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Donnerstag, 2 September 2021
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Und was ist dein liebster Mythos?

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Vorsicht vor Dihydrogenmonoxid! Erst recht dann, wenn Reptiloiden diese per Chemtrails versprühen! Und das ist (k)ein Mythos!

Der Alltag als Faktenprüfer kann mühsam sein, aber auch humorvoll. Doch eins ist er nicht: langweilig! Und nicht einfach. Leider. Manch teils absurde Falschmeldung oder hartnäckiger Mythos lassen sich glücklicherweise recht einfach „debunken“. Debunken, das ist in der Fachsprache die Bezeichnung für das Entlarven von Falschmeldungen. Bei anderen Meldungen müssen wir genauer schauen, was damit gemeint ist.

So wie zum Beispiel die Meldung, das Wasser kein zweites Mal gekocht werden darf. Da steht dann die Frage im Raum, ob es wirklich gefährlich ist, wenn Wasser erneut aufkocht wird. Verwandelt sich harmloses Wasser dann zu einer toxischen Brühe, die absolut schädlich ist? Nein. Das tut es nicht. Dieser Prozess keine Auswirkungen auf die Person, die das gekochte Wasser trinkt! Das Wasser bleibt Wasser, auch wenn sich der Gehalt an verschiedenen chemischen Elementen geringfügig ändert. Doch woher stammt dieser irritierende Fehlglaube? Das hängt mit den Angaben der Hersteller von Wasserkochern zusammen. Hersteller von Wasserkochern sichern sich durch die Warnung ab, dass übrig gebliebenes Wasser nicht erneut aufgekocht werden sollte. Denn es besteht eventuell die Möglichkeit, dass sich durch das lange Stehen toxische Rückstände des Gefäßmaterials im Wasser ansammeln können. Hat man zum Beispiel einen Edelstahlkocher, können sich Spuren von Nickel im Wasser ansammeln und bei Allergikern zu negativen Reaktionen führen.
Andererseits wird vermieden, dass man ein Gerät nicht trocken erhitzt, wenn man zuerst nachguckt, ob sich noch altes Wasser in dem Kocher befindet. Ergo: Es geht eher um das alte Wasser, aber nicht um das neue Erhitzen.

Warum dieses Beispiel? Weil auf diese Weise ein Mythos entstehen. Mythen durch fehlerhafte Interpretationen, da eine Erklärung nicht geliefert wurde. Und nun stelle dir vor, es geht nicht nur um Wasser im Wasserkocher, sondern um Mythen und Behauptungen, die uns alle betreffen und verängstigen können.

Leider nicht immer harmlos

Bevor das Coronavirus aufgetaucht ist, waren Mythen rund um den Mobilfunkstandard 5G eine große Sache. Um 5G ranken sich bereits seit Jahren viele Geschichten. So wie zum Beispiel der Mythos, dass 5G zum Massensterben von Vögeln führe. Diese würden ad hoc in Scharen vom Himmel fahlen. Als Beweis dafür tauchten immer wieder allerlei Scheinbeweise auf, die mit verstorbenen Vögelschwärmen zu tun haben. Doch das ließ sich im Nachhinein immer problemlos klären. Das häufigste Beispiel waren die Vögel in Den Haag, die angeblich durch 5G umkamen. Im Nachhinein stellte sich durch Obduktionen heraus, dass es giftige Beeren waren, die zum Massensterben innerhalb eines Schwarmes führten. Doch als das Ergebnis bekannt wurde, was der Mythos bereits mehrfach um die Welt gereist.

Eine wahre Renaissance an Verschwörungsmythen haben wir jedoch seit Beginn der Coronakrise erlebt. Diese sind auch teils politisch motiviert oder sind „importierte“ Mythen aus den USA. Hier ist vor allem die Geschichte um entführte Kinder und das Adrenochrom bekannt. In Kurzform: Irgendwelche nicht weiter benannten „Eliten“ halten Kinder in unterirdischen Höhlen gefangen. Dort werden die Kinder gequält und ihnen ein Hormon mit dem Namen Adrenochrom abgezapft. Dieses Hormon wird wiederum von den „Eliten“ benötigt, um für immer jung zu bleiben.

Das ist übrigens jener Mythos, den Xavier Naidoo Anfang April 2020 in seinem recht bekannten Video verbreitet hat. Dieser Mythos ist den klassischen QAnon Mythen zuzuschreiben. QAnon, das ist eine Bewegung, bzw. selbst ein Mythos, der aus den USA nach Europa geschwappt ist. Q ist angeblich eine Person aus hohen Regierungskreisen mit der sehr hohen Sicherheitsstufe Q. Dieser würde anonym angeblich Informationen aus geheimen Ebenen durchsickern lassen. Die meisten dieser Mythen beinhalten die klassischen Eliten- und Weltverschwörungslegenden, die in weiten Teilen auch antisemitisch sind. Heilsbringer der QAnon-Szene ist übrigens (weiterhin) Donald Trump. Und hier werden Mythen politisch: Die QAnon Mythen nutzen nicht allein uralte antisemitische Ritualmordlegenden, sondern bedienen auch häufig ein rechtsextremes Klientel.

Ob kinderfressende Hollywood-Stars, Bill Gates, der das Coronavirus verstreut oder uns mit Chips impfen wolle: Mythen haben derzeit Hochkonjunktur und bedienen sich uralter Motive. Dadurch sind sie zwar erklärbar, aber sie funktionieren gut, weil sie sich selbst sinnstiftenden Erzählungen bedienen.

Meine Top-Mythen der letzten Monate (ohne Rangfolge)? Das sind diese hier:

Bei den Nasenabstrichen des Corona-Tests werde heimlich Mikrochips eingesetzt
https://www.mimikama.at/aktuelles/mikrochips-nasenabstrich/

Unfruchtbar nach Corona-Impfung?

Kein Hinweis, dass COVID-Impfung unfruchtbar macht

Konstruierte „Eliten“ mal anders:
https://www.mimikama.at/aktuelles/hitler-merkel-nazis-obama-qanon/

Besonders beliebt: Die Tests würden gar nichts anzeigen können, die reagieren sogar auf Cola.
https://www.mimikama.at/aktuelles/cola-und-antigen-test/

Ein klassisches Motiv. Früher wurde Angst über weiße Lieferwagen erzeugt, zeitgenössisch adaptiert sind es die Masken mit Chemikalien:
https://www.mimikama.at/aktuelles/maske-chemikalie/

Aber glücklicherweise können wir Faktenprüfer zwischendurch auch mal durchatmen und müssen uns mit weniger stressigen, dennoch weit verbreiteten Mythen abgeben. So wie dieser Mythos:
https://www.mimikama.at/aktuelles/nein-paprika-haben-keine-geschlechter/

Das reicht dir nicht? Dann nenne mir doch in unserer Mimikama-Community in den Kommentaren unter diesem Artikel deinen liebsten Mythos (LINK HIER).

Symbolbild Mythos, Artikelbild von Tithi Luadthong / Shutterstock.com

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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