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Warum die Doktorarbeit von Drosten erst seit 2020 verfügbar ist

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Ein Widerspruch, der verwirrt: Obwohl von 2003, ist die Doktorarbeit erst seit 2020 verfügbar.

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Im Juli berichteten wir über die zu diesem Zeitpunkt angeblich nicht auffindbare Doktorarbeit des Virologen Christian Drosten. Verschwörungsmythiker folgerten daraus, dass Drosten gar keinen Doktortitel habe, demzufolge auch kein Virologe sei und somit seine Ratschläge nichts wert seien.

Dass es tausende Nicht-Virologen in sozialen Medien gibt, die deshalb glauben, alles besser zu wissen, lassen wir mal beiseite, denn in einem Punkt haben sie tatsächlich recht, und das ist etwas, was auch wir übersahen: Vor dem Juni 2020 war die Doktorarbeit tatsächlich nicht zu finden.

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Wo hatte sich die Doktorarbeit versteckt?

Mit dieser Frage beschäftigte sich der Plagiatsgutachter Doz. Dr. Stefan Weber, der über seine Suche auf seinem Blog und auf Telepolis berichtet.

So fiel ihm auf, dass die Doktorarbeit zwar nun ausleihbar sei, aber als Signatur D 126/1286 und D 126/1342 aufwies. Was wir im Juli auch nicht wussten: D126 verweist auf das laufende Jahr, der Datensatz wurde also erst 2020 angelegt und abgeändert.

Auch das PDF-File mit Titel und Inhaltsverzeichnis trägt zwar auf dem Titelbild das Jahr 2001, wurde aber erst im Juni 2020 angefertigt.

Diese Indizien sind natürlich Wasser auf den Mühlen von Verschwörungsmythikern, da dies zwangsläufig den Eindruck bei Manchen erweckt, dass die Doktorarbeit quasi flugs erstellt und zurückdatiert wurde.

Die Erklärung

Der Journalist Dr. Markus Kühbacher ging der Behauptung nach, dass die ursprüngliche Doktorarbeit bei einem Wasserschaden zu Schaden gekommen sei, weshalb er einen Antrag auf Einsichtnahme in das Archivgut stellte:

Der Pressesprecher der Universität Frankfurt am Main, Olaf Kaltenborn, habe daraufhin den Promotionsvorgang wie folgt beschrieben:

Christian Drosten habe die Ergebnisse seiner Dissertation in drei Zeitschriftenaufsätzen (Anmerkung: wie in der Medizin üblich, auf Englisch und mit Ko-Autoren) vorab publiziert. Er habe zudem sodann eine (zusätzliche deutschsprachige, 122 Seiten starke) Promotionsschrift verfasst.

Aus diesem Grund sei gemäß § 12 der damaligen Promotionsordnung dem Veröffentlichungsgebot bereits Folge geleistet worden, die zusätzlich vorliegende, deutschsprachige Promotionsschrift sei deshalb auch nicht veröffentlicht worden – auch weil damals nicht wirklich ein öffentliches Interesse daran bestand.

In dem Sinne ist dies soweit auch verständlich: Es ist nicht wirklich nötig, jede einzelne Doktorarbeit jedes Studenten öffentlich zugänglich zu machen; auch ein Christian Drosten war damals nur ein Student unter vielen.

Ergänzung 16.10.2020
Ein Mitarbeiter der Universitätsbibliothek Frankfurt schrieb uns dazu:

„Ich arbeite an der UB Frankfurt und kann ergänzen, daß das auch eine Sache der Ökonomie ist.

Dissertationen sind wenig gefragt. Sie werden geordnet aufbewahrt, aber erst katalogisiert, wenn es Nachfrage danach gibt, wir haben eben nur begrenzt Mitarbeiter, die bei Corona obendrein gutteils im Homeoffice stecken.

In der Signaturengruppe D 126/… gibt es Titel zurück bis 1901, damit fällt die Arbeit von Drosten überhaupt nicht aus dem Rahmen.“

Aufgrund des öffentlichen Interesses aber, beschloß man vor wenigen Monaten, die leicht beschädigten Exemplare zu scannen und vier Neudrucke herzustellen, wovon zwei in Frankfurt verblieben und zwei an die Deutsche Nationalbibliothek übermittelt wurden.

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Fazit

Zweifler werden sich von den offiziellen Erklärungen wahrscheinlich kaum überzeugen lassen, woran Drosten selbst und die Universität Frankfurt am Main nicht unschuldig sind:
Auf Presseanfragen wurde augenscheinlich nicht geantwortet, Drosten selbst verwies wohl auch nur bei Fragen an die Universität.

Aus Sicht der Universität ist das Vorgehen zwar nachvollziehbar, schließlich geht der Datenschutz vor, doch sorgte dies eben auch für das Aufblühen der Verschwörungsmythen rund um einen falschen Doktortitel und einer fehlenden Dissertation.

Artikelbild: AFP / Glomex
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