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Nein, Corona ist laut EU-Definition keine „seltene Krankheit“

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Laut EU-Definition soll es sich beim Coronavirus um eine „seltene Krankheit“ handeln. Dies ist nicht richtig!

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Diese Information wird aktuell in sozialen Medien verbreitet. Damit werden die Corona-bedingten Maßnahmen der Regierung hinterfragt beziehungsweise für nicht nachvollziehbar erklärt. – Wo es sich doch nur um eine „seltene Krankheit“ handle.

Um diesen Text geht es:

Screenshot Facebook Post
Screenshot Facebook Post

„Und ich schreibe es so lange bis es auch der Letzte begreift… bei 50 Erkrankten von 100000 Menschen handelt es sich laut EU Definition um eine „SELTENE KRANKHEIT“! Und da sind es echte Erkrankte und nicht nur positiv getestete.
Diese Regierung setzt Maßstäbe (35) oder weniger, die niemals erfüllt werden können. Genauso könnten sie fordern, wir lockern erst, wenn in Deutschland Mittwochs nicht gestorben wird.
Wie kann es sein, dass diese Regierung immer noch Rückhalt in der Bevölkerung hat? DAS IST KRANK!!!“

Gibt es diese EU-Definition?

Ja, diese gibt es. Man findet sie auf der Webseite der Europäischen Kommission unter „Gesundheitswesen“ – „Rare Diseases“ / Seltene Krankheiten.

Die Definition lautet wie folgt:

„Jede Krankheit, von der weniger als 5 von 10.000 Menschen in der EU betroffen sind, gilt als selten. Obwohl dies klein erscheinen mag, bedeutet dies ungefähr 246.000 Menschen. Die meisten Patienten leiden an noch selteneren Krankheiten, von denen 1 von 100.000 oder mehr Personen betroffen ist. Ungefähr 5.000 bis 8.000 verschiedene seltene Krankheiten betreffen 6 bis 8% der EU-Bevölkerung, d.h. zwischen 27 und 36 Millionen Menschen.“

Wir merken uns also: Sind weniger als 5 von 10.000 Menschen von einer Krankheit betroffen, ist diese als „seltene Krankheit“ einzustufen. 

Die Zahl 35 im Facebook-Beitrag

Die Zahl 35 bezieht sich auf die Staffelung der Maßnahmen der Regierung. Diese wurden im Infektionsschutzgesetz §28a festgehalten. Hier findet man zwei Zahlen, nämlich 50 und eben 35.

Gemessen werden diese Werte durch die 7-Tages-Inzidenz. Beträgt diese 50 oder mehr, werden „umfassende Schutzmaßnahmen“ ergriffen, über 35 treten „breit angelegte Schutzmaßnahmen“ in Kraft. Je niedriger die 7-Tages-Inzidenz ist, umso mehr kann gelockert werden.

Der Vollständigkeit halber möchten wir hier nochmals festhalten:
Die 7-Tages-Inzidenz beschreibt die Anzahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 je 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen.

Stellt man dem nun die EU-Definition einer „seltenen Krankheit“ entgegen, so bezieht sich dieser Wert ja auf Krankheitsfälle pro 10.000 Einwohner. Mit einfachen Mathematik-Kenntnissen rechnet man also den Inzidenz-Wert dementsprechend um und dividiert durch 10, um die Zahl je 10.000 Einwohner zu erhalten. Das wären dann bei „breit angelegten Schutzmaßnahmen“ 3,5 und bei „umfassenden Schutzmaßnahmen“ 5 Personen.

Somit verstehen wir mal die Logik aus dem Facebook-Posting.
Was fehlt nun? Das „Aaaaaber?“ – Bitteschön, folgt sogleich:

Äpfel und Birnen oder auch Inzidenz und Prävalenz

Die 7-Tages-Inzidenz besagt genau, worum es geht und was mit ihr gemessen wird. Nämlich die Zahl an Neuinfektionen innerhalb eines gewissen Zeitraums. Verknüpft wird diese eben mit einer bestimmten Bezugsgröße, um auch die Zahlen kleiner Orte mit denen von Millionenstädten vergleichen zu können.

Und die Prävalenz? Sie gibt Auskunft darüber, wie häufig eine bestimmte Krankheit auftritt, d.h. sie ist die Anzahl aller alten und neuen Fälle einer Krankheit. Im Gegensatz zur Inzidenz beschreibt sie die Krankheitshäufigkeit.

Die genaue Definition kann man beispielsweise beim Robert Koch-Institut (RKI) oder auch bei der Europäischen Patientenakademie für therapeutische Innovation (EUPATI) nachlesen:

Die Prävalenz gibt Aufschluss über bestehende Fälle, die Inzidenz hingegen über neu auftretende Fälle.

Werfen wir den Taschenrechner an

In Deutschland leben aktuell rund 83,7 Millionen Menschen. Wenn beispielsweise 1 Million Menschen in Deutschland an einer Krankheit erkranken, ergibt das eine Prävalenz von rund 1.200 bei 100.000 Einwohnern.

Um zu diesem Ergebnis zu gelangen, rechnen wir erstmal den Anteil der Erkrankten aus der Gesamtbevölkerung raus: 83.700.000 / 1.000.000 = 83,7
Danach legen wir dieses Ergebnis auf den Wert von 100.000 um, mit dem die Prävalenz angegeben wird: 100.000 / 83,7 = 1.194,74…

Nun rechnen wir mit den Corona-Zahlen. Seit Beginn der Corona-Pandemie wurden in Deutschland rund 2,4 Millionen Krankheitsfälle gemeldet. (Stand 3. März 2021, 13:00 Uhr)
Der Rechenweg ist derselbe: 83.700.000 / 2.400.000 = 34,875
Für den Prävalenz-Wert noch auf 100.000 Einwohner umrechnen: 100.000 / 34,875 = 2.867,38…

Demnach liegt die Prävalenz bei rund 2.870 je 100.000 Einwohnern.
Die besagte EU-Definition bezieht sich jedoch auf eine Anzahl je 10.000 Einwohner. Darum dividieren wir hier nochmals durch 10, um diese Zahl zu erhalten: 2.870 / 10 = 287

Dass 287 weit entfernt von 5 ist, müssen wir nun hoffentlich nicht mehr erklären.

Fazit

Hier werden Inzidenz und Prävalenz vermischt.
Im Sharepic werden die Zahlen der *Neu*erkrankungen genommen, in der EU-Definition geht es aber um die *Gesamt*erkrankungen.

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Quelle: afp.com
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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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