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Montag, 24 Januar 2022

Faktencheck: „PCR-Test endet tragisch: Gehirn von Frau durchbohrt“

„Corona-Tests: Eine Gefahr für das Gehirn?“ oder „PCR-Test endet tragisch: Gehirn von Frau durchbohrt“

Mit diesen tragischen Worten beginnt ein Facebookbeitrag, zu dem wir unzählige Anfragen erhielten! Der Artikel selbst beginnt dann mit den Worten „Niemals hätte diese Amerikanerin damit gerechnet, dass ein harmloser Corona-Test so schlimm enden kann: Doch beim PCR-Test wurde ihr Hirn durchbohrt.“

Bei diesen Worten kann einem nur ein kalter Schauer über Rücken laufen. Da wir dieses Thema bereits in einer anderen Version bei uns am Tisch hatten wissen wir bereits, dass keine Hirnflüssigkeit nach einem Corona-Abstrich ausgetreten ist.

Was ist genau passiert?

Eine Frau (USA) klagte über Kopfschmerzen, metallischen Geschmack, Lichtempfindlichkeit und Nackensteifheit. Kurz vorher wurde im Zuge von OP-Vorbereitungen bei ihr ein nasaler Corona-Test durchgeführt, eine Standardprozedur vor Operationen.

Die Untersuchungen zu diesen Symptomen zeigten, dass im Nasensekret der Frau tatsächlich Hirnflüssigkeit zu finden war. Daraufhin äußerten die behandelnden Ärzte die Vermutung, dass während des Tests der Nasentupfer dafür verantwortlich war, dass ein Beutel mit Flüssigkeit beschädigt wurde.

Diese Geschichte ging weltweit viral und wurde auch dazu genutzt, um bereits bestehende (und auch falsche) Horrormeldungen um den Abstrich nochmals zu untermalen.

Der Abstrich selbst war nicht verantwortlich für den Austritt der Hirnflüssigkeit.

Die Frau hatte bereits zuvor eine sog. Enzephalozele, also eine Lücke im Schädel. Durch eine solche Lücke können Hirnteile nach außen dringen.

Die Ärzte verglichen aktuelle CT-Bilder von ihr mit Bildern aus dem Jahr 2017 und bemerkten, dass bereits 2017 eine Enzephalozele in der rechten vorderen Siebbeinhöhle zu sehen war, die seinerzeit als Nasennebenhöhlenerkrankung identifiziert wurde. Zu diesem Fall gibt es auch einen ausführlichen Bericht (siehe hier).

Screenshot: jamanetwork.com / A, Brain computed tomographic image from 2017 in the coronal and sagittal planes demonstrating encephalocele situated over the fovea ethmoidalis prior to nasopharyngeal testing for COVID-19. The arrowhead demonstrates skull base defect. B and C, High-resolution magnetic resonance imaging (T2 sequence) in the sagittal plane during hospital admission in July 2020 after development of iatrogenic CSF leak. The yellow arrowheads indicate the encephalocele.
Screenshot: jamanetwork.com / A, Brain computed tomographic image from 2017 in the coronal and sagittal planes demonstrating encephalocele situated over the fovea ethmoidalis prior to nasopharyngeal testing for COVID-19. The arrowhead demonstrates skull base defect. B and C, High-resolution magnetic resonance imaging (T2 sequence) in the sagittal plane during hospital admission in July 2020 after development of iatrogenic CSF leak. The yellow arrowheads indicate the encephalocele.

Der Riss wurde operativ wieder gerichtet.

Eine Schädigung oder Verletzung des Hirns, so wie es teilweise reißerisch in diversen Schlagzeilen proklamiert wird, hat nicht stattgefunden. Der Abstrich führte nicht zu dem Riss im Schädel, da dieser bereits vorher da war. Der Abstrich dürfte jedoch den Riss negativ beeinflusst haben.

Ferner hat man es hierbei mit einem weltweit einmaligen Fall zu tun, der bei Menschen ohne Enzephalozele nicht replizierbar sein dürfte. Ob die Frau jemals in Lebensgefahr war, geht aus dem medizinischen Bericht nicht hervor.

Die Schlussfolgerung der behandelnden Ärzte dürfte jedoch ernst zu nehmen sein: Bei Patienten mit bekannten früheren Schädelbasisdefekten sollte man alternative Methoden zum nasalen Screening in Betracht ziehen!

Passend zum Thema: Nein, Coronavirus-Abstriche zerstören nicht die Blut-Hirn-Schranke!

Artikelbild: Shutterstock / Von giuseppelombardo

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