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Das Europäische Parlament kommt Anfang der Woche zusammen und einer der großen Debattenpunkte ist die bereits vor 10 Jahren von der EU-Kommission angekündigte Vereinheitlichung von Ladekabeln für mobile Tech-Geräte, die jedoch durch zähe Verschleppungstaktiken, enormes Lobbying und Ausnutzen von Schlupflöchern von Apple erfolgreich verhindert wurde.

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Eigentlich sollte das Vereinheitlichen von Ladekabel, nicht nur für alle Mobiltelefone sondern auch für sonstige elektronischen Mobilgeräte wie Tablets, für den europäischen Raum keine Schwierigkeit darstellen, immerhin wäre dazu lediglich das Erlassen einer Richtline durch die EU nötig. Dennoch zieht sich die bereits für 2009 geplante Vereinheitlichung der Ladekabel über die letzten 10 Jahre hin.

Wie dringlich die Angelegenheit vor allem aus Umweltgründen ist, zeigt der Anstieg und Fluktuation von Mobilgeräten. Handys werden mitunter jährlich ausgetauscht und da selbst Einzelanbieter wie Apple innerhalb ihres Produktsortiment unterschiedliche Ladekabel verwenden, ist der Kauf eines neuen Ladekabels oftmals unvermeidlich.

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Zwar hat die Anzahl der unterschiedlichen Ladekabel seit 2009 abgenommen, zum damaligen Zeitpunkt waren es über 30, allerdings wäre die Vereinheitlichung ein weitreichender Schritt um Elektromüll zu vermeiden.
Einer Schätzung der EU – Kommission fallen nämlich jährlich mehr als 51.000 Tonnen Elektroschrott allein durch alte Ladegeräte an.

Diese enorme Menge wird einerseits durch die fehlende Vereinheitlichung, andererseits durch die teilweise geringe Belastungsschwelle und Anfälligkeit der jeweilige Ladekabel verursacht.

Ladekabel-Qual

Den EU-Abgeordneten stößt vor allem sauer auf, dass 2009 alle großen Tech-Unternehmen eine gemeinsame Absichtserklärung veröffentlichten, eine Vereinheitlichung für ihre technischen Geräte zu erarbeiten.

Doch gerade Apple hat im letzten Jahrzehnt (laut einem Bericht von netzpolitik.org) jährlich fast eine Million Euro in Lobbying investiert, um die EU-Kommission daran zu hindern, die Richtlinie für eine verpflichtende Vereinheitlichung der Ladekabel zu erlassen.

Argumentiert wird, dass diese ein Hindernis für weitere Innovation sei und zudem weiterer Elektromüll anfalle, würden alle jetztigen Ladegeräte auf einen Schlag aus dem Verkehr gezogen werden müssen. Zudem wurde das Schlupfloch genutzt, dass der Endstecker für Handys zwar unterschiedlich sei, der mitgelieferte Adapter jedoch über einen USB-Anschluss verfügt.

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Die Durchsetzung einer (wie es scheint) so simplen Regelung in Bezug auf Ladegeräte zeigt jedoch auf, dass gerade die EU-Kommission in vielen Fällen nicht derart dominant und autoritär auftritt, wie ihr von vielen Gegner vorgeworfen wird, sondern oftmals versucht über Freiwilligkeit und Empfehlungen die Wirtschaft dazu zu bewegen im Interesse der Konsumenten zu handeln.

Uneinheitlich

Das EU-Parlament sieht diese „Freiwilligkeit“ kritisch und will die EU-Kommission nunmehr dazu bewegen eine Vereinheitlichung gesetzlich festzulegen.

Der Sprecher des Europäischen Verbraucherverband BEUC Frederico Silva hat in einem Gespräch mit dem „EU-Observer“ ebenfalls dargelegt, dass eine Vereinheitlichung der Ladekabel im Sinne der europäischen Verbraucher liegt und eine derartige Angelegenheit nur über gesetzlichen Zwang zu erzielen sei.

Zusammengefasst zeigt sich an der Debatte über die Vereinheitlichung von Ladegeräten, dass die Europäische Kommission oftmals gespalten ist zwischen der Forderung mehr Angelegenheiten über gesetzliche Zwangsregelungen durchzusetzen und der Kritik, die EU würde zu stark in die Wirtschaft, Individualität und Handlungsspielräume von Wirtschaft und Mitgliedsstaaten eingreifen.
Fakt ist, dass der Elektromüll durch entsorgte Ladegeräte vermeidbar wäre, wenn mobile Tech-Geräte über dieselben Ladenanschluss verfügen würden.
Es zeigt sich jedoch auch, dass selbst bei solchen oberflächlich simplen Angelegenheit, wo Umwelt- und Konsumentenschutz auf Unternehmensinteressen treffen, ein nervenzehrendes jahrelanges Tauziehen entstehen kann.

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Autor Alexander Herberstein; Artikelbild Ladekabel von MIKHAIL GRACHIKOV / Shutterstock.com
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