Blogheim.at Logo
Freitag, 28 Januar 2022

Falsche Eier aus China

Sind Fake-Eier aus China der nächste Lebensmittelskandal? Was zeigt dieses Video tatsächlich?

Einige Nutzer haben unsere Hilfe bezüglich eines Videos gesucht, das auf Facebook kursiert. Hier sieht man die “Produktion” von gefälschten Eiern, darunter ein Kommentar “I see why so many People getting sick”. (“Ich verstehe, warum so viele Leute krank werden” *Übersetzung der Redaktion)

Es geht um diesen Statusbeitrag:

image

Die Angst, dass diese “Fake-Eier” womöglich auch in Deutschland als Hühnerei verkauft werden, beunruhigt viele.

China ist dafür bekannt, “gefälschte” Ware herzustellen. Abgesehen von Jacken, Hosen und Schuhen sind jedoch Lebensmittelskandale wie zum Beispiel gepanschte Babynahrung oder als Lammfleisch verkauftes Ratten- und Fuchsfleisch äußerst beängstigend. Tauchen dann noch Videos auf, die die Herstellung von “Fake-Eiern” zeigen, ist es nachvollziehbar, dass man sofort Schlagzeilen verschiedener Skandale im Kopf hat.

Aber müssen wir nun wirklich Angst haben, Eier zu kaufen, die nicht von Hühnern produziert wurden?

Nein. Denn auch wenn Deutschland Lebensmittel aus China bezieht (wie zum Beispiel Knoblauch), gehören Hühnereier primär nicht dazu:

Traditionsgemäß gelangen die meisten Eier aus den Niederlanden nach Deutschland, im Berichtszeitraum waren es knapp 70 % der gesamten Einfuhren von Schaleneiern. Damit haben die Niederlande leicht an Bedeutung verloren. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres kamen noch 76 % der Schaleneier von dort. Zweitwichtigster Lieferant bleibt Polen mit 9,4 % der Importe (Vorjahr 9,6 %). Deutlich zugelegt haben die Importe aus Frankreich. Die Lieferungen von dort erreichten im Berichtszeitraum 7,6 % des Importvolumens (Vorjahr 3,0 %). Mit 274 Mio. Eiern bezog Deutschland dreimal so viele Eier aus Frankreich wie von Januar bis Juli 2013. Lieferungen aus Drittländern spielen keine Rolle.
agrarheute Stand 2014

Der Importbedarf wird primär durch niederländische Eier gedeckt. Polen ist inzwischen zweitwichtigster Lieferant. 2015 stiegen die Importe von Konsumeiern (inkl. Eiprodukte umgerechnet in Schaleneiäquivalente) um 3,1 %, auf 9,454 Mrd. Eier.
Topagrar Stand 2016

Zum anderen lässt sich China immer wieder neue Dessert- und Süßigkeitenideen einfallen. Auch gern unter Einsatz von Chemie.

Doch seit mindestens 2011 werden immer wieder Gerüchte von gefälschten Eiern im Sinne eines Lebensmittelskandals in Medienberichten erwähnt. Wie zum Beispiel in der New York Times vom Mai 2011:

Even eggs, seemingly sacrosanct in their shells, have turned out not to be eggs at all but man-made concoctions of chemicals, gelatin and paraffin. Instructions can be purchased online, the Chinese media reported.

oder hier:

Other food safety scandals in recent years include reports of glow-in-the-dark pork, exploding watermelons, cadmium-laced rice, fake eggs, salmonella-tainted seafood, carcinogenic recycled cooking oil and pesticide-soaked fruit.
The Guardian (Mai 2013)

Recherchiert man, findet man sogar Videos von Privatpersonen, die vor solchen gefälschten Eier warnen. Rein aus Chemikalien gemacht, findet man sogar ganze “Anleitungen” zur Herstellung bzw. Tipps, wie man solche Eier enttarnen kann.

Ob diese chemisch hergestellten Eier tatsächlich in China unter normale Hühnereier gemischt werden, um Profit zu machen, konnte leider bis heute offiziell nicht bestätigt werden. Bis auf Erwähnungen und interne Warnungen lässt sich kein “offizieller Skandal” bestätigen.

Mit den oben im Video gezeigten Eiern haben diese jedoch trotzdem kaum etwas gemein, denn diese sehen 1:1 nach so genannten “Slime-Eggs” aus, die es in Korea gibt und die auch gern in Indonesien gekauft werden – und als Spielzeug dienen und nicht für den Verzehr gedacht sind.

Quelle: dhgate

Indonesien selbst verfasste bereits eine Analyse zu dem Gerücht der gefälschten Eier und sieht man sich das Produkt oben an und diese Eier, so lässt sich eine Ähnlichkeit der Verpackung sowie des Inhalts nicht leugnen.

Ergebnis:

Der Text des Statusbeitrags impliziert, dass diese Eier am Ende verzehrt werden. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass es sich hier um die Produktion von “Slime Eggs” handelt. Einem Spielzeug, ähnlich dem auch hierzulande bekannten Slimy, das nicht zum Verzehr geeignet ist!

Dennoch werden in China viele Süßigkeiten und Desserts in eine solche Form gebracht. Aber auch Gerüchte von tatsächlich gefälschten Eiern, die zum Verzehr bestimmt sind, gibt es seit Jahren. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass gefälschte Eier in China im Umlauf sind.

Hierzulande braucht man sich jedoch nicht vor diesen Chemie-Eiern fürchten, da Deutschland seine Eier hauptsächlich auf den Niederlanden, Polen und Frankreich bezieht. Der Verbraucher ist hier ebenfalls durch die Importverordnung der EU geschützt. Wer es aber ganz genau wissen möchte, kann die Kennzeichnung der Eier bis ins Detail zurückverfolgen, um so auf Nummer sicher zu gehen.

Autoren: Sven O. und Kathrin H. – mimikama.at

Unterstützen

Unabhängige Faktenchecks und Recherchen sind wichtig und richtig. Sie fördern Medienkompetenz und Bildung. 

Ein unabhängiges und für jeden frei zugängliches Informationsmedium ist in Zeiten von Fakenews, aber auch Message Control besonders wichtig. Wir sind seit 2011 bestrebt, allen Internetnutzern stets hochwertige Faktenchecks zu bieten.  Dies soll es auch langfristig bleiben. Dafür brauchen wir jetzt Deine Unterstützung! Überhaupt jetzt, denn wir verzichten ab sofort auf lästige Werbebanner, denn wir wollen nicht länger Sklaven der Werbeindustrie sein und diesen Zustand möchten wir bewusst aufrechterhalten. Dafür gibt es einen guten Grund. Dieser Grund nennt sich: Unabhängigkeit.


Exklusive Inhalte! Werde jetzt mimikamaPLUS- Abonnent und unterstütze so unser Handeln. Zusätzlich erhältst du exklusive Inhalte und die gesamte Webseite werbefrei.

Aktuelle Artikel

Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.