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Chlordioxid als Heilmittel gegen COVID-19? Schlechte Studie!

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Während Mediziner weiterhin fieberhaft nach einem Impfstoff und Medikamenten gegen COVID-19 forschen, schlägt für „Wunderheiler“ die große Stunde, um ihre Mittel anzupreisen.

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So kursiert das Video eines Mannes, der darin behauptet, dass „Chlordioxid in Form von CDS (Chlorine Dioxide Solution) bei der sogenannten Corona-Pandemie einwandfrei funktioniert“. Es sei eine Tatsache, die auf seinen Patenten beruht, welches er kostenlos zur Verfügung stelle.

In Ecuador sollen COVID-19 Patienten mit Chlordioxid behandelt worden sein, die Erfolgsquote soll 97 Prozent betragen haben, so ein gewisser Andreas Kalcker.

Was ist Chlordioxid?

Interessanterweise wird in den Beiträgen und dem Video tunlichst vermieden, wie „Chlordioxid in Form von CDS“ in bestimmten Kreisen genannt wird: MMS, kurz für „Miracle Mineral Supplement“ (Wunder-Mineralien-Zusatz).

Chloridioxid entsteht, wenn Natriumchlorit mit Zitronensäure vermengt wird. Je nach Konzentration kommt es bei der oralen Einnahme zur Reizung bis hin zur Verätzung der Schleimhäute. Die Folgen können Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Nierenversagen, schwere Darmschädigungen und Blutdruckabfall sein.

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Die Studie

Als PDF verlinkt findet sich jene Studie der Ärztevereinigung AEMEMI (Asociación Ecuatoriana de Médicos Expertos en Medicina Integrativa). Jene Vereinigung spezialisiert sich nach eigenen Angaben darauf, konventionelle traditionelle Medizin und alternative Medizin auf einer wissenschaftlichen Grundlage in Behandlungen zu integrieren.

Die spanischen Faktenchecker von Maldita.es haben sich jene Studie genauer angeschaut. Unter „Maldita Ciencia“ haben die Spanier eine eigene Sparte, die sich speziell mit wissenschaftlichen Behauptungen beschäftigt, wie eben auch jener Studie.

Demnach weist die Studie mehrere, erhebliche Mängel auf:
Nicht bei allen Teilnehmern wurde COVID-19 diagnostiziert (sie hatten nur Symptome), es gab keine Kontrollgruppe und keine Beweise für die Heilung, sprich: keine transparente, medizinische Nachuntersuchung mit Laborergebnissen.

Die teilnehmenden Freiwilligen, 104 an der Zahl, bestanden sowohl aus auf COVID-19 positiv getesteten Personen, als auch auf Personen mit Atemwegserkrankungen, die auf COVID-19 hindeuteten und sogar aus Personen, die einfach nur Kontakt mit COVID-19 Erkrankten hatten. Auch die eigenen Ärzte nahmen daran teil, was die Objektivität noch zusätzlich senkt.

Chlordioxid tötet Keime im Wasser ab. Laut der Studie soll die Chemikalie das Gleiche auch im menschlichen Körper bewirken, dafür gibt es allerdings bis heute keinen einzigen, wissenschaftlichen Beweis – eher den Gegenbeweis: Es verätzt und zerstört Schleimhäute und Organe.

Die spanische Gesellschaft für Mikrobiologie (La Sociedad Española de Microbiología) kritisert zudem, dass in der Studie mit den „etwas willkürlich ausgewählten Teilnehmern“ nur der Verlauf der Symptome beschrieben wird. Diese werden teilweise subjektiv von den Teilnehmenden beschrieben, sind also für eine Studie auch nicht gerade aussagekräftig.

Da es auch keine Kontrollgruppe mit Placebos gab, konnte dadurch auch nicht festgestellt werden, ob eine subjektive Verbesserung nun durch das Chlordioxid entstand oder durch bloße Einbildung. Es ist nicht einmal klargestellt, welche Personen wieviel von dem Mittel bekamen und wie lange die Symptome schon vorlagen – Somit ist auch offen, bei wievielen Personen die Symptome auch ohne Mittel abgeklungen wären.

Im Gesamten ist jene Studie absolut ungenügend und stellt keinen Beweis für die Wirksamkeit von Chlordioxid (MMS) gegen COVID-19 dar!

Zur Person Kalcker

Andreas Ludwig Kalcker tritt hauptsächlich als Wunderheiler und Autor in Erscheinung, zumeist vermarktet er die Produkte von Jim Humble, der als Erfinder des MMS gilt.

Er soll unter anderem einen Doktortitel in Alternativmedizin haben. Wer sich nun fragt, welche Universität denn einen solchen Doktortitel verleiht: Gar keine.
Es gab jedoch vor einigen Jahren eine spanische  „Online-Universität“, bei der man sich solche Titel und Zertifikate kaufen konnte. Die Seite ist schon längst gelöscht worden, kann man aber noch hier im Internet Archive einsehen.

Im Februar 2019 wurde auch in der deutschsprachigen Presse sein Name erwähnt. Dabei ging es darum, dass der Generalstaatsanwalt Spaniens gegen ihn und anderen Beteiligten ermittelten, da sie fleißig MMS beworben, obwohl das „Wundermittel“ seit 2010 in Spanien aufgrund seiner schädigenden Wirkung bis hin zur Lebensgefahr verboten ist.

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Fazit

Die angeführte Studie erbringt keinerlei Nachweis für die Wirksamkeit von Chlordioxid gegen COVID-19. Die Behauptungen stammen zudem von einer Person, die massiv Werbung für das „Wundermittel“ MMS betreibt und deswegen auch u.a. letztes Jahr mit dem spanischen Gesetz in Konflikt geriet.

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Artikelbild: Shutterstock / Von Seasontime
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