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Freitag, 22 Oktober 2021

Facebook-Whistleblowerin sagt vor US-Kongress aus

Die Ex-Mitarbeiterin von Facebook sagt nun sogar vor dem US-Kongress aus – und Mark Zuckerberg ist nicht glücklich darüber.

In den letzten Wochen berichteten wir mehrmals  (siehe z.B. HIER und HIER) über interne Dokumente, die das Geschäftsgebahren Facebooks offenbahren und das Unternehmen in kein gutes Licht rücken, beispielsweise werden negativ bewertete Beiträge den Nutzern absichtlich öfters gezeigt, zudem sei Instagram toxisch für junge Mädchen.

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Nun gab sich die Whistleblowerin zu erkennen: Es handelt sich um eine Ex-Mitarbeiterin namens Frances Haugen, damals tätig als Produktmanagerin, und nun interessiert sich auch der US-Kongress für ihre Behauptungen und die Dokumente.

 

Nun sagte Frances Haugen vorr einem Unterausschuss des Senats über den Umgang von Facebook mit den Daten von Kindern und anderen Nutzern aus.

Gewinne über Gesundheit

Haugen, damals als Produktmanagerin für zivilgesellschaftliche Fehlinformationen bei Facebook zuständig, bevor sie im Mai kündigte, gab an, dass Facebook seine eigenen Gewinne konsequent über die Gesundheit und Sicherheit der Nutzer stellt, was größtenteils auf das Design seiner Algorithmen zurückzuführen ist, die die Nutzer auf Beiträge mit hohem Engagement lenken, die in einigen Fällen eher schädlich sein können.

Sie beschuldigte die Führungskräfte nicht direkt, schädliche Produkte zu erschaffen, wies jedoch darauf hin, dass diese Verantwortung für die Algorithmen übernehmen müssten, welche letztendlich zu Dingen wie in einem ungesunden Körperbewusstsein bei Teenagern führe.

Als Beispiel nannte Haugen Algorithmen, die junge Nutzer, die einfach nur nach gesunden Rezepten schauen, plötzlich zu Inhalten führen, die Magersucht fördern. Als Lösung schlug sie vor, die Algorithmen dahingehend zu ändern, dass Beiträge wieder nach chronologischer Folge gezeigt werden sollen, nicht mehr nach Engagement sortiert.

„Ich habe gesehen, dass Facebook immer wieder in Konflikte zwischen seinen eigenen Gewinnen und unserer Sicherheit geriet. Facebook löste diese Konflikte stets zugunsten seiner eigenen Gewinne. Das Ergebnis war ein System, das Spaltung, Extremismus und Polarisierung verstärkt – und Gesellschaften auf der ganzen Welt untergräbt.“

so Haugen in ihrer schriftlichen Aussage.

Der Grund, warum sie im Mai kündigte und die Unterlagen veröffentlichen ließ:
Nach den US-Wahlen 2020 löste Facebook das „Team für bürgerliche Integrität“ auf, die Aufgaben sollten in anderen Bereichen integriert werden.

Doch innerhalb nur sechs Monaten wechselte ein Großteil ihrer damaligen Team-Mitarbeiter in gänzlich andere Abteilungen des Unternehmens oder kündigten – von den Bemühungen während der US-Wahl war quasi nichts mehr übrig, ihr Vertrauen in die geplanten Änderungen war verloren.

Zuckerberg ist nicht glücklich über die Vorwürfe

Auf Facebook äußerte sich CEO Mark Zuckerberg zu den Vorwürfen:

„Viele der Behauptungen ergeben keinen Sinn. Wenn wir die Forschung ignorieren wollten, warum würden wir dann überhaupt ein branchenweit führendes Forschungsprogramm ins Leben rufen, um diese wichtigen Themen zu verstehen?“

Exakt dies ist aber eines der Vorwürfe: Zuckerberg soll die Ergebnisse der Studien gekannt, aber darauf bestanden haben, dass die Algorithmen beibehalten werden.

„Das Argument, dass wir absichtlich Inhalte pushen, die die Menschen wütend machen, um Profit zu machen, ist äußerst unlogisch. Wir verdienen Geld mit Werbung, und die Werbekunden sagen uns immer wieder, dass sie ihre Werbung nicht neben schädlichen oder wütenden Inhalten sehen wollen. Und ich kenne kein technisches Unternehmen, das Produkte herstellt, die Menschen wütend oder depressiv machen. Die moralischen, geschäftlichen und produktbezogenen Anreize weisen alle in die entgegengesetzte Richtung.“

Erstaunlich ist, dass Zuckerberg erst jetzt auf die Behauptungen reagiert, welche schon vor Wochen publik wurden. Zuvor wurde darauf nicht eingegangen, stattdessen versucht, Haugen selbst zu diskreditieren, indem beispielsweise gesagt wurde, dass sie nicht einmal zwei Jahre bei Facebook gearbeitet habe und nie zu Meetings mit Top-Managern eingeladen wurde.

Doch diese Art von Kritik ging nach hinten los, wie DerStandard berichtet, da in der US-Presse der Vergleich mit der Zigarettenindustrie gezogen wurde: Auch damals wurden ehemalige Mitarbeiter, die offenlegten, dass Zigaretten sehr wohl ungesund seien und die Industrie dies auch wüsste, direkt diskreditiert, anstatt auf die Kritik selbst einzugehen.


Artikelbild: Von nikkimeel / Shutterstock.com
Weitere Quellen: CBS, TechCrunch
Weiterer Artikel von uns in dem Zusammenhang:
Die jüngste Serie von Enthüllungsberichten über Facebook geht zu großen Teilen auf eine ehemalige Mitarbeiterin zurück, die zur Whistleblowerin wurde.
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