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Mittwoch, 8 September 2021
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Die arabische Aktivistin Esra al-Ghamgam wurde (noch) nicht exekutiert

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In einem Facebook-Beitrag wird seit über einer Woche behauptet, dass die arabische Aktivistin Esra al-Ghamgam öffentlich enthauptet wurde. Es handelt sich allerdings um Fake News!

Folgender Beitrag wird fast minütlich geteilt:

Screenshot Facebook
Screenshot Facebook

Der aus dem Französischen übersetzte Beitrag:

„Saudi-Arabien hat am Morgen des 20. August in der Öffentlichkeit Esra al-Ghamgam, Militantin und Aktivisten für die Frauenrechte, enthauptet. Das absolute Schweigen der Medien, der internationalen als auch der nationalen Gemeinschaft ist ohrenbetäubend.“

Für die Eiligen:

Esra al-Ghamgam erwartet wahrscheinlich die Todesstrafe, allerdings wurde sie (noch) nicht exekutiert. Ursprung des Gerüchtes war ein altes Video.

Wer ist Esra al-Ghamgam?

Gemeinsam mit ihrem Ehemann setzt sich Esra in Saudi-Arabien seit 2011 für eine Lockerung der Scharia-Gesetze, mehr Demokratie sowie die Freilassung politischer Gefangener ein. Bei einer Hausdurchsuchung im Jahr 2015 wurde sie festgenommen und sitzt seitdem in Haft. Der Prozess gegen sie wurde für den 28. Oktober 2018 angesetzt, ihr könnte tatsächlich die Todesstrafe drohen.

Wie kam es zu dem Exekutionsgerücht?

Am 19. August 2018 berichtete die Seite „Young Journalists Club“ erstmals von der Hinrichtung. Beweis sei ein Video, welches die Enthauptung der Aktivistin zeigen soll.

Screenshot aus dem Video
Screenshot aus dem Video

Mehrere Seiten übernahmen diese Nachricht ungeprüft, bis dann schließlich am 22. August 2018 die bekanntere Seite „Fort Russ“ die Meldung übernahm.

Screenshot Facebook
Screenshot Facebook

Seit die Seite die Meldung veröffentlichte, brachten sie auch einige Updates, in denen sie selbst anzweifeln, ob die Meldung so stimme. Leider aber bleibt die Überschrift bestehen, und erfahrungsgemäß lesen nur wenige Nutzer diese Artikel auch bis zum Schluss.

Ursprung des Videos

Das angebliche Exekutionsvideo ist tatsächlich echt, allerdings stammt es aus dem Jahr 2015. Die Seite „France24“ berichtete beispielsweise über jenes Video, welches die Enthauptung von Laila Bint Abdul Muttalib Basim zeigt. Sie immigrierte aus Burma nach Saudi-Arabien und wurde exekutiert, da sie ihre 7-jährige Stieftochter sexuell mißbraucht und getötet haben soll. Sie beteuerte bis zuletzt ihre Unschuld.

Ein Wermutstropfen

Zwar wurde Esra al-Ghamgam zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht exekutiert, jedoch droht ihr leider immer noch dieses Schicksal. Die Organisation „Human Rights Watch“ weist darauf hin, dass es nur noch weniger als zwei Monate sind, bis sich das Schicksal der Aktivistin entscheiden könnte. Sie wäre, falls sie die Todesstrafe bekommt, die erste Frau, die wegen ihren friedlichen Protesten hingerichtet werden würde.

„Human rights Watch“ fordert nun die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Freilassung der Aktivistin und ihrer Mitstreiter zu fordern. Es sollte ein logischer Zug Saudi-Arabiens sein, den Forderungen nachzukommen, da das Land sich unter Kronprinz Mohammed Bin Salman schließlich derzeit bemüht, die Rechte von Frauen zu stärken, beispielsweise indem Frauen nun Autofahren dürfen.

Dann sollte die Begnadigung von Esra al-Ghamgam und den anderen inhaftierten Aktivisten der nächste wichtige und richtige Schritt sein.


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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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