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Faktencheck: Ist Hanf das umweltfreundlichere Holz?

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„Wir können ungefähr 4 Milliarden Bäume pro Jahr retten, wenn wir für Papier zurück zu Hanf wechseln anstatt Holz zu verwenden“.

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Diese Aussage wird in Form eines Sharepics im Moment immer wieder auf Facebook geteilt. Ist Hanf also der geheime Trumpf, den die Menschheit bisher noch nicht entdeckt hat?

Der erste Teil der Aussage, nämlich dass man 4 Milliarden Bäume pro Jahr retten kann, ist schwer nachzuprüfen, da Abholzung üblicherweise in Hektar gemessen wird und nicht in der Anzahl der gefällten Bäume. Für 2018 gibt es eine Schätzung, dass 30 Millionen Hektar abgeholzt wurden, das entspricht einer Fläche von Großbritannien und Irland zusammen. Auf den drei Podestplätzen der jährlichen Abholzung liegt Brasilien mit 4,52 Mio. Hektar, Kongo mit 1,47 Mio. Hektar und Indonesien mit 1,3 Mio. Hektar pro Jahr.

Hintergrund für die massive Abholzung ist der ansteigende Konsum von Fleisch, Soja, Palmöl, sowie die Gewinnung von Bodenschätzen. Oftmals müssen auch Waldflächen weichen, um effizienteren Nutzpflanzen wie Soja oder Mais Platz zu machen.

Natürlich ist die Zahl insofern in Relation zu setzen, als auch Bäume bzw. Wälder nachgepflanzt werden, der gesamte Nettoverlust ist im letzten Jahrzehnt zurückgegangen.

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Lag der Nettoverlust im Jahre 2000 bei 7,3 Mio. Hektar, so betrug dieser 2015 nur noch 3,3 Mio. Hektar. Problematisch ist der Ausgleich dann, wenn dieser durch Monokulturen geschieht, also mit schnellwachsenden Bäumen wie Akazien oder Eukalyptus.
2020 wird der Nettoverlust aufgrund der massiven Waldbrände massiv ansteigen.

Der zweite Teil der Aussage, nämlich dass Hanf Holz problemlos ersetzen kann, ist ebenfalls mit Vorsicht zu genießen.
Hanf kann als Ersatzprodukt für Holz verwendet werden, dies ist bereits seit dem 1. Jahrhundert bekannt. So sind die Gutenberg-Bibel und die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung auf Hanfpapier geschrieben, auch die Taue des Schiffes, mit dem Kolumbus Amerika entdeckte, wurden aus Hanf hergestellt.

Warum wird Hanf also nicht häufiger verwendet?

Hanf feiert derzeit eine neue Renaissance, allerdings mehr im gesundheitlichen Bereich, wo es als Geschmacks-, bzw. Zusatzstoff in diversen Lebensmitteln verwendet wird und auch in medizinischen Behandlungen verwendet wird. Auch deswegen haftet Hanf nach wie vor der Ruf als Kifferdroge an. In Europa sind derzeit nur 40 Sorten zugelassen, deren THC-Gehalt so niedrig ist, dass aus ihnen kein Rauschmittel gewonnen werden kann.

Blickt man auf das Potential von Hanf, so ist zu erwähnen, dass die zugehörige Pflanze mehrmals jährlich geerntet werden kann und innerhalb von wenigen Monaten meterweise in die Höhe schießen. Papier, das aus Hanf hergestellt wird, ist wesentlich widerstandsfähiger und selbst im nassen Zustand reißfest.

Wo liegt also das Problem?

Zwei wesentliche Faktoren hindern Hanf an der Übernahme in der Papierproduktion.
Einerseits ist der Anbau von Hanf nicht nachhaltiger als Holz. So erläutert die Biologin Monika Zoll, dass Hanf und Bambus in Sachen Nachhaltigkeit und Ökobilanz nicht mit Holz mithalten können, da die Anbauflächen mit denen der Nahrungsmittelindustrie konkurrieren würden.

Zur Erinnerung: Die Forderung des Sharepics lautet, dass statt Bäumen Hanf verwendet werden sollte, das heißt, dass Waldflächen nicht gerodet werden sollen und somit die einzigen verbleibenden Flächen, Anbauflächen für Lebensmittel wären.

Zudem braucht Hanf für dieselbe Menge an Fasern eine wesentlich größere Anbaufläche und muss, um industriell genutzt zu werden, mehrmals jährlich neu gepflanzt und gedüngt werden. Im Gegensatz dazu sind Bäume bzw. Wälder nach ihrer Pflanzung bis zu ihrer Abholzung autark.

Problematisch an den obigen Punkten ist auch der Preis des Endproduktes.

Nach wie vor ist die Nachpflanzung von Bäumen und die daraus gewonnenen Produkte in der industriellen Nutzung billiger als Vergleichbares aus Hanf.
Einzige Ausnahme ist hier Hanfpapier für spezielle Anlässe, das wegen seiner längeren Lebensdauer und Resistenz für Urkunden verwendet werden könnte, da diese ohnehin eine längere Lebensdauer brauchen und sich hier eine Investition in teures Hanfpapier lohnen könnte. Für alltägliches Druckerpapier im Büro ist dies kaum leistbar.

Zudem gibt es bereits Ansätze Papier umweltfreundlicher zu gestalten. So wird zunehmend Recyclingpapier verwendet, welches massiv Wasser und Energie spart. Auch die Wiederverwendung von Altpapier ist noch nicht optimiert und enthält viel Potential zur Umweltschonung.

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Zusammengefasst ist die Aussage auf dem Sharepic ambivalent.

Ja, natürlich könnte man Bäume „retten“, indem man stattdessen Hanf verwendet, allerdings ist Hanf in seiner Produktion nicht umweltschonender als Holz, da mehr Anbaufläche und Pflege durch den Menschen benötigt wird. Diese Anbaufläche ist derzeit nicht vorhanden, würde man dabei nicht auf Lebensmittelanbauflächen bzw. bestehende Waldflächen zurückgreifen, was die Aussage des Sharepics ab absurdum führen würde.

Quellen:

Darum ist Recyclingpapier wirklich öko
30 Millionen Hektar pro Jahr: Weltweite Abholzung auf Rekordniveau
Papier aus Hanf oder Holz – Ist das eine Frage
Hanf in der Papierindustrie

Autor: Alexander Herberstein
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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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