Aktuelles Coronakrise: Bitte seid selbstkritisch!

Coronakrise: Bitte seid selbstkritisch! [Ein Kommentar]

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In den letzten Wochen hat die Arbeit als Faktenchecker eine völlig neue Dimension angenommen: So viele Anfragen zu einem einzigen Thema in so kurzer Zeit hat es noch nie gegeben!

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Die Arbeit bei Mimikama, auch während der sog. Coronakrise, ist recht einfach erklärt (zumindest der Workflow): Menschen senden über die Webseite (hier) oder unsere Social-Media-Kanäle Anfragen, welche im ehrenamtlichen Rechercheteam landen und dann bearbeitet werden.

Wenn ein Ergebnis, das hinreichend belegbar und beliebig replizierbar ist, dabei herauskommt, landet dieses Thema in der Regel bei unserem Autorenteam, das auf der Basis der Rechercheergebnisse einen Artikel verfasst, der am Ende auf unserer Webseite veröffentlicht wird.

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Problem 1: Das Ganze muss möglichst schnell geschehen, da Social Media schnelllebig ist – besonders jetzt während der Coronakrise.
Problem 2: Zum Thema Coronavirus gibt es so viele Anfragen, dass wir absolut nicht alle Themen schaffen. Das geht schlichtweg nicht und ist in vielen Fällen auch inhaltlich auch gar nicht möglich.

Gar nicht möglich?

Gerade in den letzten Tagen sind in der Coronakrise vermehrt Verschwörungsmythen aufgetaucht. Der Ansatz, einem Verschwörungsmythos mit Fakten zu antworten, ist ein unheimlich schwieriger Selbstanspruch.

Wie soll man etwas mit Fakten widerlegen, das selbst gar nicht auf Fakten basiert? Erst recht, weil Verschwörungsmythen eben faktenresistent aufgebaut sind.

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Wir werden daher keine Mythen zur Coronakrise an sich widerlegen können, sondern viel eher beschreiben müssen, wie so ein Verschwörungsmythos aussieht, woher er stammt und was das Ziel darin ist (bitte HIER lesen).

Coronakrise: Viele Anfragen, auch aus dem persönlichen Umfeld

Dennoch kommen Verschwörungsmythen derzeit gut an. Wir haben in der Coronakrise sehr viele Anfragen, häufig auch aus dem privaten Umfeld. Man wird persönlich angeschrieben, meist mit der Bitte, ob das denn stimmen könnte. Andere haben nicht so einen netten Tonfall und glauben gar, wir hätten es uns zur Aufgabe gemacht, zwanghaft alles widerlegen zu müssen, was ihnen einen Hoffnungsschimmer gibt.

Doch das stimmt nicht. Ich verstehe natürlich, warum man gerne glauben will, dass das Virus eine reine Erfindung sei, dass die Coronakrise nicht existiere. Sicher, auch ich hege den diesen Wunsch, dass morgen alles vorbei ist und wir wieder raus auf die Straßen gehen können und uns alle in die Arme fallen vor Freude.

Glaubt mir, ich wäre der erste, der beim Friseur klopfen würde, um die Frisurenkrise auf meinem Kopf beenden zu lassen. Nichts wäre mir lieber, als das Ende der Meldungen über zu wenige Intensivbetten und Beatmungsgeräte in der Coronakrise.

Doch leider sieht die Realität eben anders aus, und daran ändern auch Verschwörunhsmythen nichts. Daran ändert es auch nichts, wenn man sich wünscht, dass es so wäre. Es hilft auch nichts, uns in den Anfragen Druck machen zu wollen („Ey Mimikama, wenn ihr darüber nicht schreibt, gesteht ihr wohl ein, dass das stimmt. Das werde ich dann allen sagen“).

Seid bitte zunächst selbstkritisch während der Coronakrise!

Ihr habt es anhand einfacher Mechanismen selbst in der Hand, einen Verschwörungsmythos als solchen zu erkennen. Das fängt jedoch mit einem einzigen schwierigen Schritt an: Prüfe dich selbst!

Entspricht die Information, die du da gerade liest, lediglich deinem Wunsch, dass es so ist? Ist sie der Strohhalm in der Coronakrise, nach dem du greifst, weil alle anderen etwas anderes sagen?

Mir geht es da nicht anders. Doch bei jeder Meldung, die eine zu starke Dramaturgie innehat oder mit bestimmten Narrativen spielt („Medien und Politik wollen doch verheimlichen“) halte ich ein und prüfe. Starkes Framing, überzogene Narrative, das sind Anzeichen für bewusste Fehlinterpretationen oder Manipulationsversuche.

Bleibe besonnen in der Coronakrise!

Halte dir immer vor Augen, dass du gewisse Dinge in der Coronakrise eben nicht beeinflussen kannst, andere Dinge jedoch schon. Du kannst deine eigene Einstellung kontrollieren, sowie dein Medienverhalten kritisch unter die Lupe nehmen. Das gilt für klassische Medien und Social Media gleichzeitig.

Halte dich daran, anderen nicht zu nahe zu kommen. Anstatt aus anonymen YouTube Kanälen oder irgendwelchen WhatsApp Kettenbriefen solltest du deine Informationen über die Coronakrise lieber aus öffentlichen Quellen (Gesundheitsministerien, RKI oder Johns-Hopkins-University) beziehen.

Quelle: The counseling teacher
Quelle: The counseling teacher

Es ist halt keine einfache Zeit, doch wir müssen damit umgehen. Suche dir ein Hobby, was man auch zuhause ausführen kann (nein, aus dem Fenster zu beobachten, ob andere die Regeln einhalten, ist kein Hobby. Alkohol, Drogen und häusliche Gewalt ebenso nicht).

Ich für meinen Teil werde diese Zeit nutzen und ein Buch schreiben. Über Social Media. Und über Verschwörungsmythen.

Artikelbild „Coronakrise“ von Gajus / Shutterstock.com

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