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Das Video aus dem Freibad in Neukölln

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Dieser Artikel könnte ebenso die Schlagzeile “Alle Jahre wieder” tragen, denn das Video aus den Columbiabad in Berlin wird regelmäßig zum Sommer in den sozialen Netzwerken verbreitet. Ohne Nennung des Aufnahmezeitpunktes, jedoch mit einer gehörigen Portion Pauschalisierung und auch einer kleinen Fakemitteilung.

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Ein Video zeigt ein überfülltes Schwimmbad, es herrscht ein großes Durcheinander. Menschen springen mehr oder weniger wild in das Becken, ein Mann – augenscheinlich ein Schwimmmeister – versucht den das Verhalten der Gäste zu regulieren, kann sich jedoch nicht komplett durchsetzen. Einer gegen viele. Der ihm angemessene Respekt wird ihm nicht entgegengebracht.

Dieses Video wird seit dem 17. Juni 2016 auf der Facebookseite “Deutschland DECKT AUF” verteilt. Das Ziel: mit diesem erschreckenden Video soll eine Distanz zu Flüchtlingen aufgebaut werden. Was man zu diesem Video sagen kann: ja, es ist echt!

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“Merkel schafft Deutschland” schreibt zu diesem Video:

Araber greifen Bademeister im Freibad Berlin-Neuköln an …
Würdest du dich dort als Deutscher sicher fühlen, mit deiner Frau & deinen Kindern?
NEIN? Dann(y) Daumen hoch(y) + TEILE das VIDEO !!!!
Und bitte nicht vergessen, „Flüchtlinge“ dürfen bundesweit GRATIS in die Schwimmbäder. Deutsche Rentner nicht.

Womit die Beschreibung völlig recht hat: das Video stammt tatsächlich aus Neukölln und diese gezeigte Szene ist auch seltenes Bild in dem Bad. Das Video selbst konnten wir mehrfach finden, es ist nicht aus dem aktuellen Jahr und existiert auch schon länger als die Flüchtlingswelle, vor der “Deutschland DECKT AUF” warnen will. Wir haben eine Fundstelle auf YouTube, welche in das Jahr 2014 reicht, Titel:

Sommerbad Neukölln AK-Außer Kontrolle

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Dieses Video nennt also auch Neukölln und zeigt die verlängerte Version. Und die Situation ist nicht nur vor Ort bekannt gewesen: mehrere lokale, aber auch überregionale Pressemedien haben die Zustände im Neuköllner Columbiabad thematisiert – mit erschreckenden Beschreibungen.So schrieb die Berliner Woche am 28. Juli 2014 unter dem Titel “Columbiabad: Sicherheitsdienst kontrolliert schon am Eingang” [1]:

Nichts erinnert an das, was zu Pfingsten Schlagzeilen machte. Da stürmten an einem Tag bis zu 40 Jugendliche den Sprungturm, an einem anderen hielten zwei Jugendliche Bademeister und Sicherheitsdienst in Atem und bestiegen nach der Öffnungszeit des Sprungturms den Zehner. Einer von beiden nahm die Absperrvorrichtung – eine Edelmetallplatte – mit auf den Sprungturm und drohte, sie herunterzuschmeißen. Schließlich sprang er herunter und wurde in Handschellen und unter Rufen gegen die Polizei abgeführt. Eine Hundertschaft wurde hinzugerufen. Letztlich musste das Bad gegen 19 Uhr vorzeitig geschlossen werden.

Auch im Jahr 2015 war das Columbiabad noch ein Thema, die Berliner Morgenpost erwähnte in dem Artikel ““Jetzt stürmen wir den Sprungturm“ – Ein Tag im Columbiabad” [2] ebenso dieses Video:

Das Columbiabad gilt als das gefährlichste Freibad Berlins. Mal wird am Beckenrand gepöbelt, mal kommt es zu Schlägereien am Sprungturm. Laut Bäder-Sprecher Oloew verabreden sich die Jugendlichen über soziale Netzwerke: „Jetzt stürmen wir den Springturm.“ Immer wieder musste in den letzten Jahren geräumt werden. Allein zu Pfingsten vergangenen Jahres dreimal hintereinander.

Damit dürfte die Datierung des Videos feststehen: Pfingsten 2014 (07.-09. Juni 2014). Alle diese Artikel beschreiben, dass in dem Bad mittlerweile Sicherheitskräfte eingesetzt werden, um bekannte Störenfriede bereits vor Zutritt des Bades schon nach Hause zu schicken oder um im Bad für Ruhe zu sorgen. Aber auch das ist im Columbiabad nicht immer möglich: die Berliner-Zeitung [3] schrieb am  06. Juli 2015, dass erneut die Polizei anrücken musste, da eine Prügelei außer Kontrolle geraten ist.

Da nützten auch die muskulösen Wachmänner nichts, die in Berliner Freibädern dazu gehören wie die Bademeister: Am heißen Sonntagnachmittag sind erneut Jugendliche und junge Männer im Columbiabad in Berlin-Neukölln so aneinandergeraten, das die Polizei anrücken und das Schwimmbad im Problem-Kiez räumen musste. Bis zu 60 Menschen beteiligten sich an der Massenschlägerei.

Ebenso berichtete der Spiegel über diese Massenschlägerei [4]:

Massenschlägerei in Berlin: Rund 60 Jugendliche prügeln sich in Neuköllner Freibad

Auf SpiegelTV gab es über dieses entsprechende Bad sogar eine ganze Reportage, in der auf die Probleme im Bad hingewiesen werden.

Es steht also völlig außer Frage, dass in dem Columbiabad Probleme auftreten. Diese sind zum einen nachweislich, zum anderen auch bekannt.

Bewertung des Statusbeitrages

Kann man dieses Video nun mit der Flüchtlingswelle in Verbindung bringen? Jein. Zum einen ein deutliches Nein, da dieses Video aus dem Jahr 2014 stammt und keine Massen an Flüchtlingen zeigt. Dennoch darf man die Probleme im Neuköllner Columbiabad nicht aus diesem Kontext reißen, da Neukölln ein Stadtteil ist, in dem mehrere Gesellschaftsysteme aufeinander prallen (siehe SZ [5], Handelsblatt [6]). Insofern darf man diese Aufnahmen nicht einfach wegwinken, aber man darf auch nicht den Fehler machen, diese Aufnahmen zu generalisieren und auf alle Schwimmbäder in Deutschland zu übertragen. “Würdest du dich dort als Deutscher sicher fühlen” heißt es in der Statusbeschreibung. Ganz klar: nein, natürlich nicht. Auch als Däne, Franzose, Österreicher oder Syrer würde man sich in derartigen Situationen nicht sicher fühlen. Logisch.

Flüchtlinge dürfen Bundesweit GRATIS in die Schwimmbäder?

Diese Information, wie sie “Merkel schafft Deutschland” und ebenso im Sommer 2016 die Facebookseite “Deutschland DECKT AUF” verbreitete, ist jedoch Unsinn: es gibt keine Regelung über einen bundesweiten Gratiseintritt für Flüchtlinge. Hier wird eine Information verbreitet, welche augenscheinlich dem “Pressehai” entstammt, eine Seite, die sich einer fragwürdigen Weise der Satire verschrieben hat.

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