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Annalena Baerbock und George Soros – Ein Feindbild entsteht

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Harte Monate liegen vor der Kanzlerkandidatin der Grünen Annalena Baerbock, denn die Verschwörungsmythen-Maschinerie läuft gerade erst an.

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Es heißt, George Soros dürfe man nicht kritisieren, da er Jude sei und dies dann antisemitisch wäre. Das ist zwar Unsinn, ist aber ein gern genanntes Argument, wenn sich gewisse Menschen lieber in der Opferrolle sehen.
Da aber Soros für gewisse Menschen ohnehin eines der Drahtzieher des Bösen schlechthin ist, kommt es diesen Menschen gut gelegen, nun ein Foto von Kanzlerkandidatin Baerbock mit Soros entdeckt zu haben.

Und da rattert nun die Verschwörungsmythen-Maschinerie:

Recht verbreitet wird ein Foto von Annalena Baerbock, welches sie auf Instagram selbst veröffentlichte: Es zeigt sie mit George Soros auf der Sicherheitskonferenz in München im Jahr 2019 (siehe HIER, fünftes Bild von sieben).

Zusätzlich wird besonders in politischen und verschwörungsmythischen Kreisen verbreitet, dass die Kanzlerkandidatin eine „Soros-Müsterschülerin“ sei, die eine 5-jährige Ausbildung des Weltwirtschaftsforums durchlaufen hätte, welche dazu diene, einen weltweiten politischen und gesellschaftlichen Wandel „im Sinne von Soros und Co.“ umzusetzen.

Das Feindbild Soros

In den letzten Jahren war George Soros hierzulande eigentlich weniger der Mittelpunkt von Verschwörungsmythen, nur gelegentlich wurde sein Name in zumeist antisemitischen Framing-Behauptungen genannt: Soros als „geldgieriger Jude“, der mit seinem Vermögen alles steuere.

In den letzten Monaten geschieht es jedoch immer öfter, dass Juden, insbesondere George Soros, als Feindbild dargestellt werden – nicht zuletzt auch durch einen Autor von veganen Kochbüchern, der Antisemitismus mittlerweile zu einem Hauptthema seines Telegram-Kanals macht.

Nun sollte eigentlich aus der deutschen Vergangenheit bekannt sein, dass so etwas nicht gut sein kann, umso schockierender ist es, wenn eine Partei, die gern am rechten Rand schöpft, dieses Narrativ aufnimmt und für sich nutzt, ohne den antisemitischen Hintergrund des Soros-Framings zu erläutern – so funktioniert antisemitische Manipulation.

Die Washington Post (siehe HIER) durchleuchtete gleich fünf Behauptungen, die sich rund um Soros drehen. So habe er den Nazis geholfen, finanziere „Antifa-Proteste“, sei gar kein echter Jude, habe ganz alleine die Bank of England zerschlagen und plane eine zerstörerische Revolution in den USA – Mythen, die sich allesamt widerlegen lassen, aber weiterhin kursieren.

Nun darf man an Soros kritisieren, wie man möchte, deshalb ist man nicht gleich ein Antisemit. Die Verknüpfung von Antisemitismus und dem „geldgierigen Juden“ Soros wird jedoch so oft in den einschlägigen Kreisen verwendet, dass eine Kritik dann schon auch wirklich fundiert sein sollte, denn man kann sich sicher sein, dass rechtsnationale Kreise diese für sich nutzen werden.

Und was hat es mit der „Musterschülerin“ auf sich?

Annalena Baerbock gehörte 2020 zu der Klasse der „Young Global Leaders“ (siehe HIER).
Bei den Young Global Leaders handelt es sich um eine unabhängige Non-Profit-Organisation, die von Genf, Schweiz, aus geleitet wird und unter der Aufsicht der Schweizer Regierung steht.

Die neuen Teilnehmer der Young Global Leaders werden jedes Jahr vom Weltwirtschaftsforum ernannt (siehe HIER). Jenes Weltwirtschaftsforum wiederum wird vom Soros Fund Management finanziert (siehe HIER), eine private Investmentfirma, die als Hauptinvestitionsberater für eine Gruppe von Fonds dient, die zum Nutzen von Kunden der Familie Soros verwaltet werden.

Und an dieser Stelle wird nun die Behauptung gestrickt:
Baerbock ist eine der Young Global Leader, diese werden vom Weltwirtschaftsforum ernannt, welches von einem Fund finanziert wird, dessen Vorsitzender George Soros ist.
Somit sei die Kanzlerkandidatin der Grünen eine Schülerin von Soros.

Und da George Soros ja schließlich, salopp gesagt, für gewisse Kreise als das Böse schlechthin gilt, wird Baerbock als Marionette dargestellt, die von Soros gesteuert wird. Ähnliche Vorwürfe mussten sich ja bereits die Kollegen von „Correctiv“ gefallen lassen, die 2017 eine Finanzspritze von Soros erhielten – wer etwas mit Soros zu tun hat, muss auf der Seite des Bösen sein, so das Narrativ.

Eine simple Denkweise fördert Hass

Politische Prozesse sind insgesamt recht kompliziert und nicht für jedermann verständlich. Dies ist leider so, sorgt aber dafür, dass sich viele Menschen ein simpleres Bild zurechtlegen und damit Verknüpfungen und Mythen schaffen, wo es gar keine gibt.

Das ist nichts Neues, denn schon früher wurden beispielsweise Frauen als Hexen gebrandmarkt für Dinge, für die sie gar nichts konnten – aber es war eine simple Erklärung. Und es ist auch sehr simpel gedacht, einfach einen einzigen Mann für alles verantwortlich zu machen.

Doch ob nun wie im Dritten Reich oder in jener Telegram-Gruppe des Kochbuch-Autors einer ganzen Gruppe oder einer einzelnen Person die Schuld gegeben wird, ist einerlei:
Faktisch werden durch simples Denken Feindbilder aufgebaut, die sich in Hass und gefährlichen Taten äußern, eben aufgrund jenes simplen Denkens: Man müsse nur die Juden oder George Soros beseitigen, dann wäre alles gut.

Denn alles, was einem nicht gefällt – ob Pandemie-Maßnahmen, eine Kanzlerkandidatin oder Faktenchecks – muss in deren Gedankenwelt zwangsläufig durch irgendeine Macht gesteuert sein, ob durch Juden oder durch Soros.

So eine Denkart macht das Leben natürlich viel unkomplizierter – aber auch sehr viel hasserfüllter, wenn man lieber auf simple Denkmuster zurückgreift, anstatt sich einzugestehen, die Welt nicht in allen Punkten verstehen zu können.

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Artikelbild: Instagram-Account von Annalena Baerbock
Weitere Quellen: Tagesschau, Nordbayern
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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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