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Faktencheck: Die angeblichen Aussagen des Jacques Attali von 1981

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Jacques Attali war Berater des französischen Präsidenten François Mitterrand und soll angeblich damals den Plan zur „Reduzierung der Bevölkerung“ verraten haben.

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Jene Aussagen, die von Jacques Attali stammen und in einem 2006 erschienen Buch namens „Die Zukunft des Lebens“ stehen sollen, drehen sich um Wege, die Bevölkerung zu reduzieren, beispielsweise soll Attali vorgeschlagen haben, eine Pandemie zu erfinden, einen Virus, der vor allem die unproduktiven älteren Menschen befällt.

Der Text kursiert in mehreren, kleinen Variationen, die Kernbehauptungen sind jedoch immer gleich:

Die angeblichen Aussagen des Jacques Attali
Die angeblichen Aussagen des Jacques Attali

Folgendes soll in dem Buch stehen:

„In Zukunft wird es darum gehen, einen Weg zu finden, die Population zu reduzieren. Wir werden mit den Alten beginnen, denn sobald der Mensch über 60 Jahre alt ist, lebt er länger, als er produziert, und das kommt die Gesellschaft teuer zu stehen.
Dann die Schwachen und dann die Nutzlosen, die nichts zur Gesellschaft beitragen, weil es immer mehr werden, und schließlich die Dummen. Euthanasie muss ein wesentliches Instrument unserer zukünftigen Gesellschaften sein.
Wir erfinden eine Pandemie, die auf bestimmte Menschen abzielt, ein Virus, das die Alten oder die Älteren befallen wird.
Die Dummen werden es glauben und darum bitten, behandelt zu werden. Wir werden dafür gesorgt haben, die Behandlung geplant zu haben, eine Behandlung, die die Lösung sein wird.
Die Selektion der Idioten wird sich also von selbst erledigen: sie werden allein zur Schlachtbank gehen.“

Verdrehte Aussagen

Ein Buch, welches 2006 in Frankreich erschien und nur noch schwer zu kriegen ist – da kann man natürlich über den Inhalt alles Mögliche behaupten, denn kein durchschnittlicher Nutzer wird sich die Mühe machen, jenes französische Buch zu besorgen und selbst nachzulesen.

Nicht jedoch die französischen Kollegen von AFP Factuel, welche sich vom Verleger des Buches eine Kopie der Passagen haben zukommen lassen, die das Interview mit Jacques Attali beinhalten.

In dem Interview finden sich einige Aussagen Atallis zu den Thematiken, jedoch wurde diese vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen und verdreht!

Die echten Aussagen Attalis im Detail

Seine Aussagen zu Menschen über 60 Jahre

Die Frage an Jacue Attali lautete: „Ist es möglich und wünschenswert, 120 Jahre alt zu werden…?

Seine Antwort, welche zumindest vom Sinn her mit dem verbreiteten Text übereinstimmt:

„Aber sobald wir über 60/65 hinausgehen, lebt der Mensch länger, als er produziert, und dann kommt er der Gesellschaft teuer zu stehen.“

und

„In der Tat ist es vom Standpunkt der Gesellschaft aus gesehen viel besser, dass die menschliche Maschine abrupt aufhört, als dass sie allmählich verkommt.“

Jacques Attali führt allerdings seine Aussagen noch weiter aus:

„Daher glaube ich, dass es in der Logik der Industriegesellschaft nicht mehr darum geht, die Lebenserwartung zu verlängern, sondern dafür zu sorgen, dass der Mensch innerhalb einer gegebenen Lebensspanne so gut wie möglich lebt, aber so, dass die Gesundheitskosten für die Gemeinschaft so weit wie möglich reduziert werden.“

Seine Aussagen zu Euthanasie

In dem Buch kommt Jacques Attali zu folgendem Schluss:

„Euthanasie wird in jedem Fall eines der wesentlichen Instrumente unserer zukünftigen Gesellschaften sein. In einer sozialistischen Logik stellt sich das Problem zunächst wie folgt dar: Die sozialistische Logik ist die Freiheit und die grundlegende Freiheit ist der Selbstmord; folglich ist das Recht auf direkten oder indirekten Selbstmord ein absoluter Wert in dieser Art von Gesellschaft. In einer kapitalistischen Gesellschaft werden Tötungsmaschinen, Prothesen, die es ermöglichen, das Leben zu eliminieren, wenn es zu unerträglich oder ökonomisch zu kostspielig ist, entstehen und zur gängigen Praxis werden. Deshalb glaube ich, dass die Euthanasie, ob sie nun ein Freiheitswert oder ein Warenwert ist, eine der Regeln der zukünftigen Gesellschaft sein wird.“

Seine Aussagen zu Epidemien

Solcherlei Aussagen finden sich in dem oben angegeben Buch gar nicht, jedoch finden sich andere Passagen in dem Buch „Dictionnaire du XXIe siècle“ von Jacues Attali aus dem Jahr 1998.

Bezüglich des Lebens im 21. Jahrhundert schreibt er über Epidemien (nicht Pandemien):

„Im Spiel des Nomadentums von Menschen, Gütern und Arten, könnten große Epidemien auftauchen. [Diese könnten sich] als ebenso gefährlich erweisen wie dasjenige, das im Winter 1918-1919 fast die Hälfte der Menschheit befallen und 40 Millionen Menschen getötet hat.

Gemäß den Marktgesetzen behandelt man bevorzugt die erkrankten Reichen statt die Armen zu impfen, bevor sie krank werden. Es ist also eine Menge Blutvergießen im Süden zu erwarten.“

Fazit

Nur einige Teile des verbreiteten Textes stammen sinngemäß von Jacques Attali.
Der Großteil ist jedoch frei erfunden, beispielsweise sagte er nie, dass man eine Pandemie und einen Virus erfinden müsse, was „die Dummen glauben werden“ um „zur Schlachtbank zu gehen“.

Der verbreitete Text ist somit eine komplette Falschbehauptung.

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Weitere Quellen: AFP Factuel, dpa
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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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