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Behauptung: „Niemand ist am Coronavirus gestorben“ (Faktencheck)

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In diversen Artikeln und YouTube-Videos wird die Behauptung aufgestellt, es gäbe gar keine an COVID-19 Verstorbenen.

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So behauptet Dr. Stoian Alexov, Präsident der bulgarischen Pathologenvereinigung, er und seine Kollegen hätten in ganz Europa keine Hinweise auf Todesfälle durch das neuartige Coronavirus gefunden.

So hätten europäische Pathologen noch nie Antikörper identifizieren könne, die für SARS-CoV-2 typisch seien, er stelle die komplette Entdeckung von dementsprechenden Antikörpern in Frage.

Niemand starb am neuen Coronavirus?
Niemand starb am neuen Coronavirus?

Erstmals behauptete dies Dr. Alexov in einem Web-Seminar der European Society of Pathology (ESP). Ein Artikel darüber erschien darauffolgend auf der Seite OffGuardian, welcher dann wortwörtlich auf anderen Seiten und übersetzt auf deutschen Seiten erschien.

Eine englische Übersetzung des Gesprächs mit Dr. Alexov findet sich hier. Während des Web-Seminars wurden viele Behauptungen ausgesprochen, wir beschränken uns im Rahmen dieses Artikels auf die wesentlichen Punkte.

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Der Zeitpunkt des Interviews

Das Web-Seminar, in dessen Rahmen das Gespräch zwischen Dr. Stoycho Katsarov, Vorsitzender des Zentrums für den Schutz der Bürgerrechte, und Dr. Stoian Alexov stattfand, wurde bereits am 8. Mai 2020 durchgeführt.

Unverständlich, warum erst jetzt, drei Monate später, diverse Seiten davon berichten, denn viele Argumente in dem Gespräch haben einen wesentlichen Fehler: Sie sind nicht mehr aktuell.

So stellt Dr. Alexov einige Behauptungen auf, die zum damaligen Zeitpunkt noch relativ glaubhaft waren, mittlerweile aber schon längst durch neue Erkenntnisse überholt und widerlegt wurden.

Behauptung: Alexov und seine Kollegen stimmen in den Behauptungen überein

Das klingt ja erst einmal beeindruckend: Nicht nur Dr. Alexov selbst, sondern alle anderen europäischen Pathologen seien der gleichen Meinung, was seine Behauptungen angeht.

Das ist allerdings nicht wahr. Im Rahmen des Web-Seminars wurde nur ein Interview mit ihm geführt, er selbst nahm aber gar nicht an dem Seminar direkt teil. Zwar ist Dr. Alexov Mitglied der Europäischen Pathologenvereinigung (ESP), wird aber nicht in der Teilnehmerliste aufgeführt.

Die Behauptung, dass Dr. Alexov also jene Erkenntnisse im Konsens mit seinen Kollegen traf, ist also falsch.

Behauptung: Es wurden keine SARS-CoV-2 spezifischen Antikörper gefunden

Gleich mehrere Studien widerlegen diese Behauptung; es wurden sehr wohl Antikörper, welche sich spezifisch an SARS-CoV-2 binden, bei Menschen entdeckt, die zuvor infiziert bzw. an COVID-19 erkrankt waren.

Auch diagnostische Tests und Screenings sind speziell auf jene Antikörper ausgerichtet, und das hat auch einen guten Grund:

Die meinsten Menschen, welche sich von COVID-19 erholten, haben niedrige Werte von Antikörpern, das ist soweit keine neue Erkenntnis. EinTeil der Genesenen wies aber auch starke infektionsblockierende Antikörper auf, welche für die Impfforschung interessant sind.

Jene Erkenntnisse gewann man aber auch erst Mitte Mai und Juni, also nach jenem Interview – zu jenem Zeitpunkt hatte Dr. Alexov also teilweise recht, mittlerweile aber nicht mehr.

Die Behauptung ist somit falsch, es gibt sehr wohl SARS-CoV-2 spezifische Antikörper.

Behauptung: Das Coronavirus erfülle nicht die Koch’schen Postulate

Bei den Koch’schen Postulaten handelt es sich um eine Reihe von Kriterien, anhand derer bestimmt wird, ob ein bestimmter Mikroorganismus die Ursache einer Krankheit ist. Entwickelt wurde sie von dem deutschen Arzt Robert Koch.

Die ursprünglichen Postulate lauten:

  1. Der Mikroorganismus muss in allen Organismen, die an der Krankheit leiden, im Überfluss vorhanden sein, sollte aber nicht in gesunden Organismen gefunden werden.
  2. Der Organismus muss von einem Wirt, der die Krankheit enthält, isoliert und in Reinkultur gezüchtet werden.
  3. Proben des Organismus, die aus Reinkultur entnommen werden, müssen dieselbe Krankheit verursachen, wenn sie im Labor einem gesunden, anfälligen Tier beimpft werden.
  4. Der Organismus muss aus dem geimpften Tier isoliert und als derselbe ursprüngliche Organismus identifiziert werden, der zuerst aus dem ursprünglich erkrankten Wirt isoliert wurde.

Heutzutage bilden diese Postulate immer noch eine wichtige Grundlage für die Feststellung der Ursache einer Infektionskrankheit, jene Kriterien haben aber auch ihre Einschränkung, was auch Robert Koch selbst erkannte.

So konnte beispielsweise Vibrio cholerae, der Erreger der Cholera, sowohl von kranken als auch von gesunden Menschen isoliert werden, was dem ersten Punkt der Postulate widerspricht. Auch gibt es viele Viren, die sich weder in Zellkulturen noch in Tieren vermehren, was Punkt 2 und 3 der Postulate widerspricht.

Aus diesem Grund wurden auch die Koch’schen Postulate von mehreren Wissenschaftlern in den letzten Jahrzehnten modifiziert, um die Kriterien für die Untersuchung von Viruserkrankungen anzupassen.

Nun aber zum wichtigen Punkt: Erfüllt denn das neue Coronavirus die ursprünglichen Postulate?

Die Antwort: Ja! Punkt 1 ist schon lange belegt: Das neue Coronavirus wurde auch bei gesunden Menschen gefunden, also zwar infizierten, aber nicht erkrankten Personen.

In mehreren Studien isolierten Forscher das Coronavirus aus Patientenproben, vermehrten es in Zellkulturen und infizierten nichtmenschliche Primaten mit dem kultivierten Virus. Jene Primaten zeigten die gleichen Symptome wie Menschen inkl. Lungenschäden und Lungenentzündung. Das Virus konnte dann auch in den Primaten in seiner Reinform nachgewiesen werden.

So mögen also viele Viren nicht die ursprünglichen Postulate erfüllen, SARS-CoV-2 hingegen erfüllt sie sogar in allen Punkten. Die Behauptung ist somit falsch.

Behauptung: Niemand starb am Coronavirus

Gegen diese Behauptung wehrt sich die Europäische Pathologenvereinigung (ESP), in dessen Web-Seminar  Dr. Alexov die Behauptung äu?erte. In einem Statement schreiben sie:

„Wie in den beiden ESP-Webinaren zu diesem Thema (8. Mai und 25. Juni 2020) diskutiert, sind die auffälligen Autopsiebefunde in der Lunge und anderen Organen von COVID-19-Patienten unerklärlich als Folge einer gleichzeitigen Erkrankung und sprechen für das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) als Todesursache in diesen Fällen.

In Übereinstimmung damit haben Autopsiestudien an COVID-19-Patienten das Vorhandensein des neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) in einer Vielzahl von Geweben, vor allem in der Lunge und der Innenauskleidung von Blutgefäßen (Endothel), nachgewiesen.“

Würde die Behauptung stimmen, dürfte es gegenüber den Vorjahren keine erhöhte Todesrate geben. Unter anderem die Financial Times betrachtete sich genau die Statistiken einzelner Länder und konnte feststellen, dass die Sterberaten signifikant höher liegen als in den Vorjahren.

DIe Behauptung ist somit falsch. Die weltweiten Sterbestatistiken beweisen das Gegenteil, auch die ESP weisen die Behauptung von sich, es wurden sehr wohl eindeutige Hinweise für COVID-19 als Todesursache gefunden.

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Fazit

Dies waren nur einige der Behauptungen, die widerlegt werden können. Die Seite Health Feedback, eine gemeinnützige Organisation, die sich der wissenschaftlichen Bildung widmet, hat sich noch sehr viel intensiver mit den Aussagen beschäftigt und wissenschaftlich widerlegt.

Weiterführende Quellen: Health Feedback, Lead Stories
Artikelbild: Shutterstock / Von Thanumporn Thongkongkaew

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Hinweis: Die Wiedergabe einzelner Bilder oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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