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Montag, 24 Januar 2022

Bildung ist nicht das Allheilmittel gegen Falschmeldungen!

Seit Jahren schon ist es das Thema: angeblich benötigen wir alle mehr Bildung, um Falschmeldungen zu erkennen. Doch reicht das?

Grundsätzlich ist Bildung ja nicht verkehrt. Mehr noch, ich finde jede Art von Bildung und Weiterbildung großartig. Und natürlich unterstütze ich als alter Bildungsromantiker auch die Idee, das gerade Bildung im Bereich Social Media und (ob an Schuhen oder privat) einiges hilft, um Falschmeldung zu erkennen oder auch nicht auf jede Falschmeldung hereinzufallen.

Doch ich muss auch ganz deutlich sagen, dass Bildung nicht alles ist! Folgen wir nämlich dieser Idee, würden wir einen folgenschweren Gedankenfehler begehen. Denn wenn wir nur auf Bildung setzen, würden wir im Umkehrschluss behaupten, dass lediglich „dumme“ Menschen auf Falschmeldungen hereinfallen. Doch das ist nicht der Fall. Das zeigt, dass Bildung nicht unbedingt vor Falschmeldungen schützt und ganz bestimmt auch kein Allheilmittel ist.

Wenn nicht Bildung, dann …?

Die große Frage ist ja, warum Menschen auf Falschmeldung hereinfallen. Ein wichtiger Ansatz ist hier die Betroffenheitslage. Immer dann, wenn jemand von einer bestimmten Situation betroffen ist, neigt diese Person auch dazu, einer Falschmeldung zu glauben. Das haben wir schon 2014 bemerken können, als die vielen Falschmeldungen rund um weißer Lieferwagen auftauchen.

Damals hat es geheißen, dass weiße Lieferwagen an Schulen herumfahren, um Kinder zu entführen und zu nach Osteuropa zu bringen. Wir könnten deutlich beobachten, dass speziell Eltern übersensibilisiert waren zu diesem Zeitpunkt.

Immer dann, wenn wirklich ein weißer Lieferwagen langsam an Schulen oder Kindergarten entlang fuhren, tauchten auf Social Media und in WhatsApp-Gruppen Warnungen vor Kinderfängern auf. Am Ende haben sich diese Lieferwagen als Handwerker oder als Schrottsammler herausgestellt. Jedoch waren Kinderfänger nicht dabei.

Hier wird deutlich, dass zum einen die sinnstiftende Erzählung dahinter überzeugend ist, aber auch Betroffenheitslage die Eltern dazu bewegt hat, Falschmeldungen zu glauben oder sogar in die Welt zu setzen.

Es ist also eine Kombination aus beidem. Die plausible Hintergrundgeschichte plus die Befangenheit. Und hier können wir nun den Spin zur Corona-Pandemie zur drehen. Die Corona-Pandemie ist nicht nur irgendeine Betroffenheitslage, sondern eine globale Betroffenheitslage, in der wir uns alle befinden. Dabei suchen wir nach Lösungen, nach Erklärungen oder aber auch nach Schuldigen.

Jetzt kommen die verführerischen Falschmeldungen Spiel! Wir als Betroffene bekommen von Falschmeldungen oder Verschwörungserzählungen Lösungen geliefert. Diese Lösungen sind jene, nach denen wir uns sehnen. Ebenso auch die Schuldigen.

Sicherlich ist Bildung auch von Vorteil. Bildung, wenn es darum geht, bestimmte Erzähltechniken zu erkennen und zu verstehen. Ebenso wenn es darum geht, bestimmte Muster auf Social Media zu verstehen. Das ist alles nicht verkehrt und für die Zukunft auch sicherlich sinnvoll. Für die Gegenwart ist sowieso. Doch das Problem der Falschmeldung liegt häufig in der Situation selbst. In der Befangenheit der Menschen, in der Betroffenheit und in der gefühlten Betroffenheit. Ebenso die Angst vor einer Situation, aber auch die Hoffnung auf Erlösung.

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Symbolbild Bildung, Artikelbild von TierneyMJ / Shutterstock.com

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