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Man kann nicht nur aus einer Mücke einen Elefanten machen sondern auch aus einer Spinne.

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Sommerzeit ist Spinnenzeit und nun kursieren sie wieder in den Sozialen Netzwerken, die Gruselgeschichten vom bösen, bösen Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium). Dank des Klimawandels soll es den nun auch zunehmend in Deutschland geben und in seiner Bösartigkeit beißt er wahllos Erwachsene, Kinder und Haustiere, mit den allerschlimmsten Folgen.

Und die Geschichten werden eifrig geteilt, auch wenn sie aus dem Vorjahr stammen, so wie diese Meldung hier.

Screenshot: Facebook-Statusbeitrag / mimikama.at
Screenshot: Facebook-Statusbeitrag / mimikama.at

Mit Vogelspinnen scheint sich der Verfasser auszukennen, mit anderen Spinnen eher nicht, denn das ist kein Ammen-Donrnfinger sondern ein Großer Asseljäger (Dysdera crocata).

Auch der ist , genau wie der Ammen-Dornfinger, die Wasserspinne und die Hauswinkelspinne, eine der wenigen großen Spinnen hierzulande, die mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen theoretisch in der Lage ist, einen Menschen oder ein größeres Säugetier zu beißen, wenn sie sich bedroht fühlt.

Bild: Asseljäger / Hans Hillewaert
Bild: Asseljäger / Hans Hillewaert

Die Wahrscheinlichkeit dafür ist jedoch eher gering, weil der dort haust, wo auch Asseln leben: unter Steinen, Baumstämmen und Erdlöchern, manchmal auch in feuchten Kellern.

Tatsächliche Bedrohung

Beim Dornfinger ist sie noch geringer, weil der als Lebensraum Wiesen, Ackerbrachen oder Waldlichtungen bevorzugt und nur ganz selten in menschlichen Behausungen zu finden ist. Und da draussen lebt er nicht erst seit neuerer Zeit, Nachweise über den Ammen-Dornfinger gibt es in Südhälfte von Deutschland schon seit Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts.

Und seitdem gibt es auch immer wieder Bisse, aber die Zahlen sind überschaubar, die Folgen auch. Für das Jahr 2006 gab es laut einer Studie im American Journal of Tropical Medicine and Hygiene lediglich 12 gesicherte Bisse von Dornfingern* in ganz Europa, alle ohne ernste gesundheitliche Folgen. Verglichen damit ist es ungleich wahrscheinlicher, von einer Biene oder Wespe gestochen zu werden. Was statistisch gesehen viel gefährlicher ist, denn besonders für Allergiker kann ein Stich schnell lebensbedrohlich werden.

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Über die Gesamtzahl der Stiche dieser Hautflügler gibt es keine belastbaren Zahlen, aber im oben genannten Jahr 2006 gab es nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes allein für Deutschland 29 nachgewiesene Tote durch Bienen- und Wespenstiche (nach ICD 10 E 905.3)**, die Dunkelziffer liegt geschätzt um einiges höher.

Fazit

Alles halb so wild! Wie der Kaiman im Baggersee oder Bruno, der Problembär ist auch der böse, böse Dornfinger ein klassisches Sommerloch-Thema, bei dem die empfundene Bedrohung in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Gefahr steht.

Es stimmt, Dornfinger können Menschen beißen, der Asseljäger aus dem Facebook-Post auch, im Ernstfall sogar den Hund. Eine echte flächendeckende Bedrohung für Leib und Leben sind beide ganz sicher nicht und es gibt ungleich gefährlichere Krabbelviecher wie z.B. Wespen, Bienen oder Zecken, die den Kontakt mit dem Menschen nicht scheuen und die es saisonal in großer Zahl gibt.

Aber eklige Spinnen haben natürlich einen höheren Gruselfaktor als lästige Wespen oder nervige Zecken, also freuen wir uns auch 2020 wieder auf vermeintliche Killerspinnen, mitten in Deutschland.

Quellen: *Wikipedia, **MH-Hannover (PDF, Seite 8)
Artikelbild: Wikipedia / Rainer Altenkamp, Berlin
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