Doku-Filmen, vielleicht auch im Fernsehen? In wissenschaftlichen Veröffentlichungen? Meistens denken wir ans Internet, wenn wir „Fake-News“ hören. Ich möchte alle Medien betrachten. Deshalb schreibe ich von Falschmeldungen.

-Autor: Niels Detloff-
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Meistens wird die Frage gestellt, wie man Falschmeldungen bzw. Fake-News erkennen kann. Denn man erfährt, dass Falschmeldungen gefährlich wären – sie würden die Menschen manipulieren.1) Aber sind wirklich alle Falschmeldungen gefährlich? Gibt es Meldungen, die nicht wirklich falsch sind, aber die Menschen dennoch manipulieren?

Zunächst mal: Was sind eigentlich Falschmeldungen, und warum gibt es sie überhaupt?

Es gibt zwei Ursachen für Falschmeldungen. Zum einen ist es ein Mensch, der am Werk ist. Zum anderen wird nicht jede Falschmeldung korrigiert. Warum und wann Falschmeldungen nicht korrigiert werden, soll an dieser Stelle nicht thematisiert werden. Dafür möchte ich den Menschen in den Fokus rücken, der die Falschmeldung verfasst hat.

Warum macht der Mensch Fehler?

Es gibt Fehler, die machen Menschen zufällig, weil sie eben keine perfekten Maschinen sind. Sie verwechseln Namen, sie tippen eine Null zu viel – das passiert. So ein Fehler ist ärgerlich, weil offensichtlich nicht sorgfältig gegengelesen wurde und auch eine Null sehr relevant sein kann … aber es ist verzeihlich. Findet man einen solchen Fehler, kann man sich dafür auf die Schulter klopfen, aber das allein ist nicht unbedingt ein Grund, der Quelle generell zu misstrauen.

Es gibt Fehler, die machen Menschen aufgrund fehlender Kompetenz. Sie übersetzen falsch aus der englischen Quelle, sie kennen sich mit dem Thema nicht genug aus, über das sie schreiben müssen … das ist dann noch etwas ärgerlicher. Für die Gesellschaft gefährlich ist all das aber nicht. Niemand überfällt eine Pizzeria aufgrund eines Tippfehlers, niemand wählt einen Populisten aufgrund eines Übersetzungsfehlers. Solche Fehler sind keine Quelle von Hass, denn sie beeinflussen den Konsumenten nicht in immer dieselbe Richtung, sprich sie manipulieren nicht.

Ein Beispiel aus der ARTE-Doku „Mit offenen Karten – Eisenbahn – Verkehrsmittel der Zukunft“: Der Bahnhof Duisburg wird mit „Köln“, der Bahnhof Mannheim mit „Stuttgart“ bezeichnet - eine nicht-manipulative Falschmeldung
Ein Beispiel aus der ARTE-Doku „Mit offenen Karten – Eisenbahn – Verkehrsmittel der Zukunft“: Der Bahnhof Duisburg wird mit „Köln“, der Bahnhof Mannheim mit „Stuttgart“ bezeichnet – eine nicht-manipulative Falschmeldung

Es gibt aber auch Fehler, die machen Menschen unbewusst (manchmal auch bewusst!), weil sie Bedürfnisse haben. Menschen haben das Bedürfnis nach Sinn, nach Hoffnung, nach Gemeinschaft, nach Sicherheit, nach Schönheit, nach Anerkennung … und wenn ein Mensch einen Satz schreibt, dann tut er das selten weil der Satz stimmt, sondern meist weil er mit dem Satz etwas bezwecken will.

Er möchte vielleicht die Leser zum Nachdenken oder Handeln anregen, oder einen Journalistenpreis gewinnen, oder ein stimmiges Weltbild konstruieren, oder Bücher verkaufen oder zitiert werden oder Likes bekommen. Das können sehr starke Antriebe sein, die bewirken, dass der Mensch Fehler macht oder zufällige Fehler übersieht, die zur Erreichung seines Ziels günstig sind. Und genau hier wird’s gefährlich, denn diese Fehler wirken immer in dieselbe Richtung, in die der Bedürfnisse des Autors, sprich diese Fehler manipulieren den Konsumenten … und genau das wird ja eigentlich auch bezweckt.2)

Wenn beispielsweise ein Wutbürger liest „Dunkelhäutiger belästigt in München mehrere Mädchen“, dann kann es sein, dass er seinen Freunden schreibt „Schon wieder hat sich ein Asylant an deutschen Mädchen vergriffen“ … obwohl es auch sein kann, dass der Dunkelhäutige Deutscher ist und die Mädchen Asylbewerberinnen.

Er hat also eine Falschmeldung in die Welt gesetzt, weil er einerseits eine gewisse Voreinstellung hat, die seine Wahrnehmung beeinflusst hat, aber andererseits auch weil er seine Freunde für eine Abschottungspolitik mobilisieren will. Und wenn seine Freunde mehrere Nachrichten von ihm bekommen, dann ist es wahrscheinlich, dass die weiteren Nachrichten ebenfalls in einer Weise falsch sind, die dazu geeignet ist, sie gegen Flüchtlinge aufzuwiegeln. Das macht diese Art von Fehler gefährlich.

Genauso können solche Fehler natürlich auch anderen Menschen passieren, denen ein Thema ganz besonders wichtig ist, ob das jetzt Tierschützer, Globalisierungs- oder Impfgegner sind. Oder Gastautoren bei mimikama.

Man könnte meinen, das Verfassen einer Falschmeldung wie eben beschrieben wäre nicht möglich, wenn man die Lesekompetenz eines 10-jährigen besäße. Das wäre ein Trugschluss. Man sollte sich keinesfalls einbilden, dass Intelligenz oder akademische Grade davor schützen, im Eifer der Leidenschaft die dümmstmöglichen Fehler zu begehen. Selbst ein René Descartes, der sich ein Leben lang auf höchstem Niveau mit der Frage beschäftigt hat, was man sicher als wahr erkennen könne, hat sieben Stoßgesetze veröffentlicht, von denen sechs von jedem Sekundarschüler als falsch erkannt werden können.3) Genauso veröffentlichen derzeit Mediziner reihenweise hanebüchene YouTube-Videos zu Corona.

Und solche Fehler passieren auch Menschen, die in jeder Hinsicht völlig normal sind, denn auch im Mainstream hegt man ein bestimmtes Weltbild, das man so verteidigen möchte. Wenn ein Journalist einer Mainstream-Tageszeitung zum Beispiel zur Eroberung Mossuls durch die USA und Verbündete „Die Befreiung Mossuls steht bevor“ und „Wir haben mehr als 1000 Terroristen getötet“ schreibt und mehr oder weniger gleichzeitig zur Eroberung Aleppos durch die Russen und die syrischen Regierungstruppen „Aleppo, Chiffre für moralisches Totalversagen“ und „Der Untergang von Aleppo“ schreibt, dann sind diese Überschriften jeweils für sich alle nicht falsch, aber insgesamt wird dann doch offensichtlich, dass der Mechanismus derselbe wie beim Wutbürger ist.4)

Der Mainstream-Journalist hat genauso eine gewisse Voreinstellung, hier gegenüber den USA und Russland. Und er möchte die stattfindenden Ereignisse in einer Weise präsentieren, die seine oder die allgemeine Weltsicht stützt … je nachdem ob er mehr ein Bedürfnis nach Gemeinschaft 5) oder nach Wirksamkeit verspürt.

Im Ergebnis bekommt der deutsche Massenmedien-Konsument immer wieder diese eingeschränkte deutsche Sicht der Dinge präsentiert, die ihn dazu verleitet, das vermittelte Weltbild zu übernehmen. Ist das gefährlich? Die militärischen Aktivitäten der Verbündeten zu loben und die gleichen Aktivitäten des erklärten Feindes zu verurteilen fördert sicher nicht die Völkerverständigung, sondern zementiert ein „Wir sind die Guten, unsere Feinde sind die Bösen“-Denken und begünstigt so weitere kriegerische Aktivitäten.

Letztlich kann ich aber nicht entscheiden, welches Weltbild gut/richtig ist und welches schlecht/falsch, sprich in welche Richtung man die Menschen manipulieren darf. Ich möchte unterscheiden zwischen Nachrichten, die die Realität neutral abbilden, so wie es Wikipedia-Artikel beispielsweise meistens tun, und Nachrichten, die dies nicht tun und dadurch den Konsumenten langfristig in irgendeine Richtung manipulieren.

Claus Kleber vom heute-journal würde wahrscheinlich einwenden, dass viele Nachrichtenkonsumenten wollen, dass die Nachrichten eingeordnet werden … sprich dass die Redaktion die Nachrichten interpretiert und ihre Meinung in die Sendung einfließen lässt. Allerdings sollte dem Konsumenten doch immer klar sein, wann er genau eine bestenfalls neutrale Nachricht und wann eine Meinung dazu präsentiert bekommt. Sicher ist es sehr schwer bis unmöglich neutral=manipulationsfrei zu berichten, da schon die Nachrichtenauswahl eine Interpretation beinhaltet … genau deswegen gibt es weise Menschen, die sich nebenher beispielsweise auch anhand des Guardian und der Washington Post informieren. So entgeht man der einseitigen Manipulation durch die deutsche Sicht der hiesigen Medien.

Ganz allein auf die Masse unterschiedlicher Medien zu setzen, um der Manipulation zu entgehen, ist allerdings zeitaufwändig und … unbefriedigend. Man möchte doch wissen, welchen Nachrichten man vertrauen kann und welchen nicht. Allerdings, wenn selbst ein René Descartes nicht in der Lage war, falsch von richtig zu unterscheiden, wie kann ich behaupten, ich könnte das? Sicher ist es sehr oft einfach möglich, Fake-News zu entlarven. Aber ist das immer möglich? Beim Wutbürger-Beispiel ist es echt nicht schwierig, sich die ursprüngliche Quelle selbst anzuschauen und zu vergleichen, ob der Inhalt ohne Verzerrung wiedergegeben wurde. Beim Aleppo-Mossul-Beispiel ist einfach ersichtlich, dass es quasi unmöglich ist, anhand eines Artikels festzustellen, ob man als Konsument manipuliert wird. Oft stoße ich auch auf Fehler, wo es einfach etwas Wissen braucht, um sie als Fehler zu erkennen, beispielsweise bei folgendem Satz: >>Die Letalitätsrate gibt an, welcher Anteil der positiv getesteten Menschen stirbt.<< 6)
Um zu erkennen, dass dieser Satz falsch ist, muss man wissen, dass die Letalitätsrate angibt, welcher Anteil der erkrankten Menschen stirbt, was bei Covid-19 einen großen Unterschied ausmacht. Weiß man das nicht, treibt man normalerweise nicht den Aufwand, so eine Aussage zu überprüfen und vertraut auf dessen Richtigkeit. Und da man nicht von allem Ahnung haben kann, muss man in den Bereichen, in denen man sich nicht auskennt, damit rechnen, sich unbewusst fehlzuinformieren.

Was also tun, wenn man nicht alle Nachrichten selbst prüfen kann und das einem niemand abnimmt? Es führt kein Weg daran vorbei: Man muss herausfinden, welchem Medium man wie gut vertrauen kann. Wo tauchen wie viele Falschmeldungen auf, wo wird man leicht manipuliert? Wie stehen unsere Mainstream-Tageszeitungen und Mainstream-TV-Sender da im Vergleich zu Facebook und Twitter? Wie vertrauenswürdig sind Bücher und Doku-Filme? Kann man wissenschaftlichen Veröffentlichungen trauen? Um diesen Vergleich soll es im nächsten Artikel gehen.

Niels Detloff beschäftigt sich seit Jahren mit Falschmeldungen und bietet workshops an zum Thema „Kritischer Umgang mit Information aus Medien“. http://www.sichelschmiede.org/seminare/kumiam

  1.  https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/das-junge-politik-lexikon/239951/fake-news
  2. Ist jemandem aufgefallen, dass ich kein Grundbedürfnis nach Wahrheit erwähnt habe? Ich vermute, ein solches Grundbedürfnis gibt es nicht.
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes#Bewegungslehre 
  4. https://propagandaschau.files.wordpress.com/2018/02/joachimguilliard_mossul_aleppo1385.png
    Diese Überschriften stammen tatsächlich nicht von immer demselben Journalisten, dies ist für den Nachrichtenkonsumenten zur Bewertung des Mediums „klassisches Mainstream-Medium“ allerdings irrelevant.
  5. Über die Macht des Bedürfnisses nach Gemeinschaft gibt es genauso interessante wie lustige Videos, beispielsweise https://www.youtube.com/watch?v=o8BkzvP19v4
    Mehr Information zum sozialen Einfluss auf den Einzelnen: https://de.wikipedia.org/wiki/Muzafer_Sherif
  6. Leider hinter Bezahlschranke: https://krautreporter.de/3318-welchen-corona-statistiken-du-trauen-kannst-und-welche-du-ignorieren-solltest
Artikelbild: The Pied Piper of Hamelin / 1888
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