Blogheim.at Logo
Start Aktuelles Faktencheck: "Die traurige Geschichte hinter dem Klassiker The Green Mile..."

Faktencheck: „Die traurige Geschichte hinter dem Klassiker The Green Mile…“

Videos

Frist für neue AGB bei WhatsApp: Nach 15. Mai wieder verlängert

Anfang 2021 verlangte WhatsApp in einem Pop-Up die Zustimmung zu seinen neuen Geschäftsbedingungen. Nun hat sich das Unternehmen erneut zu seinen AGB geäußert. Keine Einschränkungen...

Erkennst du die Fälschung? (Deepfake-Videos)

Deepfake: Dabei handelt es sich um gefakte Videos, zumeist von Prominenten, welche qualitativ kaum von echten Videos zu unterscheiden sind. Die "Reporter" haben dazu...

Wer nicht zustimmt, wird gesperrt: Whatsapp erhöht Druck auf Nutzer

Wer WhatsApp nutzt, hat nur noch bis zum 15. Mai Zeit, den neuen, umstrittenen Richtlinien zuzustimmen ansonsten wird er vom Messenger ausgeschlossen. Zustimmen oder ausgesperrt...

Führerschein-Umtausch: Die Frist für die ersten Jahrgänge läuft ab

Es ist eine riesige Aktion. Bis 2033 müssen Millionen von Führerscheinen umgetauscht werden - und für die ersten Jahrgänge nähert sich langsam das Fristende....

Facebook-Themen

Facebook: Lass dich tracken, damit Facebook kostenlos bleibt!

Seit Jahren betont Facebook-Chef Mark Zuckerberg, dass Facebook immer kostenlos bleiben solle. Mit der neuen Apple App Tracking Transparency erscheint für iOS-User bei Facebook und...

Mit einem realen Zugunglück, sollen Facebook-Nutzer in die Falle gelockt werden.

Nein, es gab kein tragisches Zugunglück in Köln! Beiträge auf Facebook sollen Nutzer in eine Phishing-Falle führen! Auf Facebook wird – vermehrt in Gruppen –...

Faktencheck: „Es geht momentan eine Bande um…“ (Auto angefahren)

Aktuell macht ein Beitrag auf Facebook die Runde, der mittlerweile knapp 7.000x geteilt wurde und viele Nutzer in Angst und Schrecken versetzt. Auf einer Warnung,...

Faktencheck: „Danke für den Rat, die Algorithmen von Facebook zu umgehen, es funktioniert!“

Aktuell scheint eine Art Kettenbrief auf Facebook zu verraten, wie man den Algorithmus von Facebook ändern kann, und zwar mit dem Satz "Lasst nur...
-WERBUNG-

In mehreren Beiträgen auf Facebook und Twitter wird die Geschichte von George Stinney Jr. erzählt, der mit 14 Jahren die jüngste, auf dem elektrischen Stuhl hingerichtete Person war.

- Werbung -

In den Beiträgen auf Facebook, die man auf Englisch und Deutsch findet, wird die Geschichte im Großen und Ganzen richtig erzählt, enthält allerdings auch einige Fehler und Unklarheiten, auf die wir eingehen möchten.

"Die traurige Geschichte hinter dem Klassiker TheGreenMile kannte ich nicht 😿George Stinney Jr. war die jüngste…

Gepostet von Boban Desine am Sonntag, 25. August 2019

„Die traurige Geschichte hinter dem Klassiker TheGreenMile kannte ich nicht ?

George Stinney Jr. war die jüngste Person, die im 20. Jahrhundert in den USA zum Tode verurteilt wurde. Er war erst 14 Jahre alt, als er von einem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde.

Während seiner Gerichtsverhandlung hatte er bis zum Tag seiner Hinrichtung immer eine Bibel in der Hand und behauptete, unschuldig zu sein. Er wurde beschuldigt, zwei weiße Mädchen getötet zu haben, Betty von 11 Jahren und Mary von 7 Jahren. Die Leichen wurden in der Nähe des Hauses gefunden, in dem der Teenager bei seinen Eltern wohnte. Zu dieser Zeit waren alle Geschworenen weiß.

Der Prozess dauerte nur 2 Stunden und das Urteil wurde 10 Minuten später ausgesprochen. Die Eltern des Kindes wurden bedroht und daran gehindert, ihm Geschenke im Gerichtssaal zu geben und sie dann aus dieser Stadt zu vertreiben. Vor der Hinrichtung verbrachte George 81 Tage, ohne seine Eltern sehen zu können. Er war in einer Einzelzelle gefangen, 80 km von seiner Stadt entfernt. Er wurde allein ohne die Anwesenheit seiner Eltern oder eines Anwalts gehört.

Er wurde mit 5.380 Volt am Kopf durch einen Stromschlag getötet. 70 Jahre später wurde seine Unschuld schließlich von einem Richter in South Carolina bewiesen. Der Strahl, mit dem die beiden Mädchen getötet wurden, wog mehr als 19,07 Kilogramm. Daher war es für Stinney unmöglich, ihn zu heben, geschweige denn hart genug zu schlagen, um die beiden Mädchen zu töten. Das Kind war unschuldig, jemand fügte alles zusammen, um ihm die Schuld zu geben, nur weil es schwarz war.

Stephen King ließ sich von diesem Fall inspirieren, sein Buch #TheGreenMile zu schreiben, das 1999 in die Kinos kam.“

Die Bilder

Das Schwarz-Weiß Foto in dem Tweet zeigt den echten George Stinney Jr., der am 16. Juni 1944 im Alter von 14 Jahren auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde. Die anderen Bilder auf Twitter und Facebook stammen aus dem Film „Carolina Skeletons“ (deutscher Titel: „Das Ende des Schweigens“) von 1991, dem der Fall als Grundlage dient. Der Film wiederum basiert auf der Novelle „Carolina Skeletons“ von 1988. Die Bildern sind Screenshots der Hinrichtungsszene des Jungen, der im Roman und im Film „Linus Bragg“ heißt.

- Werbung -

Die Fakten

George Sinney Jr. wurde nicht nach 70 Jahren freigesprochen

Die Geschwister Georges, Charles Stinney, Catherine Stinney Robinson und Amy Ruffner, beantragten 2014 eine Wiederaufnahme des Falles nach dem sogenannten „Coram nobis“ (lateinisch für „in unserer Gegenwart“). Bei dieser Art von Anträgen geht es darum, dass das Gericht einen vorher getätigten Irrtum zugibt und möglichst korrigiert.

Richterin Carmen Tevis Mullen stimmte dem Antrag am 17. Dezember 2014 zu. Sie hat George Stinney Jr. allerdings nicht freigesprochen, sondern streng genommen nur die Verurteilung aufgehoben. Ein Freispruch kann nur in einem neuen Prozess erfolgen, der jedoch nicht stattfinden kann, da sowohl der Junge als auch potentielle Zeugen tot sind. Es gibt kaum noch Dokumente über den Fall, physische Beweismittel existieren nicht mehr.

Zu einer Aufhebung des Urteils konnte es aber kommen, da das Gericht damals, wie Richterin Mullen feststellte, nicht ordnungsgemäß arbeitete. Beispielsweise wurden keine Zeugen gehört (seine Geschwister beteuern, dass der Junge zum Tatzeitpunkt zu Hause war), die verfassungsmäßigen Rechte des Jungen wurden nicht beachtet, das Tatwerkzeug war unklar, der Pflichtanwalt des Jungen legte keine Berufung gegen das Urteil ein, obwohl dies möglich gewesen wäre.

Die Mädchen wurden nicht in der Nähe seines Hauses gefunden

Die Anwälte der Familie Stinney vermuten, dass es sich bei dem Tatwerkzeug um ein 30 Zentimeter langes und breites Stück Metall oder Eisen handelte, welches beim Schienenbau, aber auch auf Holzverarbeitungsplätzen Verwendung fand.
So wird vermutet, dass der wahre Täter der mittlerweile verstorbene Sohn eines Sägewerkbesitzers war, auf dessen Grundstück die Leichen der Mädchen gefunden wurden.

Es ist unklar, ob der Junge immer eine Bibel in der Hand hatte

Einzig belegt durch verschiedene Zeitungsartikel, die die Kollegen von „Snopes“ gefunden haben, ist dass George während seiner Hinrichtung eine Bibel unter dem Arm hatte.

George hatte einen Anwalt

Dies macht den Fall eigentlich noch erschreckender, denn mit Charles H. Plowden hatte George zwar einen Anwalt, der jedoch eher gegen den Jungen arbeitete: er erhob keinen Einspruch gegen die rein weiße Jury, er rief keine Zeugen auf (wie oben erwähnt hatten die Geschwister ein Alibi für George), er verlangte keine Beweisstücke während des sehr kurzen Prozesses und legte auch keine Berufung gegen das Todesurteil ein.

Die Spannungsstärke betrug 2.400 Volt

Zugegeben, dies ist jetzt nicht unbedingt ausschlaggebend, da sowohl 2.400 Volt, wie Charles Kelly in seinem Buch „Next Stop, Eternity“ beschreibt, als auch die im Posting geschriebenen 5.380 Volt tödlich sind.
Nach dem ersten Stromstoß von 2.400 Volt rutschte George die Maske vom Gesicht, seine Augen waren offen. Danach bekam er noch zwei weitere Stromstöße von 1.400 Volt und 500 Volt, bis er für tot erklärt wurde.

Es ist unklar, ob Stephen King davon inspiriert wurde

Die Geschichte erinnert an die Stephen King-Novelle „The Green Mile“, da dort ebenfalls ein Schwarzer zum Tode verurteilt wurde, da er zwei kleine Mädchen umgebracht haben sollte. Allerdings findet sich keine Aussage Kings, dass der Fall von George Stinney Jr. ihm als Grundlage zu dieser Geschichte diente.
Jene Tat spielt auch in dem Buch eher eine Nebenrolle als Begründung, warum Coffey im Todestrakt saß, und spielte sich ganz anders ab, da in dem Roman ja John Coffey tatsächlich bei den toten Mädchen aufgegriffen wurde, er also subjektiv für Zeugen als schuldig galt, auch wenn sie die Tat selbst nicht sahen.

- Werbung -

Fazit

Die auf Facebook und Twitter geschilderte Geschichte ist in großen Teilen korrekt. Jedoch wurde er nicht nach 70 Jahren freigesprochen, sondern die Veurteilung wurde aufgrund von Verfahrensfehlern aufgehoben. Zudem stimmen einige Details der Geschichte nicht, welche jedoch die Geschichte selbst nicht weniger erschreckend machen.

- Werbung -
Mimikama-Buch „Angriff auf die Demokratie"
Mimikama-Buch „Angriff auf die Demokratie"

Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

Die Corona-Krise! Wir brauchen deine Unterstützung! Die Corona-Krise stellt uns alle vor großen Herausforderungen und bringt uns an unsere Grenzen. Jeder gibt seinen Teil dazu bei um zu Unterstützen. Gegenüber anderen Medien haben wir keine “Pay-Wall” eingerichtet, denn wir möchten unsere Inhalte für alle offen halten. Wenn jeder, der unsere Faktenchecks liest, dabei hilft, diese zu finanzieren, wird es mimikama auch weiterhin geben und wir können gemeinsam gegen Fakenews vorgehen. Unterstütze uns und tragen auch Du dazu bei, die Zukunft von Mimikama zu sichern. Hier kannst Du unterstützen: via PayPal, Steady oderPatreon

Krankgeschrieben: Was darf man, was muss man?

Du wurdest krankgeschrieben, aber musst du den ganzen Tag krank im Bett bleiben? Was darf man, was muss man? Wer krankgeschrieben ist, muss nicht unbedingt...

Telefonbetrüger locken ihre Opfer mit einem falschen Gewinnversprechen

Ein 79-jähriger Mann wurde Opfer von Telefonbetrügern. Sie vermittelten ihm, dass er bei einem Gewinnspiel 142.000 Euro gewonnen hätte. Zur Gewinnausschüttung müsse er nur einen...

Polizei warnt vor falschen Termineinladungen via E-Mail

Derzeit werden als Termineinladungen getarnte Phishing-E-Mails verschickt. Bereits am 3. Mai hat die LKA vor dieser Masche gewarnt. Die Spammer verschicken hier im Namen einer...

Gruseln und Pieks: Impfungen auf Schloss Dracula!

Ein Pieks in den Arm oder zwei Piekser in den Hals - beides vielleicht möglich, wenn man sich auf dem Dracula-Schloss impfen lässt! In Bran,...

Amazon vernichtet Millionen von Fake-Artikeln!

Um Käufer und Unternehmen vor Fälschungen von Markenartikeln zu schützen, richtete Amazon eine eigene Abteilung für Fälschungs­delikte ein. Amazon hat nun seinen Brand Protection Report...
-WERBUNG-
-WERBUNG-