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Samstag, 4 Dezember 2021

Faktencheck zu Feuer-Video: „Flüchtlinge zünden Griechenland an“

Seit mehreren Tagen taucht auf Social Media vermehrt ein Video auf, welches Flüchtlinge in Griechenland zeigen soll, die verschiedene Feuer legen.

In diesem 1 Minute 24 Sekunden langen Video sieht man viele Menschen. Sie sind recht laut und man sieht mehrere Feuer. Zwischendurch tauchen immer wieder Personen auf, die neue Feuer legen.

Das Video trägt im Rahmen eine englische Beschriftung, im zentralen Teil wurde (nachträglich) eine deutsche Übersetzung eingefügt. Diese lautet jeweils „Refugees start fires in Greece“, bzw. „Flüchtlinge zünden auf ihrer Route Griechenland an.“

Ein ganz wichtiges Detail und auch der Schlüssel zur wahrscheinlichen Herkunft des Videos liefert ein kleiner Schriftzug im Video. Dort liest man „Diavata, Greece (04-05-19).

Screenshot Facebook
Screenshot Facebook

Diese kleine Angabe beinhaltet im Grunde alle wesentlichen Punkte für den Ansatz eines Faktenchecks. Es wird hier ein Ort (Diavata & Griechenland) eingeblendet und überdies auch ein Datum genannt. Bei dem eingeblendeten Datum handelt es sich übrigens um die amerikanische Schreibweise, also es ist NICHT der 04.05.2019, sondern der 05. April 2019.

Mit diesem Wissen und ein wenig Suchmaschinennutzung finden sich eine Menge Medienmitteilungen zu einem Ereignis in Diavata im April.

3-tägiger Aufstand

Anfang April gab es in Nordgriechenland bei Diavata heftige Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen und der Polizei. Der Anlass: Die flüchtenden Menschen sind Falschmeldungen aufgesessen, in denen behauptet wurde, die Balkanroute sei wieder frei. In einem Artikel der Zeit heißt es dazu (siehe hier):

Polizisten haben Flüchtlinge daran gehindert, zur Grenze nach Nordmazedonien zu gelangen. Zuvor hatte es Falschmeldungen gegeben, die Balkanroute sei geöffnet.

In der Folge lieferten sich die jeweiligen Gruppen schwere Auseinandersetzungen, die Sicherheitskräfte setzten dabei Rauchgranaten und Tränengas ein, Flüchtlinge nutzten Steine und Flaschen als Wurfgeschosse. Und es kamen eben auch Feuer zum Einsatz. So erfährt man aus einem Artikel der WELT zu diesem Thema (hier):

Wegen des Tränengases verloren einige Demonstranten, darunter auch Kinder, das Bewusstsein. Die Protestierenden zündeten Feuer an, um die Luft besser aushalten zu können. Zugleich brachen einige Feuer durch explodierende Blendgranaten aus.

[…]

Einige Feuer zündeten Migranten, um die Luft besser aushalten zu können. Zudem explodierten auch Blendgranaten der Polizei.

Ferner gibt es in dem Artikel der Welt auch eine entsprechende Bilderserie, in der exakt dieses Szenario dargestellt wird. Man sieht die Auseinandersetzungen, aber auch viele Rauchschwaden und eben Feuer (hier).

Nach drei Tagen endeten die Unruhen und die Lage normalisierte sich wieder. Nach Angaben von Heise wurde die Falschmeldung über die offenen Grenzen durch Regierung und auch UN-Hochkommissariat aufgeklärt und die Flüchtlinge zurück in ihre Camps gebracht (siehe hier).

Sowohl der Minister für Immigration, Dimitris Vitsas, als auch die Ministerin für Bürgerschutz betonten im Rundfunk, dass die Grenzen geschlossen bleiben.

Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge stützte diese Statements mit einer in sechs Sprachen herausgegebenen Stellungnahme. Ministerien und UN-Hochkommissariat betonten, dass nur sie wahre Meldungen zu den Grenzen herausgeben würden.

Fazit

Das Eingangs erwähnte Video dürfte durchaus den Unruhen Anfang April bei Diavata zuzuordnen sein. Was dem Video jedoch komplett fehlt, sind der Anlass und die Umstände, welche in dem Moment vorherrschten.

Warum das Video nun ausgerechnet Ende August 2019 nochmals thematisiert wird, darüber kann man nur spekulieren, da die Unruhen bereits vor 5 Monaten stattfanden und auch in den Medien recht ausführlich darüber berichtet wurde (vergleiche).

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