Aktuelles Fahndungen und Vermisstenanzeigen in sozialen Netzwerken

Fahndungen und Vermisstenanzeigen in sozialen Netzwerken

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Internetnutzer spielen gerne Ermittler und verfassen und / oder teilen immer wieder private Fahndungsaufrufe und /oder private Vermisstenanzeigen in den sozialen Medien wie Facebook, Twitter, WhatsApp und Co. Aber ist das überhaupt erlaubt?

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Ein Thema welches uns nahezu jeden Tag im Netz begegnet sind private Fahndungsaufrufe und Vermisstenanzeigen. “Die Medien und die Polizei macht dies doch auch”- das bekommt man immer wieder zu lesen und zu hören. Aber was viele nicht nicht wissen: Mit privaten Fahndungsaufrufen und Vermisstenanzeigen, egal ob in Deutschland oder Österreich, macht man sich durchaus strafbar, auch wenn diese auf den ersten Blick (subjektiv) berechtigt erscheinen.

Private Fahndungsaufrufe!

Das müsst ihr zu Fahndungsaufrufen in sozialen Medien wissen:

  • Nur Strafverfolgungsbehörden dürfen nach Personen öffentlich fahnden.
  • Auch Straftäter, ganz zu schweigen von Tatverdächtigen oder Personen, gegen die nicht einmal ermittelt wird(!), haben Persönlichkeitsrechte. Darüber kann sich niemand per eigener Meinung hinwegsetzen.
  • Diese Persönlichkeitsrechte dürfen nur unter ganz bestimmten Umständen aufgeweicht werden. Voraussetzungen, die in den deutlich seltensten Fällen greifen.
  • Auch Kinder und Jugendliche haben Persönlichkeitsrechte, die nicht durch private Fahndungen verletzt werden dürfen (Bilder angeblich gesuchter Kinder, kranke Kinder, etc.).
  • Wer Persönlichkeitsrechte Dritter verletzt, muss mit teuren Abmahnungen, Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen rechnen und erfüllt u.U. Straftatbestände.
  • In aller Deutlichkeit:  Private Fahndungsaufrufe können zu einer Strafbarkeit führen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit entstehen zumindest zivilrechtliche Ansprüche.

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Private Vermisstenanzeigen!

Das müsst ihr zu Vermisstenanzeigen in sozialen Medien wissen:

Gut gemeint ist nämlich nicht immer gut gemacht: Das Teilen privater Vermisstenaufrufe in den sozialen Netzwerken birgt einige Fallstricke, die unter Umständen für den helfenden Teiler, aber auch für den vermissten Menschen selber sehr problematisch werden können.

Ist der Aufruf echt oder ein Fake?
Diese Frage können Sie sich nicht beantworten, es sei denn, Sie kennen die Umstände des Falls und die Geschichte hinter den vermissten Menschen.
Vielleicht fallen Sie auf einen Fake hinein und verbreiten Daten eines Menschen, der entweder gar nicht vermisst wird, oder von dem es kein Einverständnis für die Veröffentlichung seines Fotos gibt.

Gefahr: Dies kann für Sie teuer werden, und Sie lernen den vermeintlich Vermissten mit Regressforderungen unter Umständen vor Gericht persönlich kennen.

Ist der Mensch aktuell noch vermisst?
Auch diese Frage können Sie sich nicht beantworten. Vielleicht denken die Urheber einer privaten Suche noch daran, auf ihrer eigenen Seite das Auffinden zu vermelden, aber Sie werden darüber nicht informiert, wenn Sie den Aufruf nicht direkt von der Ursprungsseite aus geteilt und die Seite auch abonniert haben. Sie haben also einen Beitrag geteilt, der vielleicht nicht mehr aktuell ist. Auf Ihrer Seite bleiben die persönlichen Daten des gar nicht mehr vermissten Menschen stehen, obwohl sie natürlich gelöscht werden müssten.

Gefahr: Dies kann für Sie teuer werden, und Sie lernen den vermeintlich Vermissten mit Regressforderungen unter Umständen vor Gericht persönlich kennen

Was hat das für Folgen für den vermissten Menschen?
Ein einmal ins Internet gesetztes Foto/Plakat mit Namen und persönlichen Angaben, ist nicht mehr aus der virtuellen Welt herauszuholen. Das Internet vergisst nichts!

So sieht sich ein junger Mensch, der vielleicht mal „ausgebüchst“ ist und von seinen besorgten Angehörigen verzweifelt privat im Internet gesucht wird, stets mit seiner pubertären Vergangenheit konfrontiert. Und auch zukünftige Arbeitsgeber durchforsten die sozialen Medien vor einer Einstellung und versuchen, sich Informationen über ihren neuen Azubi oder Mitarbeiter zu besorgen. Zwar ist „Weglaufen“ nicht strafbar, aber es zeigt zumindest, dass der junge Mensch irgendein Problem in seinem sozialen Umfeld hatte, weswegen er es verließ. Ob man ihm oder ihr damit wirklich einen Gefallen tut?

Daher VORSICHT beim Teilen von privaten Vermisstensuchen.

Das Teilen polizeilicher Vermisstenaufrufe ist hingegen ausdrücklich erwünscht: Die Polizei geht deswegen äußerst behutsam und nur sehr selten tatsächlich mit einer öffentlichen Fahndung auf die Suche nach vermissten Menschen. Vorher wird sorgsam abgewogen, ob die aufgezählten Nachteile einer Öffentlichkeitsfahndung hingenommen werden – eben weil die Gefahrenlage es erfordert. Und: Immer ist hier der Datenschutz gewahrt. Darum setzen wir auch keine persönlichen Daten von Gesuchten direkt auf Facebook. Sie werden bei Suchmeldungen immer von hier aus auf das Presseportal weitergeleitet. Nur hier sind die persönliche Daten und Fotos der gesuchten Menschen gespeichert. Und hier werden sie unverzüglich von der Polizei gelöscht, sobald die Gefahr gebannt ist. Teilen Sie also eine polizeiliche Fahndung, haben Sie keine Probleme, da die Polizei dafür sorgt, dass die Daten gelöscht werden. Der Link auf die Vermisstenmeldung, die Sie geteilt haben, läuft dann ins Leere. Sie haben geholfen, sind auf keinen Fake hineingefallen und sehen sich auch keinen Regressforderungen ausgesetzt.

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Grundsätzlich gilt!

Fahndungsaufrufe und Vermisstenazeigen, welche nicht von der Polizei stammen, sind strafbar und gefährlich, denn sie treffen unter Umständen auch Unbeteiligte. Verwechslungen, Ähnlichkeiten oder Boshaftigkeiten können dazu führen, dass unschuldige Personen einer Jagd unterliegen. Es spielt dabei keine Rolle, ob diese Fahndungsaufrufe aus privater Hand oder von Medien stammen: Nur Strafverfolgungsbehörden dürfen nach Personen öffentlich fahnden!

Was darf ich nun teilen?

Handelt es sich um Fahndungsaufrufe und Vermisstenanzeigen der Strafverfolgungsbehörden / der Polizei, dann kann man diese als Internetuser weiter verbreiten! Der Grund dafür ist u.a., dass die Polizei dazu angehalten ist, die Fahndungsaufrufe und Vermisstenanzeigen als Bericht auf ihrem Presseportal zu veröffentlichen. Teilt man nun diesen Bericht (Link) und ändert sich etwas an der Situation, da die Fahndung wieder aufgehoben oder die vermisste Person wieder gefunden wurde, dann wird dies direkt in dem Pressebericht bekannt gegeben!

Passend zum Thema:

Gulden Röttger Rechtsanwälte / Sind private Fahndungsaufrufe bei Facebook und im Internet legal? 

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