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Beim Kauf von Saft oder Milch gibt’s häufig nur zwei Möglichkeiten: Mehrweg-Glas oder Getränkekarton aka Tetra-Pak*. Was ist die bessere Wahl für die Umwelt? Tobias Koch nimmt sich diesem Battle im Getränkeregal an.

DER LEBENSZYKLUS DER MEHRWEG-GLASFLASCHE

Leere Mehrweg-Glasflaschen werden in den Pfandautomaten der Supermärkte wieder zurückgenommen. Das Pfand sorgt hier für eine Rücklaufquote von 98,5%. Im Schnitt können Mehrweg-Glasflaschen 50 Mal neu befüllt werden. Das variiert aber stark je nach Getränkesorte: Das Mehrwegsystem für Wasser- und Bierflaschen ist gut ausgebaut und funktioniert gut. Es gibt auch viele lokale Abfüller. Das Mehrwegsystem für Milchflaschen hat noch nicht so viele lokale Abfüller. Hier etabliert sich das Mehrweg-System erst langsam. Deshalb schaffen Milch-Flaschen nicht so viele Umläufe wie Wasser- oder Bierflaschen und die Transportentfernungen sind im Schnitt höher.

WORAUS BESTEHT EIN GETRÄNKEKARTON?

Ein Getränkekarton sollte im Gelben Sack entsorgt werden. Denn er besteht für haltbare Produkte, wie Hafermilch oder Saft, aus fünf Schichten: Eine dicke Schicht Karton macht 70-80% des Materials aus. Dazu kommen drei Kunststoffschichten und eine Schicht Aluminium. Das sind wertvolle Rohstoffe, die recycelt werden können. Diese verschiedenen eng zusammengepressten Materialien machen den Getränkekarton aber zu einer Verbundverpackung, die im Recycling nicht einfach zu einer Materialsorte sortiert werden kann.
*Übrigens: Tetra Pak ist nur die Marke hinter vielen Getränkekartons – ähnlich wie Tempo bei Papiertaschentüchern oder Tesa für Klebestreifen.

DIE SORTIERANLAGE

Zuerst gelangt der Karton mit dem restlichen Verpackungsmüll in eine Sortieranlage. Hier müssen alle Getränkekartons von dem restlichen Verpackungsmüll getrennt werden. Das passiert in einem hochtechnisierten Verfahren, aber die Maschinen können nicht alle Kartons erkennen. By the way: Es landen nur 42% aller Getränkekartons in Deutschland überhaupt im gelben Sack. Viele Tetra Paks werden deshalb verbrannt und die Rohstoffe nicht weiter verwertet. Für die Getränkekartons, die in der Sortieranlage gesammelt werden, geht es weiter in eine Papierfabrik. Dort werden die Kartonfasern herausgezogen und zu Papier und Pappe neu verarbeitet. Das übrige Aluminium und der Kunststoff wurden vor 2021 in Zementwerken als Brennstoff verbrannt.

DIE NEUE VERWERTUNGSANLAGE FÜR ALUMINIUM UND KUNSTSTOFF

Seit 2021 gibt es in Hürth bei Köln eine Recyclinganlage, die nun auch das Aluminium und die Kunststoffanteile nach der Papierfabrik noch recyceln kann. Ausgelegt ist die Anlage für 50% aller Getränkekartons in Deutschland. Die Anlage bekommt also die Reste aus der Papierfabrik und filtert durch Einsatz von Druck und Wasser Aluminium, Kunststoffgranulat und die Kunststoffdeckel heraus. Diese werden dann als Material für andere Anwendungen wiederverwendet. In neuen Getränkekartons landet aber weder das Aluminium noch der Kunststoff. Für Getränkekartons braucht es immer wieder neue Rohstoffe.

DIE ÖKOBILANZ

Das IFEU-Institut in Heidelberg hat im Auftrag des Fachverbands Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel e.V. eine Ökobilanz erstellt, die u.a. den Getränkekarton mit der Mehrweg-Glasflasche vergleicht. Das überraschende Ergebnis: Obwohl der Getränkekarton eine Einweg-Verpackung ist, schneidet er im Vergleich zur Mehrweg-Glasflasche bei klimarelevanten Faktoren besser oder gleich gut ab. Die Deutsche Umwelthilfe zweifelt dieses Ergebnis an und findet, die errechneten Daten müssten kritisch hinterfragt werden. Hier steht am Ende Aussage gegen Aussage. Laut der Deutschen Umwelthilfe gibt es keine nachhaltigere Getränkeverpackung als die Mehrweg-Glasflasche.


Quellen & weiterführende Links:
• Ifeu (2020): Ökobilanzielle Betrachtung von Getränkeverbundkartons in Deutschland. In den Getränkesegmenten Säfte und Nektare sowie H-Milch und Frischmilch.
• FKN: Der Getränkekarton.
• Palurec GmbH: Das Palurec Verfahren.
• DUH (2020): Mehrweg- und Einwegverpackungen. Fakten zu Ökobilanzergebnissen.
• DUH (2018): Das Mehrwegsystem in Deutschland. Kreislaufwirtschaft in der Praxis.


Autorin: Hanna Meßmann
Redaktion (solisTV): Sarah Weihsweiler
Redaktion (SWR): Inga Vennemann
Bildquelle: SWR


Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)


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