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Montag, 20 September 2021
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Ist das neue Coronavirus eine geplante Pandemie? (Faktencheck)

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In einem Blog wird über ein Video berichtet, welches die Corona-Pandemie als geplant bezeichnet.

Jenes Video namens „Plandemic“ besteht im Prinzip nicht etwa direkt aus Beweisen, sondern ist hauptsächlich ein Interview des Filmemachers Mikki Willis und der umstrittenen Biochemikerin Judy Mikovits, die behauptet, dass das neue Coronavirus in Wahrheit eine geplante Pandemie sei.

Zu jenem Artikel über das Video bekamen wir Anfragen:

Wilde Behauptungen rund um die Corona-Epidemie
Wilde Behauptungen rund um die Corona-Epidemie

Laut dem US-Sender NPR soll das Video eine Ansicht von COVID-19 präsentieren, die sich von der „offiziellen“ Erzählung unterscheidet.
Die Inhalte: Mikovits´ Laufbahn und die Corona-Pandemie. „Plandemic“ soll vermitteln, dass es sich bei der Corona-Pandemie um eine geplante Angelegenheit handle.

Zu den Inhalten des Videos

Behauptung: „Das Virus wurde manipuliert“

Damit haben sich schon mehrere Wissenschaftler ernsthaft beschäftigt, denn schließlich wäre es eine mittlere Sensation, sowohl politisch als auch wissenschaftlich, wenn dies bewiesen werden könnte.

Ein Artikel der Zeitschrift „Nature“ vom 17. März 2020, an dem Forscher von mehreren Organisationen des öffentlichen Gesundheitswesens arbeiteten, belegt jedoch, dass es keinerlei Hinweise auf eine Manipulation des Virus in einem Labor gibt, stattdessen fanden sie zwei mögliche und plausible Erklärungen für die Entstehung des Virus: natürliche Selektion bei einem tierischen Wirt oder natürliche Selektion bei Menschen, nachdem das Virus von Tieren auf Menschen übergegangen ist.

Eine ausführliche Beschreibung des Artikels und der Ergebnisse findet sich auch in unserem Artikel: Warum das neue Coronavirus nicht aus einem Labor kommen kann.

Die Behauptung ist falsch.

Behauptung: „Es tauchte innerhalb eines Jahrzehnts nach SARS auf – das kann nicht natürlich sein“

Diese Behauptung beruht auf dem Irrglauben, dass SARS-CoV-2 vom SARS-Virus abstammt. Das neue Coronavirus ist zwar in der genetischen Struktur zu 79 Prozent dem bekannten SARS ähnlich, kann aber nicht direkt aus ihm entstanden sein; es gibt mehr Ähnlichkeiten mit bekannten Coronaviren, die sich in Fledermäusen finden – so haben SARS-CoV und SARS-CoV-2 quasi einen gemeinsamen Ursprung, das eine stammt aber nicht vom anderen ab.

Die Behauptung ist falsch.

Behauptung: „Krankenhäuser bekommen 13.000 Dollar für die Diagnose, dass jemand an COVID-19 erkrankt sei“

Jene Behauptung wurde von dem republikanischen Senator Dr. Scott Jensen in einem Interview auf Fox News geäußert. Sie ist zumindest halbwahr, wie PolitiFact feststellt: So zahlt Medicare für stationäre Krankenhausaufenthalte über ein DRG-Zahlungssystem (Diagnostic Related Group).

Das Krankenhaus weist einem Patienten zum Zeitpunkt der Entlassung einen Code zu, der hauptsächlich auf der Hauptdiagnose und -behandlung des Patienten basiert. Es bekommt dann von Medicare einen vorgeschriebenen Geldbetrag, unabhängig von den tatsächlichen Kosten einer Behandlung.

Allerdings hat Medicare keinen speziellen Code für COVID-19, wohl aber für Atemwegserkrankungen (von denen es ja mehr als nur COVID-19 gibt); die Medicare-Zahlung dafür beträgt 13.297 Dollar – also in etwa der von dem Senator genannten Betrag.

Es ist also Standard von Medicare, dass für Patienten mit Atemwegserkrankungen rund 13.000 Dollar gezahlt wird, bei schwererem Veerlauf sogar dreimal so viel. Dies war aber auch schon vorher so und ist unabhängig von COVID-19, für dass es gar keinen eigenen Code gibt.

Die Behauptung ist halbwahr.

Behauptung: „Hydroxychloroquin ist wirksam gegen diese Virusfamilien“

Diese Behauptung wurde populär, nachdem Donald Trump in einem Interview sagte, dass er große Hoffnungen in jenes Malaria-Medikament legen würde.

Einige Forschungen waren diesbezüglich auch erfolgversprechend, andere wiederum stellten keine Unterschiede fest. Während einer klinischen Studie in Brasilien starben sogar 11 Patienten an der Behandlung.

Somit ist diese Behauptung bisher weder vollständig widerlegt noch bewiesen.

Die Behauptung ist unbewiesen.

Behauptung: „Durch Grippeimpfungen ist man anfälliger für das Coronavirus“

Hierzulande wurde jene Behauptung von einem Dr. Ruediger Dahlke verbreitet, nachdem er dies in einem Artikel des „Daily Mirror“ gelesen habe. Wir beschäftigen uns damit ausführlich in einem Artikel.

Der Influenza-Experte Van-Tam sagte jedoch nicht, dass alle, die die Grippeschutzimpfung bekamen, nun auch COVID-19 gefährdeter seien. Er sagte auch nicht, dass alle aus den Risikogruppen mit einer Impfung gefährdeter sind.

Der Experte vereinfachte nur eine Kernaussage: „Sie bekamen eine kostenlose Impfung? Dann gehören Sie auch zu den COVID-19 Gefährdeten“. Diese Risikogruppen sind aber nicht wegen der Impfung gefährdet, sondern einfach nur, weil sie ohnehin Risikogruppen sind.

Die Behauptung ist falsch.

Behauptung: „Schutzmasken verbreiten das Virus“

Mikovits sagt in dem Video, dass Schutzmasken die Verbreitung des Virus begünstigen würden. Sie kritisiert somit sämtliche Regierungen, die Anordnungen herausgeben, in der Öffentlichkeit Schutzmasken zu tragen.

Wie wir alle mittlerweile wissen, sollen Schutzmasken dafür sorgen, dass Tröpfchen, die durch Sprechen, Husten oder Niesen austreten, aufgefangen werden. Dies verhindert, dass infizierte Personen – auch unwissentlich – das Virus verbreiten.

Die Behauptung ist falsch.

Behauptung: „Salzwasser enthält heilende Mikroben“

Mikovits vertritt die Meinung, dass Strände so schnell wie möglich wieder geöffnet werden sollten, da „heilende Mikroben im Salzwasser“ die Menschen schützen würden.

Für diese Behauptung gibt es jedoch keinerlei medizinische Belege; wenn es so einfach wäre, würde uns so mancher Arzt wahrscheinlich gerne einen Urlaub an Nord- oder Ostsee verschreiben.

Die Behauptung ist falsch.

Zur Person Judy Mikovits

Die Biochemikerin Mikovits war in verschiedenen Forschungsinstituten und dem National Krebsinstitut in den USA tätig.

2009 machte sie auf sich aufmerksam, als sie eine Verbindung zwischen dem chronischen Müdigkeitssyndrom und einem Retrovirus von Mäusen entdeckte. Jedoch musste sie diese Ausführung zwei Jahre später wieder zurückziehen, da die Studie von anderen Wissenschaftlern in einer Folgestudie nicht repliziert werden konnte. Die ungenauen Schlussfolgerungen der Studie waren auf eine Kontamination der Laborproben zurückzuführen. Mikovits verlor laut „Washington Post“ ihren Job.

Mikovits hatte später ihre Arbeit aus dem Institut, das ihr gekündigt hatte, entwendet und wurde wegen Diebstahls angezeigt.
Sie gab an, als Forscherin ruiniert worden zu sein, was „Teil einer Verschwörung“ war, um ihre Kritik an Impfstoffen zu unterbinden.

Ausführlich berichten wir in einem Artikel über ihre Behauptungen: Faktencheck: Impfstoff-Forscherin musste ins Gefängnis?

Fazit

Die Behauptungen in dem Interview mit Judy Mikovits sind entweder falsch, unbewiesen oder Halbwahrheiten. Aus diesem Grund wird das Video auch immer wieder von sozialen Plattformen entfernt – nicht etwa, um „die Wahrheit zu unterdrücken“, sondern um „Inhalte, die medizinisch unbegründete diagnostische Ratschläge“ über das Coronavirus vermitteln, rigoros auszuschließen, so beispielsweise die Begründung YouTubes.

Artikelbild: Shutterstock / funnyangel

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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